Karierretipps zwischen Tarotkarten und Glaskugel
10.04.2008 | 17:32 Uhr 2008-04-10T17:32:00+0200
Unna. (shy) Die Lottozahlen schon vorher kennen. Den Pokalsieger vorhersehen. Das Leben könnte so einfach sein – wenn man nur Wahrsager wäre. In ihrem kleinen Bauwagen auf der Kirmes gab Fachfrau Traber unserer Reporterin Karrieretipps.
Der fahrbare Untersatz hat etwas von einem Puppenhaus. Ein Tisch und zwei Sitzbänke dominieren die üppige Einrichtung. Traber sitzt auf einem Bezug in Leoparden-Optik, der für einen angemessen exotischen Akzent sorgt. Gerade hat sie das letzte goldverzierte Samtkissen in der Sitzecke drapiert. Jetzt lehnt sich die eindrucksvolle Rothaarige langsam zurück und beginnt, zu sprechen.
„Jein,” sagt sie. Hellsehen, das sei nur bedingt erlernbar. „Man muss eine Gabe haben”, erklärt sie und nickt nachdrücklich. „Bei uns in der Familie liegt das zum Beispiel im Blut”. Mutter, Großmutter, Urgroßmutter und Generationen zuvor hatten das spezielle Gespür für das Unsichtbare. So wie jetzt die Enkel. Das merke man einfach. Traber streicht mit den Händen über die strukturierte Tischdecke, als würde sie dort eine treffendere Beschreibung finden. Dann lächelt sie kurz: „Wenn Kinder zum Beispiel einen imaginären Freund haben, der nicht weg geht. Dann kann man sich dem näher widmen.” Die Ausbildung für Kinder darf ruhig schon früh beginnen. Sie spricht offenbar aus Erfahrung. Mit drei oder vier Jahren „fängt man an, ihnen Handlinien nahe zu bringen. Aber nur unwichtige!” – mit Kenntnissen über die Wichtigen Merkmale wie Hand-, Kopf- oder Herzline „können die zuviel Unfug treiben.”
Kristallkugel fürKirmes nicht geeignet
Später käme dann die Bedeutung der Tarotkarten hinzu. Doch auch, wenn übersinnliche Wahrnehmungsfähigkeiten nicht in der Wiege lagen, muss die mystische Laufbahn nicht verwehrt bleiben. Verdienen würde man mit dieser Arbeit sowieso „nur ein Zubrot”. Interessierte Erwachsene könnten selbstverständlich die selben Techniken erlernen wie Kinder: „Aber man wird nie zwischen den Zeilen lesen können”, das mache eben das gewisse Gespür aus. „Es ist ja so: Wenn jemand zu mir herein kommt, dann weiß ich meistens schon Bescheid. Dann brauche ich gar nicht groß mit dem sprechen.” Das gilt allerdings nicht jetzt – sie müsse ja nicht arbeiten jetzt.
Mit Intuition und Einfühlungsvermögen ist man jedenfalls schon auf dem richtigen Weg, findet Traber. Fehlt noch das Handwerkszeug: „Auf der Kirmes mache ich nur Tarotkarten und Handlesen”, erklärt die Rheinländerin, „eine Kugel ist für die Kirmes nicht geeignet. Da brauche ich Ruhe für.” Übrigens sehe man da gar keinen Film, wie es immer heiße, sondern nur Momentaufnahmen.
Dass man ein aufregendes Pseudonym brauche, sei ebenso Unfug. „Das kann man halten, wie man möchte”, findet Traber. Sie selbst habe ja Glück mit ihrem echten Vornamen: „Luma”, sagt sie. Und lächelt ihr rätselhaftes Lächeln.
HINTERGRUND
Wahrsager oder Wahrsagerin „ist kein anerkannter Ausbildungsberuf”, erklärt Bildungsreferent der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund, Dirk Vohwinkel, und weiter:„Da hat es bis jetzt auch noch keine Anfrage gegeben.”
Oft begründet sich die Tätigkeit in einer Affinität zu Esotherik oder einer „Gabe”
Verbreitete Beispiele sind das Handlesen, das Kartenlegen, die Astrologie und der Blick in die Kristallkugel
„Echte” Wahrsager und Scharlatane sind für Laien schwer zu unterscheiden
Ein Tipp von Traber: „Ein echter Wahrsager spricht niemals über den Tod. Jeder muss sterben. Aber das weiß nur der liebe Gott”
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