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Fernwärme

Kraftwerk liegt still

10.05.2010 | 09:00 Uhr

Unna. Nicht nur teuer, sondern jetzt auch noch auf Kosten der Umwelt: Die RWE-Tochter Favorit hat die seit Jahrzehnten umstrittene Wärmeversorgung im großen Königsborner Siedlungsgebiet an der Berliner Allee komplett auf ihr konventionelles Fernheizwerk umgestellt.

Dem Blockheizkraftwerk der Stadtwerke Unna, das seit 1994 an der Hubert-Biernat-Straße Strom für das Unnaer Netz und Wärme für das Favorit-Netz produzierte, wurde der Vertrag gekündigt, teilen die Stadtwerke Unna in einer Notiz mit.

Das Kraftwerk, das mit seinen drei Gasmotoren einen Wirkungsgrad von rund 90 Prozent erreichte und der Unnaer Umwelt jährlich mindestens 20 000 Tonnen Kohlendioxid ersparte, liegt seit 30. April still. „Ökonomisch und ökologisch unverantwortlich“ nennt das Prof. Dr. Christian Jänig, Geschäftsführer der Stadtwerke Unna.

Mit dem erzwungenen Stillstand bestraft die Konzerntochter Favorit die Stadtwerke, die sich aus RWE-Sicht wohl zu laut und öffentlich an die Seite der Königsborner Wärmekunden gestellt hatte. Seit Jahren kämpft an der Berliner Allee eine Bürgerinitiative gegen die aus ihrer Sicht überteuerten Favorit-Wärmepreise. Selbst das Kartellamt beschäftigte sich schon mit den Favorit-Rechnungen, die teure Heizungskosten vor allem mit den hohen Wärmeverlusten im Netz begründeten, die eben auf alle angeschlossenen rund 5 000 Kunden umzulegen seien.

2009 eskalierte der Zoff: Als die Königsborner öffentlich vorrechneten, dass ihre Favorit-Wärmepreise drastisch über den Wärmepreisen der Stadtwerke etwa in der Gartenvorstadt oder an der Döbelner Straße lagen, drängten sie die Politik zu einer gemeinsamen Strategie gegen die RWE-Tochter. Sowohl die großen öffentlichen Favorit-Kunden (Kreis und Stadt mit Schulzentren und Stadthalle in Königsborn) als auch die Wohnungsbaugesellschaften sollten die noch bis 2015 laufenden Abnahmeverträge kündigen. Und dann sollten die Stadtwerke Unna das Netz samt Kunden übernehmen.

Lars Reckermann

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