Ein Leben für Natur- und Tierschutz
21.04.2011 | 11:15 Uhr 2011-04-21T11:15:00+0200
Holzwickede.Er ist so etwas wie das ökologische Gewissen Holzwickedes und ein Urgestein der Natur- und Tierschutzbewegung im Kreis Unna: Heinz Martin Ludwig Herkenrath, wie er mit vollständigem Namen heißt.
Geboren wurde Heinz Herkenrath 1921 in Unterbarmen bei Wuppertal. Nach dem Abitur und Zweiten Weltkrieg, dessen Ende er in amerikanischer Gefangenschaft erlebte, studierte Herkenrath zunächst in Heidelberg und Mannheim Pädagogik, Psychologie und Geschichte. Zeitgleich wurde er von den Amerikanern als Lehrer eingestellt, was ihm erlaubte, seine Frau Hedwig und seine Tochter Christa Ulrike zu ernähren. 1952 fand er eine Anstellung als Lehrer in Wuppertal-Unterbarmen. Sein Studium der Geschichte in Düsseldorf schloss er mit einer Diplomarbeit über Reichskanzler Bismarck ab.
Durch seine Tante fand er nach Holzwickede, wo er seit 1954 auch mit seiner Familie wohnt. Im gleichen Jahr wurde seine zweite Tochter Dagmar geboren. Von 1968 bis zu seiner Pensionierung 1982 unterrichtete er schließlich an der Bundeswehrschule in Münster und Hamm.
Seine Natur- und Tierliebe und der Hang zur Geschichte erbte Herkenrath von seinen Eltern. „So lange ich denken kann, habe ich mich für Pflanzen und Tiere und alles, was damit zusammenhängt, begeistert“, meint er. Die Fauna und Flora der Emschergemeinde kannte er auch schon vor seinem Umzug nach Holzwickede gut. Bereits vor dem Krieg hatte er regelmäßig seine Ferien hier verbracht und dabei die Tierwelt beobachtet. Auf seinen Fahrradtouren kreuz und quer durch den Kreis Unna hatte er auch schon Vogelstimmem belauscht. Um seltene Vögel oder größere Säugetiere beobachten zu können, nahm der versierte Vogelkundler aber auch längere Reisen quer durch Deutschland in Kauf.
Zwischen 1971 und 1986 war Herkenrath zweiter Vorsitzender des Tierschutzvereins Unna. Vor über 30 Jahren gehörte er zu den Mitbegründern der „Rhein-Ruhr-Aktion gegen Umweltzerstörung“. Mit dem Kreisverband „Bürgerinitiativen Umweltschutz“ kämpfte er erfolgreich um den Erhalt des Beversees in Bergkamen, des Romberger Waldes in Rünthe oder des Sölderholzes sowie gegen den Bau der L821n, die Vernichtung von Freiflächen oder gegen Rockkonzerte auf Haus Opherdicke. Seit 1978 ist Herkenrath außerdem im Naturschutzbund NABU Kreisverband Unna engagiert, dessen Ehrenmitglied er 1990 wurde.
Auch seine Heimatgemeinde anerkannte seine Kompetenz in Fragen des Tier-, Arten-, Landschafts- und Heimatschutzes: Von 1990 bis 2000 war Herkenrath Ortsheimatpfleger, 1987 erhielt er auch den Umweltpreis der Gemeinde. Und im Jahr 2004 wurde er für sein unermüdliches ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Trotz aller Anerkennung war Heinz Herkenrath nie ein bequemer Streiter für die Belange des Natur- und Tierschutzes. Er nahm kein Blatt vor den Mund und streitet eindringlich bis heute für seine Sache - am liebsten in direkter, persönlicher Ansprache. Herkenrath verfasste eine Vielzahl von wissenschaftlichen Schriften, Bücher, Aufsätze, Artikel und Leserbriefe und erwies sich als streitbarer Öffentlichkeitsarbeiter.
Streitbarer Geist
Wie unbequem er dabei werden konnte, zeigt eine seiner größten Niederlagen: Wegen unüberbrückbarer Differenzen mit der Unteren Landschaftsbehörde, die sich im Streit um eine Tümpelverfüllung in Unna-Bilmmerich ergeben hatten, weigerte sich der Kreis Unna, ihn 1979 zum Landschaftswächter zu ernennen – woran selbst die Intervention beim damaligen Umweltminister Hans Otto Bäumer nichts ändern konnte.
Morgen, am Karfreitag, wird Heinz Herkenrath 90 Jahre alt. Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass ausgerechnet er, der noch immer streitbare Geist für die heimatliche Umwelt und Natur, seine ganz persönliche Idylle rund um sein Refugium und seinen Altersruhesitz an der Rausinger Straße durch das Neubaugebiet Caroline zerstört sieht.
16:51
Finde ich gut, was der Mann macht. Alles Gute zum 90.Geburtstag.