Klinik streicht das Weihnachtsgeld
02.11.2011 | 18:38 Uhr 2011-11-02T18:38:00+0100
Unna.Das Evangelische Krankenhaus (EK) hat acht Wochen vor Heiligabend den 500 Mitarbeitern das Weihnachtsgeld gestrichen. Die Mitarbeiter wurden gestern über die Maßnahme informiert.
Erst im Februar mussten die Beschäftigten in der Klinik an der Hohlbeinstraße Lohneinbußen in Höhe von 2,5 Prozent hinnehmen. Zudem wurde ihnen damals das Weihnachtsgeld auf 50 Prozent gestrichen. Jetzt gibt es überhaupt keine Zulage mehr zum Fest. Denn die Klinik hat Liquiditätsprobleme. „Uns fehlen 850 000 Euro“, sagte EK-Stiftungsvorstand Dr. Dietmar Herberhold.
Kassen zahlen schlecht
Hierfür seien zwei Gründe ausschlaggebend: „Zum einen kam es in diesem Jahr zu einer sommerlichen Minderbelegung, die länger andauerte als in den Vorjahren üblich. Zum anderen hat sich das Zahlungsverhalten einer Reihe von Krankenkassen in den vergangenen Wochen dramatisch verschlechtert“, so Herberhold. „Da nun beides zusammenfällt, bleibt uns leider nichts anderes übrig, als unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Weihnachtsgeld vorzuenthalten.“ Die Mitarbeitervertretung lässt sich von einem externen Wirtschaftsprüfer beraten, um sicherzugehen, dass die vorgelegten Zahlen stimmen.
Allein durch die Streichung des Weihnachtsgelds spart das EK 650 000 Euro. Neben den 500 Pflegekräften sind auch 63 Ärzte von der Maßnahme betroffen, obwohl sie kein Weihnachtsgeld bekommen. Sie verzichteten Anfang dieses Jahres auf 2,4 Prozent ihres Lohnes. Ab 1. Januar 2012 müssen sie nun auf 4,8 Prozent verzichten. „Ich glaube, dass unserem Krankenhaus die Fach-, Ober- und Chefärzte treu bleiben“, sagte Herberhold. Es könnte aber sein, dass sich jüngere Assistenzärzte demnächst nach einer besser bezahlten Stelle umsehen. Schon im Februar hatten die Mitarbeiter auf die Sparmaßnahme, die für zwei Jahre gelten sollte, mit großer Betroffenheit reagiert. Gestern war die Stimmung ähnlich. „So kurz vorm Fest so eine Nachricht zu erhalten, ist nicht schön“, sagte eine Betroffene.
Nach Ansicht von Herberhold steht das EK in der Krankenhauslandschaft mit diesen Problematiken nicht alleine da. Mehrere Krankenhäuser in der Umgebung hätten in den vergangenen Monaten ähnliche Regelungen treffen müssen. Auch dort sei es in den Sommermonaten zu Minderbelegungen gekommen.
Zumindest in Unna ist diese Minderbelegung ein Phänomen. Noch im Sommer dieses Jahres musste das Katharinen-Hospital (KK) Patienten abweisen, weil der Andrang zu groß war. Das KK erweitert derzeit seine Kapazitäten und baut neue Patientenzimmer.
Politik muss reagieren
Herberhold glaubt an keine weiteren Einschnitte für sein Haus. Auf die Abläufe in der Klinik oder die Pflegesituation habe die Maßnahme keine Auswirkungen. Entlassungen etwa stünden überhaupt nicht zur Debatte. Auch das Bettenkontingent werde wegen eines schlechten Sommers nicht zurückgefahren.
Das „schlechte Zahlungsverhalten der Krankenkassen“ (Herberhold) nimmt der Klinikchef zum Anlass, die Politik in die Pflicht zu nehmen. „Hier ist die Politik gefordert, dass Zahlungsprobleme der Krankenkassen nicht auf dem Rücken der Krankenhäuser ausgetragen werden.“
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