Hoffen auf eine Zukunft in Unna
19.02.2010 | 21:44 Uhr 2010-02-19T21:44:00+0100Unna. Die vergangenen 18 Jahre waren für Zeyneb Chamdin eine harte Zeit, und in den nächsten Jahren wird es sicher auch nicht einfacher. Die Tochter libanesicher Eltern ist in Unna geboren, aber dennoch fehlt ihr Grundlegendes: eine Aufenthaltsgenehmigung. Und dafür kämpft sie.
Daran hängt auch ihre berufliche Zukunft in diesem Land.
Ihre Eltern kamen in den achtziger Jahren aufgrund des israelisch-libanesischen Konfliktes als Flüchtlinge nach Deutschland. Hier wurden dann auch Zeyneb und ihre drei Jahre ältere Schwester geboren. Sprachmängel sorgten für viele Hindernisse, auch beim Asylverfahren.
Zeyneb ging als Kind zunächst auf eine Sonderschule, dann auf eine Förderschule, wo sich mehr Zeit für Immigrantenkinder genommen werden konnte. Durch Probleme in Mathematik und Deutsch schaffte sie den Abschluss nicht. Von da an begann für das Mädchen eine Reihe verschiedenster Fördermaßnahmen, um ihr doch noch eine Perspektive zu schaffen. Zunächst im Werkstattjahr. Doch trotz etlicher Bewerbungen bekam sie keine Ausbildungsstelle: der Abschluss fehlte. Anschließend folgten ein Berufsberatungs- und Bewerbungstrainingsprogramm sowie Praktika in einem Kindergarten und in zwei Bekleidungsfachgeschäften. „Anfangs dachte ich, es sei einfach, einen Job zu bekommen”, meint Chamdin, „aber da hatte ich mich wirklich geirrt.”
Im Laufe der Zeit wurde ihr klar: „Ich muss selbst aktiv werden.” Über Kontakte erfuhr sie vom Projekt Judika der Katholischen Jugendsozialarbeit In Via und der Caritas. Junge Erwachsene mit Migrationshintergrund werden dort schulisch und beruflich individuell gefördert und begleitet. Und die Arbeit trägt Früchte: Für April ist Chamdin zu einer externen Prüfung angemeldet, um ihren Schulabschluss nachzuholen. Zudem absolviert sie momentan ein Praktikum in einem Second-Hand-Kleidergeschäft. „Die Arbeit macht mir unheimlich viel Spaß", sagt die 18-Jährige begeistert, „und in einem Modegeschäft zu arbeiten, das wäre mein größter Traum.”
Probleme gibt es nach wie vor bei der Frage einer Aufenthaltsgenehmigung, da keine Pässe der Familie vorliegen. Erst bei einer positiven Sozialprognose und einer Ausbildung oder einem Job in Deutschland kann über ein Bleiberecht verhandelt werden. Auch ihre familiäre Situation macht es nicht einfach: Ihre Eltern werden verdächtigt, dass sie in Wahrheit aus der Türkei stammen. „Aber auch hierfür gibt es eine Erklärung”, weiß Michael Strauch, Sozialarbeiter im Fachbereich Integration/Migration bei der Caritas, der das Problem der Familie kennt. „Während des Krieges sind die Menschen oft vorübergehend in die Türkei geflüchtet. Dort wurden sie dann in so genannte Registrierlisten aufgenommen.” Diese Eintragungen werden ihnen heute zum Verhängnis. „Doch es ist falsch, dass die Kinder darunter leiden müssen. Es sind eigenständige Persönlichkeiten und an einer vermeintlichen Täuschung nicht schuld”, so Strauch. „Mit einem Abschluss und einer Berufsausbildung wäre Zeyneb sehr geholfen, die positive Sozialprognose zu erhalten. Sie hätte dann Chancen auf eine Aufenthaltsgenehmigung.”
Interessierte Ausbildungsbetriebe melden sich bei In Via unter 02303-98612-0.
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