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Premiere von „Oma – Die...

Ohne Anspruch auf einen Anspruch

14.02.2010 | 15:41 Uhr

Unna. An „Oma – Die Opa!”, das neue Stück im Theater Narrenschiff überfordert nichts.

Wenn gleich zu Beginn ein massiges Weibsstück schrill „Das schreit nach Schnaps!” schreiend die Bühne stürmt, sich mit der geschätzten Wucht ihrer 140 Lebendkilo auf ein ungemachtes Bett wirft, in dem bis gerade ein zerlumpter Zivi ächzend versuchte, seinen komatösen Rausch auszuschlafen, wenn eineinhalb Stunden in fortlaufender Hysterie ausladende Altweibertitten wie Gummientchen quietschen, so entspricht das nicht gerade dem hohen Grad an Kultur, dem man den Narrenschiffmachern oft ehrfurchtsvoll bescheinigt.

Quietschende Plastikbusen in schreiend bunten Glitzerkleidern, darin drei Männer eingezwängt, die einzige Frau als Mann, als Zivi, abgerissen, verkappt schwul und altweiberversessen: das „versteht” jeder. Eher Unterforderung machte sich breit: So sah man versprenkelte vier Besucher, die schon bis zur Pause gequält weder mitlachen noch mitklatschen – geschweige denn karnevalesk mitjohlen konnten, nach 45 Minuten fluchtartig das Theater verlassen. Vielleicht hätten sie die Warnung von Lukas Kobuszewski, Urheber und Hauptdarsteller der „Oma” Koscheptzig, beherzigen sollen: Das werde „ein qualitativ noch nie dagewesenen Superlowbudgetmusical”.

Muss man wörtlich nehmen. Die Choreographie macht übrigens André Decker. Der Inhalt? Schnell erzählt: Drei überkandidelte Altenstiftbewohnerinnen, „Oma” (Kobuszewski), Truda (Daniel Schymik) und Martha (Nils Jacobi), brechen als „Walküren 007”, „47-11” und „90-60-90” nachts in der Wohnung ihres Zivis ein, damit er (sie: Barbara Wilkes) ihre Lebensgeschichten notiert.

Diese Lebensgeschichten, abgedreht, finden in Rückblenden auf der Unterbühne statt. Singend, tanzend, mit wogenden Altweiberquietschebusen und lüstern klatschenden Altweiberschenkeln, schrill, schräg, retro. Man mag sowas oder eben nicht. „Opa” kommt als sabbernder Lustgreis daher, „Gamaschencasanova” von frappanter Ähnlichkeit mit Herbert Knebel; nicht einmal hohe Filmkultur wie „Casablanca” bleibt verschont; und herzallerliebst, wenn sich junger Homo-Zivi und feiste Schnapsoma anschmachten mit „I got you babe” (sie: „I got you to make my bed”, er: „I got you to buy me cigarettes”.) Ein burleskes, absolut karnevaleskes Vergnügen – was machen die Narrenschiffmacher damit nach Aschermittwoch? Jedenfalls: ohne Anspruch auf Anspruch. „Würdet ihr für ein solches Musical Geld ausgeben? – Ich nicht!”, quietscht „Oma”/Kubuszenwiski abschließend schadenfroh. Mancher Besucher fühlte sich ertappt. juw

WR

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Kommentare
16.02.2010
14:30
Ohne Anspruch auf einen Anspruch
von anderer besucher | #2

Guter u passender Artikel!

16.02.2010
14:21
Ohne Anspruch auf einen Anspruch
von Besucher 13.02. | #1

Ich war am Samstag selbst Besucher des Stücks und bin doch sehr verwundert über diesen Artikel.
Erstens habe ich nicht mitbekommen, dass 4 Besucher nicht wiederkamen, was an den anderen (geschätzt 80 Besuchern gelegen haben könnte) und zweitens ist das doch selbstverständlich. Ich denke die Macher des Stücks haben mit sowas gerechnet.

Nichtsdestotrotz, ich glaube der Großteil des Publikums hat den Abend genossen. Was man auch am Applaus und an der geforderten Zugabe gesehen hat.

Stellt sich die Frage: HAt der Autor geschlafen?

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