Kampf der Möbel-Giganten
25.03.2010 | 04:30 Uhr 2010-03-25T04:30:00+0100
Unna. Ein Kampf der Möbelhaus-Giganten spielt sich zurzeit am Rande des westlichen Ruhrgebietes ab: Ostermann gegen Zurbrüggen
Nicht durch direkte, sondern durch indirekte Konfrontation. Ostermann hat die Herner Stadtwerke verklagt und fordert Einsicht in den Vertrag, den das Unternehmen mit dem Wohn-Zentrum Zurbrüggen abgeschlossen hat. Kurios dabei: Die Ostermann-Justitiare berufen sich auf das Informationsfreiheits-Gesetz NRW.
Das 2002 in Kraft getretene Gesetz hält fest, dass jeder Bürger Anspruch auf Zugang zu den bei öffentlichen Stellen vorhandenen amtlichen Informationen hat. „Ich bin schon erstaunt, dass Ostermann diesen Weg gewählt hat”, sagt Christian Zurbrüggen. Es sei klar, „dass sich keiner der großen Möbelhändler über weitere Konkurrenz im direkten Umfeld freut”, aber diese Art des Vorgehens, um die Ansiedlung in Herne zu verzögern, sei schon „ungewöhnlich”.
Das sehen die Verantwortlichen in Herne genauso: „Es ist klar, dass es unterschiedliche Interessenslagen gibt. Wir finden es trotzdem erstaunlich, dass Ostermann das Projekt torpediert”, meint Stadtwerke-Prokurist Hans-Josef Mertens. Die Tochter der Stadt Herne hat das 62 000 qm große ehemalige Regenkampgelände an Zurbrüggen verkauft. Ein Filetgrundstück, wie auch Christian Zurbrüggen weiß, „direkt an der Autobahn 43 gelegen, wird das neue Haus gut zu sehen sein. Ideal, um breite Käuferschichten anzusprechen.” Rund 29 000 Quadratmeter Verkaufsfläche (Unna hat 40 000 qm) soll das neue Zurbrüggen-Haus im Ostermann-'Hoheitsgebiet' haben. Das neue Wohn-Zentrum werde dazu beitragen, die Zukunft von Zurbrüggen zu sichern. Etwa 30 Millionen Euro investiert das Unnaer Familienunternehmen in sein fünftes Möbelhaus (Unna, Bielefeld, Oelde und Delmenhorst). Ostermann hat vier Verkaufshäuser in Recklinghausen, Bottrop, Witten und Haan – und ist der Auffassung, der Grundstücksverkauf hätte aus-geschrieben werden müssen.
Die Herner Stadtwerke sehen keine Verpflichtung zur Vertragseinsicht für Ostermann: „Wir sind keine öffentliche Institution, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, das dem Aktiengesetz unterliegt”, sagt Prokurist Mertens.
Christian Zurbrüggen sieht die Sache locker: „Wir vertrauen auf die Rechtsanwälte der Stadtwerke.” Das Planverfahren laufe unabhängig weiter, „so dass wir hoffen, spätestens Anfang 2012 unser neues Haus in Herne zu öffnen”.
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