Jobtraining im sonnigen Spanien
14.04.2010 | 21:12 Uhr 2010-04-14T21:12:00+0200Unna. Jung, langzeitarbeitslos – und dann auf Kosten der Allgemeinheit statt daheim fünf Monate in der Sonne Spaniens leben. Dort Theater spielen und etwas spanisch lernen, um so die Chancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu verbessern. Das klingt nach teurer Kuschelpädagogik samt Auslandabenteuer.
„Von wegen schön warm”, sagt Teilnehmer Jannick. „In Zaragoza waren es maximal 12 Grad und wir hatten ein festes Tagesprogramm”, ergänzt der 24-Jährige. „Das war alles, nur kein Urlaub”, bestätigt Nassira Zelmat. Die Diplompädagogin leitet das Projekt „Szenenwechsel” des Multikulturellen Forums. Der Lünener Verein hatte sich für Fördergelder des Bundesprogramms Integration durch Austausch (IdA) beworben – und den Zuschlag erhalten. Das Projekt hat ein Gesamtbudget von 1,5 Millionen Euro. Rund 260 000 Euro werden über die Regelleistungen von Arge Kreis Unna und JobCenter Hamm getragen. Zwei weitere Gruppen werden für Aufenthalte in Italien und in der Türkei zusammengestellt.
Die ersten 15 Teilnehmer zu finden, die bereit sind, für fünf Monate nach Spanien zu gehen, „das war gar nicht so einfach”, informiert Projektkoordinatorin Tina Riedel von der Arge. „So lange von Familie und Freunden getrennt zu sein, ist ja auch eine besondere Herausforderung.”
Der Fokus habe laut Projektausschreibung auf jungen, arbeitslosen Erwachsenen gelegen, die durch das Austauschprojekt die Möglichkeit erhalten, berufspraktische Erfahrungen im EU-Ausland zu sammeln, Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern und ihre soziale wie berufliche Kompetenz zu erweitern. Tina Riedel: „Dadurch erhöhen sich ihre Chancen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.”
Bevor es nach Spanien ging, erhielten die Szenenwechsel-Teilnehmer im Alter von 18 bis 24 Jahren zunächst über drei Monate ein Training in der Heimat, wobei sie auf das Gastland vorbereitet wurden und das Theaterstück konzipierten, das gemeinsam in Spanien aufgeführt werden sollte.„Wir haben in Zaragoza zusammen in der Gruppe gelebt”, erzählt Fatma, „mussten uns selber versorgen, einkaufen gehen, kochen.” Für die meisten eine weitere Herausforderung fernab vom „Hotel Mama”. Wobei er „zum ersten Mal selbständig seine Wäsche gewaschen” habe, gesteht Jannick grinsend.
Alle Teilnehmer durchliefen zuerst ein von den spanischen Behörden vorgeschriebenes Training, das Einblicke in unterschiedlichste Berufsbereiche ermöglichte. „Schweißen, Holzbearbeitung, Elektrotechnik, Schneiderei oder Frisör”, zählt Jannick auf. Dann folgte ein selbst gewähltes Praktikum. Jannick war im spanischen Kindergarten, Fatma in einem Frisörgeschäft.
Zudem ging's zur Sprachschule. Mit stolz erworbenen Spanischkenntnissen, die in das Theaterstück „Alles was du willst” einflossen. Ein Stück, in dem Wunschträume wahr werden. „Ich spiel eine Hausfrau, die ihre ganze Familie bedienen muss”, erzählt Fatma. Die davon träume, mal selbst bedient zu werden und später merkt, dass es zu Hause doch nicht so schlecht ist. Die Premiere vor über 200 Zuschauern in Zaragoza war ein Erfolg. Was das Projekt mit den erworbenen Zertifikaten jobmäßig bringt, wird sich noch zeigen. „Einige Teilnehmer hatten bereits erste Bewerbungsgespräche”, berichtet Nassira Zelmat.
Heute wird das Stück noch einmal um 19.30 Uhr im Narrenschiff aufgeführt. Karten kostenlos unter Tel. 02306-3063043.
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