Ein Hauskauf aus dem Bauch heraus
10.09.2010 | 17:16 Uhr 2010-09-10T17:16:00+0200
Unna.„Du bist bekloppt“ – diese Worte hat Christian Orlinski in den vergangenen Wochen mehrfach gehört.
Statt ein Ferienhaus auf Sylt oder einen Luxus-Sportwagen hat sich der erfolgreiche Geschäftsmann aus Bottrop ein renovierungsbedürftiges Mini-Haus in der Schäferstraße gekauft. Und es mit Freunden in Eigenregie wieder auf Vordermann gebracht.
„Im Prinzip hat auch meine Verlobte Recht, dass es eine verrückte Entscheidung war“, sagt der 43-Jährige und wischt sich einen Spritzer rote Farbe aus dem Gesicht. Mit dem neuen Fassadenanstrich ist die Renovierung bis auf Feinheiten abgeschlossen. „Eigentlich weiß ich gar nicht, was ich mit dem Haus machen möchte.“ Es war eher eine Bauchentscheidung, im Februar dieses Jahres seinen Namen unter den Kaufvertrag für das Haus Nummer 27 in der Schäferstraße zu setzen, in dem zuvor Senioren lebten. Als er auf Geschäftsreise zufällig das Zu-Verkaufen-Schild sah, kam er ins Grübeln. „Zwei Nächte hab ich vor dem Haus im Auto geschlafen und es mir überlegt“, erinnert er sich. Warum er zuschlug und inklusive Materialkosten für die Sanierung eine niedrige sechsstellige Summe in das kleine Haus steckte, weiß er heute immernoch nicht so genau. „Ich hänge einfach an Unna, bin hier groß geworden“, sagt Orlinski und zeigt auf das Nachbarhaus Nummer 29. „Da oben unterm Dach habe ich als Student gewohnt.“ Das war von 1992 bis 1996, als Orlinski nach der Lehre bei den Stadtwerken zum Industriekaufmann in Hagen studierte. Nach dem Abschluss mit Diplom als Wirtschaftsingenieur ging’s zu einem Großkonzern nach Ostdeutschland. Dann stieg er aus, gründete seine eigene Spedition. Die hat heute 14 Mitarbeiter und zehn Lastwagen. Die rollen, genauso wie der Rubel. „Ein Freund hat sich jetzt einen teuren Sportwagen gekauft, aber wozu brauche ich den?“, fragt Orlinski. Die Arbeit an seinem neuen Haus war für ihn wie eine Beschäftigungstherapie. Nicht, dass es im Unternehmen nicht genug zu tun gäbe. Renovieren war eher ein Ausgleich. „Es war wie eine Sucht, aber auch stressig – als Selbständiger hat man keinen Urlaub. Es musste also alles nach Feierabend passieren.“ Mit Hin- und Rückfahrt aus Bottrop-Kirchhellen blieb da kaum Zeit für aufwändige Arbeiten wie Wände aufstemmen oder Fliesen verlegen. Also verplante er auch das Wochenende für den Umbau.
Insgesamt 30 volle Arbeitstage stecken nun in dem Haus, dem Orlinski neue Fenster, Türen und eine moderne Heizungsanlage verpasst hat. „Das hat sich so entwickelt, so viel wollten wir anfangs gar nicht renovieren. Es waren nur zehn Tage geplant.“ Nahezu alle Arbeiten erledigte der Spediteur mit einem guten Freund. Beide sind keine Handwerker. Der ein oder andere Fehlschlag blieb da nicht aus. „Wir hatten zum Beispiel ein Zimmer tapeziert, bevor die neue Tür eingebaut wurde – die passte dann nicht mehr zur Tapete.“ Oder die Sache mit dem Teppich im Dachgeschoss. „Die Übergänge haben wir einfach nicht hinbekommen.“ Gut, dass bei den Außenarbeiten wie dem Hausanstrich auch die neuen Nachbarn stehen blieben, sich freuten, dass in ihrer Meile endlich wieder etwas passiert. „Einer von gegenüber hat ein Teppich-Geschäft, der kommt demnächst mal vorbei“, freut sich Orlinski. Das renovierte Haus wird er vorerst wohl nur als Wochenend-Residenz nutzen. Knüpft sich der Spediteur nun eine neue Immobilie vor? „Nein, das war eine einmalige Sache.“ Aber er habe noch ein Hobby. „Vielleicht baue ich demnächst Unnas größte Modelleisenbahn auf.“
WR-Serie "Portrait der Woche"
19:22
da war der Ruben mit Gedanken schon im Wochenende und hat den Rest vergessen :)
18:18
Man muß mal mal zwischen den Zeilen lesen können - hahahahaha
12:03
und was soll uns das jetzt sagen???????????
22:29
Auch irgendwie gemein für den Hauskäufer, wenn der Artikel so stehen bleibt....