Herrengedeck nach Stadtfest-Art
04.09.2008 | 17:56 Uhr 2008-09-04T17:56:00+0200Unna. Wein auf Bier, das rat ich Dir. Wirklich? Kann man übers Altbierfest streifen und noch einen Absacker im Weindorf am Kirchplatz nehmen – oder umgekehrt? „In Maßen verträgt sich alles”, sagen „Mister Warsteiner” Ralf Agthe und Unnas Wein-Fachmann Charlie Maringer.
Klar, die Sprüche wird es ab heute wieder geben. Wenn Brauereivertreter Ralf Agthe im Weindorf einen trockenen Weißen bestellt, fragen die Menschen, ob er seiner eigenen Marke untreu wird. „Damit kann ich leben”, sagt er und schmunzelt. Genussmenschen sind Maringer und Agthe. Genau deshalb gibt es doch eine kleine Einschränkung für den Spruch „Wein auf die Bier, das rat ich Dir”. Bier schmeckt nur frisch gut und wird meist schnell getrunken. Wer also zuerst Bier getrunken hat, hat meist ein falsches Tempo beim Weintrinken. „Für ein Glas Wein kann ich mir 20 Minuten bis eine halbe Stunde Zeit nehmen, mache ich das mit meinem Bier, kriege ich erneut Sprüche”, sagt Agthe.
Wein-Experte Maringer trinkt heute Abend zuerst ein Glas Bier. Die viel zitierten sieben Minuten muss er auf das Frischgezapfte nicht warten. „Das war früher vielleicht einmal so”, weiß Agthe. Längst gibt es moderne Zapf-Technik, größere Leitungen. Experten, weiß Agthe, stellen das Glas drei Mal unter den Zapfhahn. Einmal für die Schaumkrone, dann wird noch einmal nachgezapft und schlussendlich bis zum Füllstrich aufgefüllt. Optimale Trink-Temperatur fürs Bier: „Sieben Grad Celsius”, sagt Agthe. Dass der Plastikbecher den Geschmack trübt, sei eine Mär. „Die Becher sind völlig geschmacksneutral”, sagt Agthe. Und dass das Bier besser schmeckt, wenn man den Becher vor dem ersten Schluck noch einmal staatstragend auf den Tresen schlägt, sei auch Quatsch. „Dadurch wird Kohlensäure freigesetzt, für den Geschmack ist das aber egal”, kennt sich Maringer aus.
Der Weinexperte, dessen Geschmacksnerven nach eigenen Angaben schnell zwischen Hopfen und Trauben umschalten können, bittet aber die Weindorf-Gäste darum, sich etwas mehr Zeit für die Verköstigung zu nehmen. „Erst einmal den Wein erriechen, dann das Glas etwas schwenken, um weitere Aromen freizusetzen.” Einen Bierfan erkenne man übrigens daran, dass er meist liebliche Weine mag (Obacht: bloß nicht 'süß' sagen). Und wenn ich als Biertrinker keine Ahnung vom Wein habe, aber schon bei der Bestellung vor den Gästen angeben will? „Dann bestellst Du Champagner oder eine Flasche Chateau Lafite”, sagt Maringer. Keins der beiden gibt es auf dem Stadtfest, allein die Bestellung schinde aber Eindruck.
Maringer und Agthe trinken an den Stadtfest-Tagen übrigens mehr Wasser als Alkohol. „Man ist ja doch immer irgendwie im Dienst”, sagt Agthe. Er als Repräsentant der Brauerei, Maringer als Kaufmann.
Ob die beiden Experten denn ein geeignetes Hausmittel gegen einen Kater haben? „Klar, aufhören mit dem Trinken, bevor es gefährlich wird”, sagt Maringer. Und gegen eine Fahne, die man ja schon nach einem Glas Bier hat? „Vernünftig die Zähneputzen”, so der einfache Rat von Agthe.
Wenn Maringer und Agthe gerne Wein und Bier trinken, müsste ihnen doch das Szenegetränk der 70er Jahren gefallen: das Herrengedeck. Damals wurden Bier und Sekt gemischt. „Wenn ich mische, dann nur um eine Weinschorle zu bekommen”, sagt Maringer. So dicht beieinander liebt auch Agthe Wein und Bier nicht. „Bloß nicht”, rümpft er die Nase.
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