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„Kinderhilfe Tschernobyl“ in Not

02.05.2011 | 19:40 Uhr
„Kinderhilfe Tschernobyl“ in Not
v.l.: Ines Budeus (l.) und Gabi Müller-Vorholt.

Unna.Nach 20 Jahren liebe- und mühevollen Engagements gibt Gabi Müller-Vorholt auf. Die treibende Kraft hinter der „Kinderhilfe Tschernobyl“ im Caritas-Kreisverband springt nicht noch einmal über die bürokratischen Hürden, die der Staat Weißrussland dem Erholungsaufenthalt von weißrussischen Familien in den Weg stellt.

Damit werden in diesem Sommer erstmals seit 1991 keine Mütter mit erkrankten Kindern in Unna und Umgebung Urlaub machen können. Etwa 1000 Menschen aus den strahlenverseuchten Regionen um Tschernobyl hatten in den vergangenen 20 Jahren das willkommene Angebot in Unnaer Gastfamilien genutzt.

Behörden verlangen immer mehr Anträge

Vor Ostern hatte Müller-Vorholt, im Beruf Leiterin des Unnaer Ernst-Barlach-Gymnasiums, im Gespräch mit unserer Redaktion von einem großen Umbruch gesprochen, der sich für die „Kinderhilfe Tschernobyl“ abzeichne. Ihre Kräfte seien zunehmend erschöpft, was die Organisation der Aufenthalte angehe. Die weißrussischen Behörden verlangten immer mehr Bescheide und Anträge, bevor die Familien eine Ausreisegenehmigung erhielten. Ob sie die Arbeit für diesen Sommer noch einmal stemme, wollte Müller-Vorholt in den Osterferien entscheiden.

Jetzt hat Gabi Müller-Vorholt ihren Helfern und Mitstreitern schriftlich mitgeteilt, dass sie die Erholungsferien für die weißrussischen Frauen und Kinder nicht mehr organisieren werde. Die Königsborner Iris Budeus äußert großes Verständnis für diese Entscheidung und spricht Müller-Vorholt den Dank für die vielen Jahre der ehrenamtlichen Arbeit aus.

Eine Nachfolgeregelung zeichnet sich nicht ab. „Ich habe die Hoffnung, dass es mit der Kinderhilfe irgendwie weiter geht“, sagte Budeus unserer Redaktion. „Aber im Augenblick weiß ich noch nicht wie.“

Die „Kinderhilfe Tschernobyl“ war neben den Gastaufenthalten noch auf weiteren Feldern aktiv. Lebensmittelpakete, Kleidung und Medikamente wurden regelmäßig nach Weißrussland gebracht. Das Verteilen vor Ort regelte üblicherweise die Partnerorganisation „Kinder in Not“, eine private Elterninitiative in Minsk.

Budeus wünscht sich, dass zumindest dieser Kontakt weiter gepflegt und durch Spenden unterstützt werde. Sie selbst sei dazu bereit, auch wenn sie aus zeitlichen Gründen nicht die Leitung der „Kinderhilfe Tschernobyl“ übernehmen könne. Ihre Weihnachtskartenaktion, bei der sie Jahr für Jahr die Motive zum Großteil selbst zeichnete, würde sie gerne fortsetzen. Dabei kamen in gut zehn Jahren weit über 5000 Euro für die Kinderhilfe zusammen.

Gabi Müller-Vorholt hatte betont, dass sie schweren Herzens aufhören werde. Zumal die Kinderhilfe sehr stark auf sie fixiert sei und niemand ihre Aufgabe übernehmen wolle. Am Montag war sie für unsere Redaktion nicht zu erreichen.

Volker Stephan

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