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Friedhofs-Reh

Gefahrenabwehr wiegt schwerer als Schonzeit

28.04.2010 | 05:00 Uhr

Unna. 15 Kilogramm schwer, 70 Zentimeter groß und etwa drei Jahre alt war der Rehbock, der am Dienstagabend auf dem Westfriedhof, mitten in der Innenstadt, den Wettlauf gegen Jäger und Polizei verlor.

Einen Tag nach der Jagd (wir berichteten) wurde Unverständnis aus der Bevölkerung laut. Doch für Jäger Martin Trimbusch, der das Tier am Dienstag gegen 19.30 Uhr mit seinem Jagdgewehr erlegte, und die Polizei zählte vor allem „die Gefahrenabwehr. Das war in dem Moment das Wichtigste.” Und das setzt sogar die aktuelle Schonzeit der Tiere außer Kraft.

 Allerdings waren weder Polizei und Jäger noch die Friedhofsleitung Dienstagabend von dem Rehbock überrascht worden. Tagsüber hatte Trimbusch bereits mit der Polizei gesprochen und war da noch der Ansicht: „Wir lassen ihn laufen.” Auch Friedhofsleiterin Ina Semleit hatte sich bei der Jagdaufsicht erkundigt, wie am besten vorzugehen sei. „Nach dem Gespräch haben wir entschieden, dass abends die Friedhofstore geöffnet bleiben, vielleicht hätte das Reh ja wieder seinen Weg zurück gefunden.” Umso überraschter war Ina Semleit, als sie Mittwochmorgen in unserer Zeitung lesen musste: Der Bock ist tot.

 „Warum hat man das Tier nicht betäubt?”, meldete sich Hartmut Paschedag in unserer Redaktion. Er ist einer der ehrenamtlichen Friedhofsmitarbeiter, die einen Schlüssel für der Westfriedhof besitzen und die Tore verschließen. „Ich hätte doch kurzfristig alles abriegeln können.” Dieses Angebot habe die Polizei abgelehnt. Schlimm findet Hartmut Paschedag, dass mehrere Kinder aus der Nachbarschaft, die das Reh schon tagsüber gesehen, auch die Jagd miterlebt hätten. „Sie haben bitterlich geweint.”

 „Natürlich macht das keinen Spaß, ich hätte den Bock auch lieber am Leben gelassen. Zumal der Einsatz der Waffe in der Innenstadt ja auch nicht ganz ungefährlich ist. Aber das Risiko, dass er Unfälle verursacht, war zu groß ”, wehrt sich Jäger Trimbusch. Verirrte Rehböcke in der Innenstadt seien nicht selten. Die jungen Rehböcke werden im Frühjahr von den alten Böcken vertrieben, die in der Paarungszeit die Rehe für sich allein behalten möchten. „Wir haben sogar schon einen in der Tiefgarage am Neumarkt einfangen können. Doch das war auf dem Friedhof einfach unmöglich. Und ein Betäubungsgewehr besitze ich nicht.”

 Nach dem Jagdrecht hat Martin Trimbusch das Reh „waidmännisch versorgt. Es wandert in den Kochtopf. Dafür ist es da.” Schmunzeln muss der Jäger auf die Frage, ob nicht Bürgermeister Werner Kolter – die Stadt ist schließlich Eigentümerin des Friedhofs – der Rehbraten zustände. Martin Trimbusch: „Das erlegte Wild gehört dem zuständigen Jäger. Aber Herr Kolter ist gerne zum Essen eingeladen.”

Bettina Szallies

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Kommentare
29.04.2010
22:15
Gefahrenabwehr wiegt schwerer als Schonzeit
von Pille | #7

Natürlich läßt sich dadrüber streiten, mir passte lediglich der Ton nicht wie in den Kommentaren eine ganze Berufs/Gesellschaftsgruppe dargestellt wurde.

29.04.2010
19:19
Gefahrenabwehr wiegt schwerer als Schonzeit
von S.ausK. | #6

Es gibt kein Argument gegen eine Betäubung. Deshalb steht in diesem Artikel auch lediglich, dass die Polizei dies abgelehnt hätte.

