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Verkaufsoffener Sonntag...

Kommerz kontra Einkaufsspaß

08.12.2009 | 17:47 Uhr

Der geplante verkaufsoffene Sonntag am 27. Dezember – einen Tag nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag – spaltet schon im Vorfeld Einzelhändler wie Kunden gleichermaßen.

Während in den Nebenstraßen wie Morgen-, Wasser- und Gerhart-Hauptmann fast alle Ladentüren geschlossen bleiben, wird in Bahnhof- und Massener Straße die Mehrheit der Kaufleute öffnen – viele von ihnen aber eher zähneknirschend.

„Ich bin strikt dagegen, empfinde die Idee als Frechheit. Wir müssen aber öffnen, falls alle öffnen”, sagt Til Breidenbach, stellvertretender Filialleiter des Gameshops. Gerade die Filialen bekommen Druck von oben. Viele müssen öffnen. Ein freier Sonntag – ausgeschlossen.

Durchatmen nach der stressigen Vorweihnachtszeit wird hingegen die Belegschaft von Zweirad Höni. „Wir müssen auch an unsere Mitarbeiter denken”, sagt Chef Ralf Höni. Die Kunden, die gezielt am Verkaufssonntag gekommen wären, würden sofort montagsmorgens bedient. Auch Thomas Jordan, Inhaber der Bücherei Hornung, kann nur den Kopf schütteln. Er habe schon bei der Abstimmung innerhalb der Händlerschaft im City Werbering sein Veto eingelegt. Ohne Erfolg: „Wir sind nach dem Weihnachtsgeschäft nur knapp besetzt und entscheiden deshalb noch kurzfristig, ob wir öffnen.” Sich hundertprozentig sicher, am 27. Dezember die Ladentüren seines Tabakgeschäfts nicht aufzusperren, ist Ulrich Befeldt: „Ich habe eine Familie und die geht an diesem Tag ganz klar vor.”

Der Vorsitzende des City Werberings Unna (CWU), Wolfgang Leiendecker, glaubt eine „überwiegende Mehrheit” der Händler hinter sich und der vom CWU beantragten Sonntagsöffnung. Spontan aufspringen wird dazu auch Britta Pruys vom „Schöner Basteln”, die von den Plänen des Verkaufssonntags bislang noch gar nichts wusste. „Für uns lohnt sich das immer. Wir sind dabei, wenn es erlaubt wird”, sagt sie.

Der städtische Ausschuss für Sicherheit und Ordnung hat jedenfalls schon Grünes Licht für den Verkaufssonntag erteilt, das letzte Wort spricht der Rat am 17. Dezember – und dürfte den CWU-Antrag schnell durchwinken.

„Diesen Tag können wir natürlich nicht abwarten. Wir haben die Pläne schon geschrieben”, sagt Christian Zurbrüggen über die Vorbereitungen des Möbelhauses zum Shopping-Sonntag. Mit Betriebsrat und und Mitarbeitern sei gesprochen worden. „Natürlich ist Sonntagsarbeit nie etwas, das grundsätzlich eingeführt werden sollte”, schränkt Zurbrüggen ein. Doch dieser spezielle Sonntag nach Weihnachten – 2008 öffnete Zurbrüggen „für Stammkunden”, wie es hieß – sei ein „überragendes Ereignis” gewesen. „Das wird in diesem Jahr wieder so sein.”

Ob Zurbrüggens Nachbar, der Praktiker-Baumarkt, mitzieht, ist noch offen. Filialleiter Peter Stralek macht eine Öffnung noch von Gesprächen mit der Konzernleitung und dem Betriebsrat abhängig. „Es wird schwierig”, sagt Stralek, „diese drei Tage Freizeit sind wie Urlaub, die möchten die Mitarbeiter genießen.” Allerdings will sich Praktiker nach eigenem Bekunden künftig mehr mit Zurbrüggen abstimmen und auch verkaufsoffene Sonntage mit gemeinsamen Werbestrategien angehen.

Eine eindeutige Meinung hat der Chef zweier Rewe-Märkte: „Der Kommerz steht ohnehin schon zu sehr im Vordergrund, die Menschlichkeit kommt zu kurz. Auf gar keinen Fall werden wir mitmachen”, sagt Helmut Engel. Lebensmittel am Sonntag zu verkaufen, lohne sich betriebswirtschaftlich ohnehin nicht.

