„Dieser Ironman ist für Kimmi”
16.10.2008 | 16:37 Uhr 2008-10-16T16:37:00+0200Holger Krippenstapel ist 44 Jahre alt. Er spricht rasend schnell. Er hat so unglaublich viel mitzuteilen, über die Welt, seine beiden Kinder Lisa (18) und Linus (5), über seine Frau Kim, über ihre gemeinsame Sportart Triathlon, über falschen Ehrgeiz, über Glück und über Trauer.
Seit einem Jahr ist der Massener Witwer. Seiner Frau erfüllt er einen ihrer letzten Wünsche: Er nimmt Ende des Monats am Cross-Ironman auf Hawaii teil.
Ein Freund hat Kim und Holger als Phosphormenschen beschrieben, als zwei, die immer leuchten. Als vor dreieinhalb Jahren die Diagnose Krebs gestellt wurde, ließ Kim ihrem Holger überhaupt keine Zeit, über ihre Krankheit nachzudenken. „Sie blendete den Tod einfach aus und zog ihr Ding durch”, sagt Holger. Und dabei nahm sie die ganze Familie mit. „Meine Frau hat 60 Chemos weggesteckt. Als der Arzt weitere Metastasen in der Leber festgestellt hat, sagte sie nur, ihr Golfplatz in der Leber habe drei neue Löcher bekommen, wollen wir heute nicht alle schwimmen gehen?” Es gibt unendlich viele solcher Sätze von Kim. Holger zitiert sie gerne, vor allem dann, wenn jemand wegen einer unbedeutenden Kleinigkeit mal wieder zu jammern anfängt.
Die Beziehung des Paares war, nein, sie ist etwas besonderes, etwas einzigartiges. Triathlon heißt die verbindende Leidenschaft. Schon schwer erkrankt wurde Kim noch Deutsche-Vizemeisterin.
Zwei Mal wollte sich Holger für die Königsdisziplin, den Ironman auf Hawaii, qualifizieren. Als er das erste Mal antrat, hatte Kim gerade die Diagnose Krebs erhalten. Beim zweiten Anlauf, immer motiviert von seiner Frau, erfuhren sie kurz vorher, dass der Krebs ihr vier Wirbel gebrochen hatte. „Du darfst nicht aufhören, es zu versuchen”, ermunterte ihn seine Kimmi immer wieder. Wer jetzt denkt, Holger habe völlig verbissen alles um sich herum ausgeblendet, nur um sportliche Höchstleistungen zu vollbringen, hat die Philosophie des Masseners nicht verstanden. Es geht ihm nicht um Auszeichnungen. Er schwimmt, fährt Rad und läuft für sich. Es macht ihn glücklich. „Während wir verbissen unserer Karriere nachlaufen, ist Holger der einzig wirklich freie Mensch, den ich kenne”, sagt ein Freund. Gibt es überhaupt Zeit für Trauer in seinem Leben? „Natürlich, ich weine oft, ist doch klar.” Und dann kommt sofort wieder einer jener Sätze, die so typisch sind für ihn: „Hey, du musst bei einem Wettkampf so einen super verbissenen Triathleten einmal fragen, was eigentlich nach dem Schwimmen kommt, Radfahren oder Laufen? Da rasten die aus!” Wer keinen Spaß versteht, sollte sich mit Holger besser nicht unterhalten, zumindest nicht lange.
Holger ist Sonderschullehrer. Er kümmert sich um verhaltensauffällige Kinder zwischen sechs und zehn Jahren. Gefehlt hat er in seiner Dortmunder Schule nach dem Tod seiner Frau nicht einen Tag. „Sie ist für mich nicht weg”, sagt er. Es war schwer für seine Verwandtschaft, als er erklärte, dass er nicht zur Beerdigung seiner Frau gehen könne. „Das passt nicht zu uns, ich brauche nicht diesen einen Ort, um zu trauern. Ich habe sie immer bei mir.” In einem Kinofilm klingt so ein Satz kitschig. Wenn ihn Holger sagt, klingt er ehrlich. Die Familie fand seine Entscheidung, vorsichtig ausgedrückt, nicht toll, akzeptierte sie aber.
