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Geburtshilfe

Haftpflicht-Beiträge für Hebammen steigen rapide

10.04.2010 | 05:00 Uhr
Haftpflicht-Beiträge für Hebammen steigen rapide

Unna. Eine Rundum-Betreuung für Schwangere wird für freiberufliche Hebammen immer schwieriger. Denn wer Geburtshilfe anbietet, muss eine Haftpflichtversicherung abschließen, die sich rapide verteuert hat.

„Ich kann wirklich sagen: Ich hatte eine schöne Geburt”, sagt Anika Osthoff und erzählt: „Viele Bekannte können das kaum glauben, aber es stimmt. Die Geburt im Geburtshaus war kein Spaziergang, aber ich habe mich absolut sicher gefühlt. Das ist unschätzbar wertvoll.”

Hebamme Ulla Kayser Foto: Karl Dittrich

Die junge Mutter ist glücklich, dass sie eine erfahrene Hebamme gefunden hat, der sie völlig vertrauen konnte. „Ich wusste, wenn Ulla sagt: ,Das schaffst du noch.' Dann schaffe ich das auch.” Die Suche nach einer Hebamme, die den werdenden Eltern bei Vorsorge, Geburt und Nachsorge zur Seite steht, wird in Zukunft immer schwieriger werden. Denn für freiberufliche Hebammen, die der Schwangeren viel Zeit widmen, spitzt sich die finanzielle Lage zu: Rapide steigende Haftpflichtversicherungskosten stehen einem geringen Verdienst gegenüber.

Proteste zum Welthebammentag

„Da kommt ein Desaster auf uns zu: Viele Frauen werden in Zukunft keine Hilfe mehr von einer Hebamme bekommen können”, prognostiziert Ulla Kayser. Sie ist freiberufliche Hebamme im Team des Geburtshauses Unna und kämpft gegen weitere Erhöhungen der verpflichtenden Haftpflichtversicherung für sich und ihre Kolleginnen. Zum Welthebammentag am 5. Mai hat der Deutsche Hebammenverband zu Protesten aufgerufen.

Ab dem 1. Juli müssen freiberufliche Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, 3700 Euro pro Jahr in ihre Haftpflichtversicherung einzahlen. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 mussten sie noch 1353 Euro einzahlen – eine Steigerung um 250 Prozent. Demgegenüber ist der Lohn für eine Geburt in den letzten Jahren etwa um 20 Prozent gestiegen. 537 Euro bekommen Hebammen für eine Hausgeburt von der Krankenkasse, 237 Euro für eine Geburt im Krankenhaus.

Behandlungsmethoden für Geschädigte steigen

Die Versicherungsbeiträge steigen nicht etwa, weil die Schadensfälle bei Geburten steigen, erklärt Ulla Kayser. Sondern weil die Behandlungsmethoden für Geschädigte vielfältiger werden, länger andauern und damit auch teurer werden. Auch die Schadensansprüche steigen.

Ulla Kayser befürchtet, dass sich in dieser Lage immer weniger Hebammen finden lassen, die die Schwangeren auch bei der Geburt betreuen. „Die Frauen werden uns suchen, wie die Stecknadel im Heuhaufen. Jetzt sind wir wieder dort angekommen, wo ich vor 30 Jahren stand, als ich eine Hebamme für die Hausgeburt meines ersten Kindes suchte.”

Viel unterwegs bei der Geburt

Auch Anika Osthoff ist froh, dass sie der Zufall in die Obhut von Ulla Kayser brachte. „Als ich schwanger wurde, konnte ich mir gar nicht vorstellen, mein Kind nicht im Krankenhaus zu bekommen. Mir war nicht klar, dass es auch anders geht.” Nun ist die frisch gebackene Mutter vom fünf Monate alten Florian froh, dass es anders gekommen ist: „Ich konnte mich während der Geburt frei bewegen. Ich war viel unterwegs, konnte mich in eine Schlinge hängen, die im Geburtshaus von der Decke hängt, oder in eine Wanne legen. Das hat mir sehr gut getan”, erzählt Anika Osthoff. Sie glaubt: „Mit einer fremden Hebamme im Krankenhaus hätte ich mich nicht so auf die Geburt einlassen können. Obwohl ich weiß, dass sich die Kliniken viel Mühe geben.”

Zehn Monate lang wurde sie von Ulla Kayser begleitet. „Durchschnittlich betreuet eine Hebamme in unserem Team vier bis fünf Frauen im Monat rundum – eine 60 Stunden-Woche. Wer nicht so viel arbeiten kann, ist besonders hart betroffen”, erzählt Kayser. „In Zukunft werden immer mehr Hebammen Probleme haben, Geburtshilfe anzubieten.” Hinzu komme: „Es ist nicht so, dass uns die Schwangeren die Türen einrennen, weil die Geburtenrate ständig sinkt”, gibt sie zu bedenken. „Die Qualität der Betreuung für Schwangere wird leiden.”

Eine Umfrage zum Thema gibt es unter www.derwesten.de/unna

Maike Rellecke

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