Jugendcafé verliert Halt in der SPD
13.02.2012 | 19:58 Uhr 2012-02-13T19:58:00+0100
Unna.Bis kommenden Dienstag sollen die Fraktionen eine deutliche Richtung vorgeben, wie es mit dem Jugendcafé „Crossover“ weitergeht. Auf der gestrigen Sitzung der Arbeitsgruppe 78 wurde deutlich: auch in der SPD ist das Café keine heilige Kuh mehr.
Sebastian Laaser, sachkundiger Bürger der SPD im Rat und Vertreter des Falken Bildungs- und Freizeitwerk Unna e.V, das das Jugendcafé betreibt, bleibt diplomatisch. „Wir müssen sagen, ob uns 15 bis 20 Jugendliche reichen, die sich nach Angaben der Café-Leitung an der Massener Straße täglich treffen oder wohin die Reise gehen soll.“ Man müsse aber auch Schaden von den Falken abwenden, die seit Wochen mit Negativschlagzeilen wegen des Jugendtreffs in der Öffentlichkeit stünden. „Die Falken haben einen guten Ruf in der Kinder- und Jugendarbeit; auch wenn das Café schließen sollte, sind wir weiterhin an einer Zusammenarbeit mit der Stadt interessiert“, sagte er. Auch Heike Gutzmerow, SPD-Ratsfrau und Vorsitzende im Jugendhilfeausschuss, will die Diskussion in der Fraktion in alle Richtungen führen. Tabus gebe es dabei nicht.
Noch vor zwei Wochen hatte SPD-Fraktionschef Michael Hoffmann gesagt, das Café bleibe auf jeden Fall offen. Zuvor hatten Mitarbeiter des Jugendamtes den Politikern den dringenden Rat gegeben, das Café zu schließen. Die Jugend würde es nicht annehmen, das Konzept sei nicht mehr zeitgemäß. Jährlich benötigt die Einrichtung 75 100 Euro.
Kommenden Montag will Heike Gutzmerow noch einmal bei allen Fraktionen nachfragen, wie es weitergehen soll. Nächste Woche Dienstag tagt der Jugendhilfeausschuss. Dort sollen die Weichen gestellt werden. Fest steht bereits: FDP/FWG wollen das Café so früh wie möglich schließen. Daran hat sich auch seit gestern Abend nichts geändert. Auch in der CDU mehren sich die Stimmen für eine Schließung – erst Recht nach dem vernichtenden Urteil der Fachverwaltung. Die GAL möchte das Café zusammen mit dem Kinder- und Jugendbüro neu aufstellen. Die Vertreterin der Linken sprach sich gestern Abend auch gegen das Jugendcafé aus.
Heike Pente, Geschäftsführerin der Falken Unna, erklärte, man wolle mit neuen Aktionen Jugendliche und „jüngere Jugendliche“ ansprechen. Zudem nutze inzwischen eine Hip-Hop-Gruppe den Treff. Meinolf Schmidt (FWG) überzeugte das Konzept aber nicht.
Das Jugendcafé „Crossover“ versucht seit zwei Jahren Jugendliche an die Einrichtung an der Massener Straße zu binden. Dass dort täglich 15 bis 20 junge Menschen seien, diese Zahlen halten einige Beobachter für übertrieben. Der von einem Gutachter geforderte Neustart im Oktober 2011 floppte, weil die beiden Aktionen, die für neue Besucher sorgten sollten, in dem Gebäude strikt verboten sind: Live-Konzerte und der Ausschank alkoholischer Getränke.
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