Pflegeschule vor dem Kollaps
20.02.2010 | 08:00 Uhr 2010-02-20T08:00:00+0100Unna. „Wachet auf, ruft uns die Stimme”, mag man den lutherischen Hofprediger und Pfarrer Philipp Nicolai zitieren und der Unnaer Politik ins Stammbuch schreiben.
Denn es ist an der Zeit, über die Zukunft der nach Nicolai benannten Grundschule am Nordring zu entscheiden, will man nicht 125 Ausbildungsplätze in Unna verlieren, jener Kreisstadt, die sich noch vor Jahresfrist um einen überregionalen Gesundheitscampus auf dem Gelände der ehemaligen Landesstelle in Massen beworben hatte. „Wir haben zusätzlichen Raum dringend nötig für unsere Krankenpflegeschule”, sagt Klaus Bathen, Geschäftsführer des Katharinenhospitals: „Ansonsten müssen wir nach Wickede-Wimbern umziehen.” Denn die hauseigene Schule platzt längst aus allen Nähten. Im Altbau der Klinik an der Oberen Husemannstraße stehen gerade einmal zwei Schulungs- und ein Demoraum für 125 Auszubildende zur Verfügung, Verwaltung, Lehrer und Dozenten sind in fünf Büros nur unzureichend untergebracht, und in dieser akuten Raumnot hat man sich dringend notwendigen Raum selbst im Personal-Wohnheim schaffen müssen.
Verlust täte der Kreisstadt weh
Unterrichtet werden unter diesen „unhaltbaren Umständen” (Bathen) die Auszubildenden aus dem eigenen Hause, aber auch die des evangelischen Krankenhauses Unna sowie zwei weiterer Häuser des Hospitalverbundes Hellweg in Wimbern und Soest. Wissen vermittelt hier aber auch die „Akademiestiftung Hellweg”, die Studiengänge in medizinischen und medizinnahen Bereichen anbietet. So kann am Studienstandort der Stiftung im benachbarten Soest erstmals in NRW der Studiengang „interdisziplinäres Schmerzmanagement” absolviert werden. Ein Angebot, um das sich die Stadt auch mit dem Gesundheitscampus beworben hatte. Im Rathaus der Kreisstadt sind die Wünsche und Sorgen des Katharinen-Hospitals längst bekannt. Allein: Die Alternativangebote (z.b. Brauerei und Flaschenkeller) sind wegen Entfernung und Größe „denkbar ungeeignet”, so die Architekten des Hauses. Und warum in die Ferne schweifen, wenn doch „ein Teil der Nikolaischule auf der anderen Straßenseite schon ausreichend wäre”, so Bathen. Die Platzsituation dort für 131 Jungen und Mädchen auf rund 500 Quadratmetern pro Geschoss: „Die offene Ganztagsgrundschule nutzt im Erdgeschoss mit 44 Mädchen und Jungen die großzügig renovierten und neu möblierten Räume”, heißt es auf der Homepage: „Im ersten Obergeschoss liegen die Räume der ersten und zweiten Klasse der Schuleingangsphase. Jeder Klasse stehen zwei Räume für den Unterricht zur Verfügung…” Gleiches gelte für die dritte und die beiden vierten Klassen im 2. Obergeschoss. Großzügiges Platzangebot bei ständig schwindenden Schülerzahlen, das weiß man auch an verantwortlicher Stelle im Rathaus, ohne es öffentlich auszusprechen. Aber weder Verwaltung noch Politik reagieren bislang konsequent und angemessen.Bathen stellt derweil klar: „In diesem Jahr wird eine Entscheidung über die Zukunft der Krankenpflegeschule fallen müssen.” Fakt ist auch, dass es angemessen und ausreichend Platz für die Ausbildung an der Klinik in Wimbern gäbe - allerdings 20 Kilometer entfernt von Unna.
19:28
Na super, kaum hat eine (Grund-)Schule endlich mal angemessene Räumlichkeiten, dann werden wieder Begehrlichkeiten geweckt!
Die in den einschlägigen Richtlinien vorgeschriebenen Mindestraumbedarfe reichen für eine anständige pädagogische Arbeit hinten und vorne nicht - schön, dass der Nicolai-Schule mehr Platz zur Verfügung gestellt wird.
13:48
Dann fahrt doch nach Wimbern. 20 Km sind für Erwachsene kein Mobilität-Problem. Für die Grundschüler der Innenstadt ist die Nicolai-Schule eine wichtige Infrastruktur-Einrichtung. Wo kommen wir denn dahin, wenn wegen der Fehlplanung des Katharinen-Hospitals mal kurzer Hand eine alt eingesessene Grundschule ausradiert wird.