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Anneliese und Helmut Döhl

Dieses Ehepaar hat immer Valentinstag

12.02.2010 | 18:45 Uhr

Unna. „Er hat ganz ordentlich gebaggert, aber ich wollte nicht mehr.”

So beginnen eigentlich keine Liebesgeschichten, die an Valentinstagen erzählt werden. So spricht ein Mensch jenseits der 60, der einen anderen abweisen, nicht an sich heran lassen will. Anneliese Döhl hat das versucht. Sie wollte nach über 40 Jahren Ehe und dem Tod ihres ersten Mannes allein durchs restliche Leben gehen. Nicht noch einmal jemanden loslassen müssen.

Denn Helmut Döhl wollte nicht, dass die Liebesgeschichte endet, bevor sie begonnen hat. Auch er hatte erleben müssen, wie der Krebs seine erste Ehefrau aus dem Leben riss und Jahrzehnte der Gemeinsamkeit beendete.

Wer nicht glaubt, dass Liebe stärker als der Tod ist, sollte Menschen wie Anneliese und Helmut Döhl besuchen. Sich neben den selbst gezimmerten Kamin an den Esstisch setzen und zuhören. Viel mehr als eine halbe Stunde ist gar nicht nötig. In dieser Zeitspanne wird einem ganz unaufdringlich erklärt, warum es wichtig ist, füreinander da zu sein.

Alter und Krankheit spielen eine wichtige Rolle. Er geht auf die 80 zu, sie wird in diesem Jahr 75. „Dass ich überhaupt so weit gekommen bin, habe ich nur ihr zu verdanken”, sagt Helmut Döhl, schluckt schwer und denkt an den Schlaganfall im August vergangenen Jahres.

Sie war seitdem noch mehr für ihn da als zuvor, kümmerte sich Stunde um Stunde, Woche um Woche, in Krankenhäusern, in der Reha. Sie nimmt sich bis heute stark zurück. „Aber gestern war auch mal Schluss, da habe ich sie zum AWO-Karneval geschickt”, sagt Helmut schmunzelnd. Die AWO Oberstadt führte beide wieder zusammen, die sich Ende der 40er-Jahre bei den Falken nur kurz begegnet waren. In den vielen Jahren danach wurde sie Schneiderin, Mutter und Hausfrau, er Elektriker, Hausmeister an Herderschule (später PGU) und Familienvater.

Nach dem Tod ihrer Partner lernten sie sich auf Ausflügen der AWO kennen, näherten sich an, wahrten eine gewisse Distanz. Als sie vor mehr als zehn Jahren erkrankte, opferte er sich auf. Da spürte sie, wie wichtig es ist, „dass jemand für einen da ist”.

Heute – wie an jedem Tag – sind sie für einander da. Sie wird ihm helfen, seinen Rollator vor das Eigenheim an der Ackerstraße zu steuern. Denn dort wartet der Rolls-Royce des Werner Oldtimer-Liebhabers Jörg Niemitz. Das Paar wird von ihm auf Einladung der Deutschen Post duch die verschneite Landschaft gefahren. Bis zur Endstation Katharinen-Hof, wo unser Liebespaar des Jahres ein Candlelight Dinner erwartet. Und morgen, am Sonntag, steht im Haus wieder eine brennende Kerze auf dem Frühstückstisch. Wie jeden Morgen. „Denn wir haben jeden Tag Valentinstag.”

Volker Stephan

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