Langer Weg zum neuen Fahrrad
12.02.2012 | 17:07 Uhr 2012-02-12T17:07:00+0100
Königsborn.Yannik kann vieles nicht. Essen, laufen, sprechen. All die Dinge, die für andere 14-jährige ganz alltäglich sind, wird Yannik nicht mehr lernen. Mehrfach schwerstbehindert, von Geburt an. Aber Yannik kann Fahrrad fahren. Zumindest mit der Hilfe seiner Mutter Andrea Kuhles. In einem „Rollfiets“, einer Mischung aus Rollstuhl und Fahrrad, fährt Yannik mit zum Einkaufen, zu Arztbesuchen und auf Radtouren im Hollandurlaub.
Und während Mama, Papa oder der große Bruder strampeln, sitzt Yannik auf dem besten Platz und genießt die Fahrt – das Rollfiets legt in vierzehn Tagen gut 1000 Kilometer mit der Familie zurück.
Yannik wiegt inzwischen 30 Kilo – das ist nicht viel für einen 14-jährigen, aber umso mehr für seine Eltern, für die die Fahrt mit dem Rollfiets immer anstrengender wurde. Sie beantragten bei der Krankenkasse einen Motor für ihr ausgefallenes Gefährt. Doch die Krankenkasse verweigerte nicht nur die Kostenübernahme, sie ging noch weiter. Da Yannik in seinem elektrischen Rollstuhl selbstständig fahren kann, wollte man der Familie das Rollfiets ebenfalls absprechen. Undenkbar, denn Yanniks Fahrrad ist seit zehn Jahren ständiger Begleiter – gehört offiziell aber der Krankenkasse.
Dass Hilfsmittel vom Kostenplan gestrichen werden, erlebten sie nicht zum ersten Mal. Andrea Kuhles, die ihren Sohn mehrmals am Tag tragen muss, wurde gegen die Rückenprobleme Reha-Sport verordnet. Nachdem die beantragten Sporteinheiten zur Besserung geführt hatten, war auch hier die finanzielle Unterstützung der Krankenkasse vorbei – dabei wird Yannik nicht leichter.
Doch die Familie wusste sich stets selbst zu helfen. Sie stemmten das Leben mit einem behinderten Kind und wollten lange keine Unterstützung in Anspruch nehmen. Doch das Geld für ein motorisiertes Rollfiets war schlicht und einfach nicht da.
„Ich hatte bestimmt seit zehn Jahren den Flyer der Aktiven Hilfe Königsborn in der Schublade liegen. Aber letztendlich haben wir uns bis jetzt immer dagegen entschieden, uns helfen zu lassen.“, gesteht sich Yanniks Mutter ein. Bis jetzt.
Der Flyer wurde aus der Schublade geholt, die Familie suchte Hilfe bei Rosemarie Lange, Vorsitzende des Vereins Aktive Hilfe Königsborn. Den Verein gibt es seit 11 Jahren und er tritt da ein, wo die Krankenkasse sich zurückzieht.
„Es war uns natürlich ein Anliegen, der Familie zu helfen. Aber die Summe für den Umbau des Rollfiets war auch für uns nicht leicht aufzubringen“, so Rosemarie Lange. Um trotzdem helfen zu können, wandte sie sich an die Stiftung der Familie Schabsky, die einen weiteren entscheidenden Teil der Finanzierung übernahm. Die Krankenkasse gab schließlich nach und überließ der Familie das Rollfiets.
Yannik fährt nun wieder mit seinen Eltern durch Königsborn – die nächste Radtour am Meer ist schon geplant.
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