Nur einmal bat Kim ihn, eine Sportveranstaltung ausfallen zu lassen. Holger wollte am 26. August 2007 nach Kanada fliegen. „Bleib hier”, bat sie ihn. Am 24. August, um kurz nach halb sieben, starb sie. Sie lag nur drei Tage im Krankenhaus.
Zwei Tage vor ihrem ersten Todestag schaffte Holger in diesem Jahr die Qualifikation für den Cross-Ironman auf Maui. Die Citibank und das Reisebüro Timmermann finanzieren ihm die Reise. Am 26. Oktober geht er an den Start, gewonnen hat er jetzt schon. „Dieser Ironman ist für Kimmi”, sagt er.
Es ist ihm egal, ob's für das Treppchen reicht. Er will seinen Spaß haben, wenn er anderthalb Kilometer durch den Ozean schwimmt, wenn er 40 Kilometer über die Krater der Insel radelt und wenn er zehn Kilometer durch den Urwald läuft. Es wird keine Bilder geben, auf denen er im Ziel ein Foto seiner Frau in der Hand hält. „Das finde ich blöd”, sagt er.
Am 18. Oktober fliegt er los. Es ist das erste Mal seit Kims Tod, dass er zehn Tage am Stück von seinen Kindern getrennt ist. Was heißt getrennt. Familie Krippenstapel kann niemand trennen, nicht einmal der Tod.
Über seine Erlebnisse auf Maui berichtet Holger Krippenstapel hier.
09:47
Hi Holly, hau rein, gib alles. Wir drüclen Dir natürlich die Daumen. Mam ist ganz aufgeregt.
Schön die Berichte aus Hawai, da können wir auch ein wenig teilhaben.
Freue mich schon auf en nächasten Bricht
12:13
Ich schließe mich Ditzes Worten an, jedenfalls was Holger und Kimmi betrifft. -Bei Maui kann ich leider nicht mitreden, dafür bin ich dann doch zu faul ;o) -
Wer kann schon die besondere Gastfreundschaft (inkl. TK-Menü-Experimente) und den Spaß vergessen, den man bei Krippenstapels gewohnt ist? Kim vergessen geht nicht. Treffender ist das Gefühl, lange nicht voneinander gehört zu haben! Holly, gib alles! Wir denken an dich! Und an Kimmi!
08:41
Dieser Bericht hat Holly gut rübergebracht, ein Lob an Herrn Reckermann. Ich wünsche ihm viel Spaß und einen freien Kopf für dieses einmalige Erlebnis. Seine Kimmi ist immer bei ihm und wird auch immer bleiben.
21:48
Ich hatte das Glück, dass ich Kimmi ein wenig kennenlernen durfte. Sie war was besonderes und bleibt es auch.
In Maui habe ich das Glück ein wenig Zeit mit dem Weltmeister der Herzen (Holly) zu verbringen, ich freue mich darauf. Wir machen einen guten Job, werden bestimmt auch viel und vorallem Spass haben. See you soon, take your running shoes with you!!!
08:20
Sehr schöner Artikel, wer Kim kannte oder kennt, weiss das Sie die fröhlichste Person ist, die ich je getroffen habe und Holger komplementierte dieses.
Er ist ein super Typ und mit Ihm kann man durch dick und dünn gehen.
Also Holger gib alles auf MAui und Kim ist immer bei Dir. Bei jedem Kilometer im warmen Wasser, wo die Haie in unmittelbarer nähen ihr Wasser Ihr zuhause nennen. Über die Mountainbikestrecke, wo in jeder Kurve eine Überraschung wartet, die 40 Grad und die hohe Luftfeuchtigkeit nagt an den Kräften.Nach der Laufstrecke , düch verhärtete Larvabäche und hoch zum Vulcan, durch den Pinienwald , erwartet Dich ein Strandlauf den Du nie vergessen wirst. Der Zielbereich mit dem Zieleinlauf, wo bei dieser Sportart familiäre Verhätnisse herrschen. Kim würde ausflippen.
Ich wünsche Dir alles Gute .
Mit sonnigen Grüßen
Ein besonderer Freund
DD
08:20
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