Ein Jungunternehmer mit 56
14.02.2010 | 15:45 Uhr 2010-02-14T15:45:00+0100
Unna. „Wenn ich mich ein Jahr später beworben hätte, hätte ich sogar den ersten Platz gemacht.” – Christoph Makowski ist sehr ehrgeizig und gilt deshalb trotz seiner 56 Jahre noch als Jungunternehmer.
Als erfolgreicher Existenzgründer zudem, denn 2008 wurde er mit dem silbernen Gründerpreis der heimischen Wirtschaftsförderer ausgezeichnet und ist ein Jahr später sogar noch „besser auf Draht” als je zuvor.
Schicksalsjahr 2006: Christoph Makowski kennt keine Existenzsorgen, leitet in Lünen als technischer Angestellter verantwortlich internationale Projekte rund um Schaltschränke und Kabelverteiler wie man sie an Ampeln und Festplätzen kennt und wie sie von Telekom und Stadtwerken allerorten gebraucht werden. Urplötzlich die Kündigung in eine ungewisse Zukunft. „Ü 50” heißt schwer vermittelbar, was er weder sich eingestehen noch seiner Familie mit fünf (teilweise studierenden) Kindern vermitteln wollte. Ersparnisse und Abfindung zusammen waren keine Reichtümer, reichten aber, um an der Nobelstraße in Unna eine Halle anzumieten und mit vier Mitarbeitern ähnlicher Erwerbsbiografie und Erfahrung im gelernten Gewerbe neu zu starten. Existenzgründung mit Perspektive namens „Emiter GmbH Unna”.
2008: 1,2 Mio. Euro Umsatz. Allein, die Zahlungsfristen sind nicht so gestaltet, als dass von den Einnahmen auch direkt wieder die notwendigen Komponenten für die Produktion hätten eingekauft werden können. Schnell waren Mittel und Möglichkeiten erschöpft, sodass seine Sparkasse (nicht Unna) meinte, die Konten sperren zu müssen. „Da erinnerte ich mich an einen Freund bei der Volksbank in Lüdinghausen”, so Makowski, „der wusste, dass wir gut und zuverlässig sind.” Seither ist die VoBa Lüdinghausen seine Hausbank und der Umsatz stieg in 2009 auf 2,1 Mio. Euro.
Das satte Plus von 70 Prozent bedingt zwangsläufig mehr Personal, sodass „Emiter” mittlerweile 16 feste Mitarbeiter zählt – mit einem Altersdurchschnitt von 50 Jahren. Vita verpflichtet. „Ja, aber nicht nur, denn ich habe mit älteren Kollegen gute Erfahrungen gemacht”, so der 56-Jährige, der auch selbst noch Schaltkästen verdrahtet, wenn es eng wird im Betrieb. Stets dabei seine Frau Ursula, die sich um die Buchhaltung kümmert und in finanziell schlechten Zeiten mit „geschönten” Bilanzen für die nötige Ruhe und gute Stimmung im Betrieb sorgte. Beider Ziel formuliert Makowski: „Ich will nicht reich werden, für mich und meine Familie reicht es, und die Leute haben Arbeit.”
In der Branche hat „Emiter” längst einen guten Namen, bei den Wirtschaftsförderern im Kreis spätestens seit dem Gewinn des Gründerpreises und nun auch in den Kommunen. Sie umwerben Firmengründer Makowski, denn der will in Arbeitsplätze investieren, sucht eine Immobilie und könnte sie in Unna gleich nebenan auch gefunden haben. „Oder auch in Kamen”, sagt er: „Da steht nicht nur ein tolles Objekt, sondern dort sind auch die Transportwege zu den Stadtwerken kürzer.” Die sind Kunde, die in Unna nicht. Obwohl sich beide Unnaer Unternehmen – allerdings neben- und nicht miteinander – für die Zukunft aufstellen: Fotovoltaik, Batterie betriebene Fahrzeuge, Ladestationen…
„Die Zeit läuft mir davon”, meint der Mitfünfziger, der „noch so viele Ideen hat und so Vieles verwirklichen will”. Allein schon deshalb würde er den Weg in die Selbstständigkeit nochmal so tun.
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