Glücksbote nur ein mieser Betrüger
12.02.2010 | 11:00 Uhr 2010-02-12T11:00:00+0100Hemmerde. Er war überrascht, als der freundliche „Friedrich von Haber” am Telefon die Daten abglich: Stimmt das Geburtsdatum? Die Adresse? „Dann sind Sie unser Gewinner eines BMW oder von 30 000 Euro”, schallte es durch den Hörer.
Keine Bandansage oder eine Computerstimme. Weil ein Mensch plauderte, freute sich der Hemmerder Heinrich Diekhans (84) schon insgeheim, endlich einmal bei einem Rätsel gewonnen zu haben. „Ich wollte das Geld, ein Auto habe ich ja schon”, erzählt der Rentner. Nur noch der kurze Anruf bei einer 0900er-Telefonnummer für die Formalien trenne ihn vom Geldsegen, hatte der adelige Glücksbote erklärt. „Auf meine Nachfrage, warum ich nicht schriftlich Bescheid bekomme, antwortete der Herr, dass falls ich nicht anrufe, leider ein anderer Gewinner gezogen würde.” Erbost legte der Renter auf, Diekhans roch den Braten. „Auch die teure Telefonnummer hatte der Mann so raffiniert betont, dass man sie als solche nicht so schnell erkennt – das war ein Abzock-Versuch.” Die Masche ist der neueste Streich von Betrügern, die mit den so genannten 0900er-Premiumdiensten ihr Geld machen. Bei der Verbraucherzentrale sind in den vergangenen zwei Wochen 80 Beschwerden über den Glücksboten „Friedrich von Haber” eingetrudelt. „Der hat seit vorgestern auch eine Kollegin namens Carmen Götz, die genauso vorgeht”, erklärt Peter Lindackers von der Verbraucherzentrale. Bislang waren es immer Bandansagen, die auf eine 900er-Nummer verwiesen. Der Anruf kostet dann maximal drei Euro pro Minute oder 30 Euro einmalig. „Dass da ein echter Mensch spricht, ist neu – lohnt sich aber für die Betrüger. So ein anschließendes Gespräch dauert meist 20 bis 30 Minuten”, erklärt der Experte. Mache also 60 Euro Gewinn – „dafür kann man da schon jemanden in ein Callcenter setzen, der ein wenig mit den Leuten plaudert.” Woher die Gewinnversprecher die persönlichen Daten ihrer Opfer haben? „Vermutlich eingekauft – in vielen Fällen ist das sicher nicht legal gelaufen”, meint der Vebraucherschützer. Auch bei der Bundesnetzagentur, der Hüterin über die Telefonleitungen, sind „Friedrich von Haber” und seine Kollegen alte Bekannte. Dabei ist sie diejenige Stelle, die den Betrügern erst die 0900er-Nummer zuweist. „Grundsätzlich kann jeder so eine Mehrwertdiensterufnummer bekommen”, sagt Cord Lüdemann von der Bundesnetzagentur. „Wir lassen uns dafür ein paar Unterlagen kommen, prüfen diese und weisen dann die Nummer oder Nummernblöcke zu.” Dabei seien Schwarze Schafe nicht immer zu erkennen. „Sie schreiben ja nicht als Name ,Rufnummernmissbrauch AG' auf das Formular.” Erst kürzlich seien beispielsweise die Nummern eines „Krankenkassenauskunft e.V.” mit Sitz in der Schweiz gesperrt worden. „Dabei werden wir tätig, sobald wir belastende Informationen haben – es reicht auch nur eine Beschwerde”, sagt Lüdemann. Die Bundesnetzagentur verpflichte dann die Netzbetreiber per Verwaltungsakt, die betroffenen Premiumdienste abzuschalten. Abgezockte Verbraucher werden meist nicht mehr zur Kasse gebeten. Denn die Netzhüterin hängt an die Abschaltung das Verbot, Rechnungen für die gewählten 0900er-Nummern auszustellen. „Das geht auch rückwirkend bis zu dem Tag, an dem uns die Beschwerde erreichte.” Wer die Gewinnspiel-Abzocke schnell genug meldet, muss für seine etwaige Gewinn-Euphorie also nicht teuer bezahlen. Kontakt: www.bundesnetzagentur.de oder 0291-9955-206.
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