Grüne Energie vom Bauernhof
22.09.2009 | 23:59 Uhr 2009-09-22T23:59:00+0200
Ökostrom vom Hof Trimbusch: In rund zwei Wochen geht Unnas erste Biogasanlage ans Netz. Martin Trimbusch, und Sohn Jon bauen seit Juli an der Anlage auf dem Hof an der Hertingerstraße.
„Wir machen seit einem halben Jahr nichts anderes mehr als die Anlag zu planen und zu bauen”, sagt Landwirt Martin Trimbusch.
Seit drei Jahren beschäftigt sich die Familie mit der Idee, solch eine komplexe Anlage zu errichten. Aus Gülle und vorwiegend Mais wird Strom und Wärme produziert. Den Strom verkaufen die Trimbuschs nach Maßgabe des Energieeinspeisegesetzes an die Stadtwerke Unna. Die bei der Stromproduktion anfallende Wärme heizt vielleicht einmal die Häuser an der benachbarten Türkenstraße. „Wir sind mit den Anliegern in guten Gesprächen”, sagt Trimbusch. Vielleicht liefert er demnächst saubere Nahwärme.
Gülle und Mais
vergären
Die Biogasanlage der Trimbuschs verfügt über zwei Behälter. Der kleinere – 1 800 Kubikmeter groß – ist der sogenannte Fermenter. In ihmwerden Mais und Gülle gemischt. Die Mischung vergärt. Dabei entsteht Methangas. Das wird in ein so genanntes Blockheizkraftwerk geleitet. Dort steht ein Acht-Zylinder-Gasmotor. „Das Gas treibt den Motor an, der wiederum einen Generator zur Stromerzeugung treibt”, erklärt Jon Bornemann. Stichwort: Kraft-Wärme-Koppelung. „Die Wärme ist das größte Problem bei einem Blockheizkraftwerk mit einer Insellage wie auf unserem Hof”, sagt Martin Trimbusch. Wohin damit? Zu seinem Haus hat er schon eine Wärmeleitung gelegt. Aber die Familie kann nicht alles verbrauchen. Also suchte er das Gespräch mit seinen Nachbarn an der Türkenstraße. „Die stehen dem Projekt der Wärmelieferung sehr positiv gegenüber”, sagen Vater und Sohn.
Nach dem das Mais-Gülle-Gemisch vergoren ist, strömt es über einen Überlauf in einen 3 300 Kubikmeter großen Behälter, der zweimal im Jahr geleert wird. Das Gemisch dient dann als Dünger für Trimbuschs Felder. Vorteil für die Nachbarn der Äcker: „Durch die vergorene Gülle entsteht überhaupt keine Geruchsbelästigung mehr”, sagt der Landwirt.
1,2 Millionen
Kilowattstunden Strom
Mit seiner Biogasanlage kann Trimbusch im Jahr 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Zum Vergleich: Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht im Jahr rund 3 500 Kilowattstunden Strom.
In den vergangenen Tagen ging es hektisch zu auf dem Hof Trimbusch. „Fünf Tage lang haben wir für die Anlage Mais gehäckselt.” Tag und Nacht seien die Traktoren mit Mais auf den Hof gerollt. Mais kommt deshalb hinein, weil Gülle alleine nicht so eine hohe Energieausbeute hätte.
Und Energiegewinnung hat auf dem Gelände Tradition. Bis 1898 stand dort die Zeche Frederice. Jetzt wird wieder Energie gefördert. Diesmal ist sie grün statt schwarz. Und im Gegensatz zur heimischen Steinkohle hat diese Energie Zukunft.
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