Dennis Betzholz, Ruben Schulte und Bettina Szallies

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Kommentare
09.12.2009
21:28
Kommerz kontra Einkaufsspaß
von werktagskäufer | #4

Wir müssen auch an unsere Mitarbeiter denken - diese Meinung wird leider viel zu selten berücksichtig. Gerade der Einzelhandel kann sich nur durch kompetente und motivierte Mitarbeiter gegen Internetanbieter und Marktriesen wie Saturn usw. behaupten. Es gibt mittlerweile ausreichend Einkaufszeit. Gönnt den durch das wochenlange Weihnachtsgeschäft gestressten Mitarbeitern doch diesen Sonntag. Das Geld kann sowieso nur einmal ausgegeben werden. Dafür bleibt vom 28. bis 31.12. genügend Gelegenheit. - Den Sonntag kann man auch mit Buch lesen, Spazierengehen -Zoo Besuch o.ä. mit der Familie verbringen.

09.12.2009
13:01
Kommerz kontra Einkaufsspaß
von sommer sternchen | #3

Ich sehe das ebenfalls so. Entweder haben die Damen und Herren der Geschäftsleitungen keine Familie bzw. keinen Familiensinn oder gar Freunde, die man dann mal an einem so langen Wochenende treffen könnte. Ich empfehle daher mal die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens zu lesen oder gar zu schauen, vielleicht geht dem Einen oder Anderen mal ein Licht auf.
Der Stadtrat sollte mit nein dagegen stimmen. Der obige Bericht sagt ja schon alles aus.
Vielleicht sollte die Familie Zurbrüggen Heiligabend auf lassen. Dann könnten sie ja die Stammkunden noch bescheren und zum Nulltarif die Weihnachtsgans servieren - dass würde ich dann Service nennen.
Frohe Weihnachten und noch eine besinnliche Adventzeit (wohl nur für Leute gedacht, die nicht im Einzelhandel arbeiten). Respekt vor den Geschäften, die wirklich geschlossen bleiben. Ich wünsche deren Familien ein gutes Vorweihnachtsgeschäft und viel Erfolg zwischen den Tagen.

09.12.2009
10:45
Kommerz kontra Einkaufsspaß
von saschas | #2

Warum wird Heiligabend überhaupt so früh geschlossen und warum öffnet man die Geschäfte nicht auch am ersten und zweiten Weihnachtstag? Die Mitarbeiter gehen den Firmenchefs doch eh am Allerwertesten vorbei, hauptsache man kann noch zusätzlich Geld verdienen.
Und diejenigen, die an solchen Tagen gut dazu verdienen werden, sitzen gemütlich mit ihrer Familie beisammen und denken im Traum nicht daran arbeiten zu gehen. Dafür gibt es ja Angestellte und wer nicht gehorcht wird sofort rausgeschmissen.
Das sich da jetzt ein paar Chefs hinstellen und so tun als wäre es Ihnen unangenehm ist doch nur Heuchelei. Wer den Laden wirklich nicht öffnen will, der lässt Ihn zu, basta!
Den Käufern aber wird es wie üblich egal sein. Solange man nicht selbst betroffen ist, interessiert es einen ja nicht. Aber hauptsache dann im Laden solch dumme Sprüche wie Das ist aber blöd für sie das sie arbeiten müssen, wären sie nicht lieber bei ihrer Familie...

09.12.2009
08:45
Kommerz kontra Einkaufsspaß
von Robert Z. | #1

Es ist unmöglich wie sehr der Kommerz doch nach und nach die Überhand erhält. Eines Tages wird es soweit kommen, dass die Feiertage so vewaschen sind, dass es letztendlich zu einer Abschaffung dieser kommen wird. Wir sind auf dem Weg zu einer Gesellschaft die 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche parat sein muß. Ich für´mich werde auch weiterhin für diese verkaufsoffenen Sonntag boykottieren. Leider ist die Hoffnung gering, dass sich dieser Meinung viele andere anschließen werden!

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