Mehr Babys an der Wasserstraße
04.10.2010 | 17:08 Uhr 2010-10-04T17:08:00+0200
Unna.Wer von sich behaupten kann, in einem Taxi zur Welt gekommen zu sein, hat vermutlich die ungewöhnlichste Geburtsgeschichte für sich gepachtet. Fast so ungläubig werden werdende Eltern angeschaut, die sich als Ort ein Geburtshaus oder das eigene Zuhause aussuchen. In Unna wächst allerdings der Stellenwert der Klinik-Alternative.
Im siebten Jahr des Bestehens freut sich das Geburtshaus Unna, Wasserstraße 25, über steigende Geburtenzahlen. Schon vor dem letzten Quartal ist die Vorjahresbilanz beinahe erreicht. 60 Frauen wollten 2009 im Geburtshaus ihr Kind bekommen, Ende September waren es bereits 56. „Ende dieses Jahres werden es um die 70 Babys sein“, schätzt Hebamme und Geburtshaus-Mitbegründerin Ulla Kayser.
Die sechs Hebammen betreuen zudem etwa 50 Geburten in privater Umgebung oder Kliniken. Macht zusammen 120 Babys. Für ein solideres Fundament benötige das Geburtshaus laut Kayser aber noch 15 Paare mehr, die eine Hausgeburt oder Geburt im Geburtshaus wählen.
Nicht zuletzt sind steigende Kosten ein Hindernis für die Wirtschaftlichkeit des Hauses. Im kommenden Jahr verdoppeln sich die Ausgaben für die berufliche Haftpflichtversicherung der Hebammen. Dies hat im Juli bereits zur Schließung des Geburtshauses in Witten geführt.
Das Unnaer Geburtshaus dagegen wählt einen anderen Weg und will verstärkt auf die Sicherheit und Vorteile einer außerklinischen Geburt hinweisen. Ulla Kayser und ihre Kolleginnen setzen auf die umfassende und individuelle Betreuung während der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbetts. Kayser: „Je früher die Frauen zu uns kommen, desto eher können wir den Verlauf der Schwangerschaft positiv beeinflussen und die Familien darin bestärken, ihren eigenen Weg zu finden.“ Die Hebammen beraten bei der Ernährung, beim Stressabbau im Alltag und bieten Entspannungs- und Bewegungskurse an. Yoga ist inzwischen so stark gefragt, dass das Geburtshaus einen zweiten Kurs eingerichtet hat.
Wie sicher eine Geburt zu Hause oder im Geburtshaus im Vergleich zum Kreißsaal ist, beschäftigt werdende Mütter ebenso wie die Hebammen. Das Geburtshaus hat sich einem Qualitätstest unterzogen und stützt sich zudem auf neue Studien aus Deutschland, Kanada und den Niederlanden. Sie besagen, dass eine außerklinische Geburt keine höheren Risiken birgt. Die Vorteile für die Paare seien dagegen die intensive Betreuung mit sechs bis zehn persönlichen Kontakten zur Hebamme (ohne Geburtsvorbereitungskurse) und das Vertrauensverhältnis. Kayser: „Wir Hebammen kommen zusammen auf 70 Jahre Erfahrung im in der Geburtshilfe.“
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