Hausmeister Conrads hielt 41 Jahre alles in Schuss
14.04.2010 | 20:00 Uhr 2010-04-14T20:00:00+0200Ruben Schulte Unna. Wer im Dorf geboren wurde oder zumindest dort die Schulbank drückte, kam an ihm nicht vorbei. Werner Conrads war 41 Jahre lang so etwas wie ein Aushängeschild der Liedbachschule. Als Hausmeister geht das Billmericher Urgestein nun in Rente.
Auf dem Papier ist der 30. April Stichtag. Dank aufgestautem Urlaub war für den 65-Jährigen schon Ende März Arbeitsende.
Den Hausmeister-Besen hätte er ohnehin nicht fallen lassen können – in der Liedbachschule putzt neuerdings eine Firma. Auf dem Schulgelände und im Gebäude nach dem Rechten zu sehen, war jahrelang seine Aufgabe. Reparieren dort, wo ein Spielgerät kaputt, ein Stuhl gebrochen war, oder ein Tisch wackelte.
„Ich habe die Wahl des Berufs niemals bereut”, sagt Conrads. Dabei hätte er eine Traumkarriere im Profi-Fußball starten können. „Als Fußballer bei Blau-Rot-Billmerich war ich ziemlich gut”, erinnert er sich. Damals, 1959, hatte er als Lehrling an der Zeche Alter Hellweg unter Tage angefangen, später arbeitete er in Bönen im Schacht Königsborn 3/4. Doch der Verein Westfalia Herne aus der Oberliga West hatte ein Auge auf das junge Talent geworfen und warb mit einem Angebot. Die Bundesliga gab's damals noch nicht.
Gleichzeitig war Billmerichs Bürgermeister – das Dorf war noch eigenständig – an Conrads herangetreten. „Er meinte, 'Du bist so ein guter Fußballer, willst du nicht bei uns an der Schule Hausmeister werden'?”, erzählt er. Die Gelegenheit war günstig: Conrads Mutter ging als Hausmeisterin der damaligen Volksschule in Rente, für die 1969 neu gebaute Liedbachschule musste die Stelle besetzt werden. „Nach langem Überlegen bin ich dann direkt in den Rohbau eingezogen.”
Für das Ausziehen aus der Hausmeister-Wohnung hat Conrads aber noch ein wenig Zeit. Bis Mitte Juli muss er raus sein. „Ich bleibe auf jeden Fall in Billmerich, habe hier eine andere Wohnung”, erzählt er. Die freie Zeit im Ruhestand will er seinen 200 Brieftauben widmen. Viele Jahre lang hatte er den Schlag direkt an der Schule. Bei Schulfesten wetteten die Kinder auf die Taube, die nach einer kleinen Spritztour am schnellsten wieder nach Hause fand. Doch ein Vater eines Grundschulkindes machte Stunk gegen die Tiere, hatte Angst vor Krankheiten. Schließlich musste der Taubenschlag dem Anbau zur Offenen Ganztagsschule ohnehin weichen.
Aber auch dem Fußball ist Werner Conrads über die Jahre Treu geblieben. Bis zum 50. Lebensjahr kickte er selbst noch bei Blau-Rot-Billmerich, heute organisiert er unter anderem die Spiele der Kreisligen B und C. „Damit habe ich auch noch weiter genug zu tun.”
Weil er die Lizenz als Trainer von Jugendmannschaften hat, durfte Conrads auch an der Liedbachschule bei Lehrermangel Kinder in der Sporthalle beaufsichtigen. Dazu leitete er bis zuletzt die Fußball-AG, dessen Spieler sich sogar den Stadtmeistertitel '10 holten. „Das ist doch ein würdiger Abgang”, findet Conrads.
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