Es macht absolut keinen Unterschied, ob man ein Tier erschießt oder betäubt - jedenfalls hinsichtlich der Gefahrenabwehr. Dabei sollte das Erschießen ultima ratio sein. Im Hinblick auf den Schutz der Bevölkerung dürfte es auf der Hand liegen, dass ein Betäubungspfeil eine geringere Gefahr darstellt, als ein Schuss aus einem Gewehr.

Schlimm genut das Ganze...

29.04.2010
18:46
Gefahrenabwehr wiegt schwerer als Schonzeit
von Pille | #5

Ok, ich hoffe Sie verfügen über Fachkenntnis und haben schon verschiedene Jäger bei der Arbeit begleitet (Ich bin überings keiner, Gott bewahre).
Aber dann wüssten Sie, dass der Jäger hauptsächlich mit Zählungen, Revierbegutachtungen usw. beschäftigt ist. Das Töten macht wohl den kleinsten Teil seiner Arbeit aus und wird ihm auch noch vorgegeben. Ich finde Sie gehen hier zu unsachlich in die Diskussion. Schwarze Schafe gibt es in jeder Gesellschaftsgruppe, das ist klar, aber Sie hegen hier Vorurteile die selbst Greenpeace Aktivisten fremd sind.

29.04.2010
08:32
Gefahrenabwehr wiegt schwerer als Schonzeit
von nichzufassen | #4

Bevor es zu einem entrüsteten Aufschrei der gesamten Waidmannschaft wie 1971 nach Horst Sterns Bemerkungen über den Rothirsch kommt: Das Pack nehme ich zurück.

29.04.2010
08:07
Gefahrenabwehr wiegt schwerer als Schonzeit
von nichzufassen | #3

Natürlich hat ein Jäger Spaß am töten. Warum sonst wäre er Jäger geworden? Weil er anschließend um jedes getötete Tier trauert?
Hege und Pflege wird das Gemetzel genannt, um es in der Öffentlichkeit besser aussehen zu lassen.
Widerliches Pack

29.04.2010
00:09
Gefahrenabwehr wiegt schwerer als Schonzeit
von Pille | #2

Also so ein dummes Geschwätz, als ob ein Jäger der sein Revier hauptsächlich hegt und pflegt Spaß darin entwickelt einen jungen Rehbock zu erschießen.
Ich möchte mal ihr Auto sehen nachdem es mit 50 km/h einen 15 Kilo schweren Rehbock erwischt, ganz davon abgesehen, dass manche Autofahrer sich leicht erschrecken lassen und zu überzogenen Ausweichmanövern neigen.

28.04.2010
23:13
Gefahrenabwehr wiegt schwerer als Schonzeit
von unbestechlicher | #1

Böcke haben keine Schonzeit. Schießen in befriedeten Gebiet ist aber ein Verstoß gegen das Jagdgesetz. Darüber können Jäger nicht entscheiden sondern nur die Jagdbehörden.
Allerdings war die Tötung völlig unnötig und damit auch ein Vergehen gegen das Tierschutzgesetz. Ein 15kg Tier kann niemanden gefährden, eine scheues Reh schon zweimal nicht. In der Stadt gilt normalerweise Tempo 50. Da ist ein Rehbock keine ernste Gefahr, außer Blechschäden passiert nichts. Da muss man den Tierschutz eindeutig vorrang geben, immerhin wurde er in der Verfassung verankert. Aber das interessiert keinen Jäger und die Polizei hat es anscheinend noch nicht mitbekommen.
Die Dame von der Friedhofsverwaltung hat man gehörig auf den Leim geführt. Hätte sie das Tor geschlossen wäre die Begründung mit der Gefährdung hinfällig gewesen. Trau nie einem Jäger. Er hat damit seinen Spaß gehabt. Sich noch darüber lustig zu machen wg. dem Braten ist eine Schande. Wozu sollte er ein Betäubungsgewehr besitzen, er will nicht schützen sondern töten. Das hat er ja auf Umwegen erreicht. Ich hoffe das auch dieser Fall eine Anzeige nach sich zieht.

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