Möbelverkäufer im Crashkurs
08.12.2011 | 16:30 Uhr 2011-12-08T16:30:00+0100
Unna.Ende Januar will Zurbrüggen das fünfte Möbelhaus eröffnen, das zurzeit in Herne für 42 Millionen Euro entsteht. Rund 250 Arbeitsplätze sollen entstehen und auch in Kooperation mit dem Arbeitsamt besetzt werden. „Menschen, die zuvor arbeitslos waren, schulen wir für den Verkauf in einer speziell konzipierten Weiterbildungsmaßnahme“, so Christian Zurbrüggen. Kein rein caritatives Werk, denn die Schulungskosten (rund 450 000 Euro) trägt die öffentliche Hand.
Das bestätigt Geschäftsführer Thomas Keyen von der zuständigen Agentur für Arbeit in Bochum, die die „Kosten von rund 700 Euro pro Monat und Teilnehmer“ mit dem Jobcenter teilt. Ein Möbelhändler-Crashkurs zugunsten des Familienunternehmens, indirekt finanziert über alle Beitragszahler.
„Es ist ein Gebenund ein Nehmen“
„Es ist ein Geben und ein Nehmen“, sagt Christian Zurbrüggen, „da die Arbeitsagentur weiß, dass mit der Kooperation innerhalb kurzer Zeit eine große Anzahl Menschen einen Arbeitsplatz erhält.“ Die nach den üblichen Konditionen in der Branche (Festgehalt plus Provisionen) bezahlt würden. „Bei uns verdient ein Einrichtungsberater im Schnitt 2 300-2 800 €, ein Küchenplaner 2 500-3 000 € und der Fachverkäufer im Sortimentsbereich 2 000 Euro brutto monatlich.“
Rund 1400 Menschen sind für das Auswahlverfahren aus dem Bestand der Arbeitssuchenden „bewegt worden“, sagt Thomas Keyen. „Im Alter von Mitte 20 bis deutlich über 50 Jahren, die sonst vermutlich nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten.“
Die Hälfte der Kandidaten wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Letztlich 112 absolvieren derzeit in fünf Klassen die Schulungsmaßnahme. Sie werden von Fachleuten über das auf den Möbelhandel spezialisierte Bildungs- und Schulungsinstitut Suhl (BSI) ausgebildet: zum Einrichtungsberater (5,5 Monate Schulung), Küchenplaner (7,5 Monate) und Verkäufer für die Fachsortimente (3,5 Monate).
„Das ist total anspruchsvoll, wir lernen zum Beispiel auch, welche verschiedenen Holzarten es für den Möbelbau gibt ,und welche Eigenschaften sie haben“, so eine begeisterte Teilnehmerin. Die Schulung werde mit einer Prüfung abgeschlossen, „die in der ganzen Branche anerkannt ist“, unterstreicht Christian Zurbrüggen.
Die reguläre Ausbildung zum Verkäufer im Einzelhandel dauert drei Jahre. Und zeitnah Fachleute aus der Möbelbranche an Zurbrüggen zu vermitteln, sei nicht möglich gewesen, sagt Thomas Keyen, „denn Leute, die das können ,gibt es am freien Markt nicht.“
Auch wenn die Schulung jetzt Geld koste, rechne sich das schnell für die Allgemeinheit sagt Keyen, da künftig für die Teilnehmer keine Sozialleistungen mehr anfallen würden. „Wir gehen davon aus, dass alle Kandidaten die Maßnahme erfolgreich abschließen und somit ihre Übernahme in sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen bei Zurbrüggen gesichert ist.“
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