Die Spur verliert sich auf der Insel
19.01.2010 | 12:40 Uhr 2010-01-19T12:40:00+0100
Unna/Kamen. Offenbar waren es schwere familiäre Schicksalsschläge, die den als strebsam, sympathisch und korrekt bekannten Arge-Beamten zum bedenkenlosen Betrüger verändert haben.
Verführerisch für diesen Einstieg in eine kriminelle Karriere war aber wohl auch eine lückenhafte Software der Bundesanstalt für Arbeit.
Gesucht wird der 27-jährige Thomas S. (Name geändert) aus Unna mit internationalem Haftbefehl, weil er – wie bereits am Wochenende exklusiv berichtet – über 100 000 Euro von der Arge auf seine Konten umgeleitet haben soll. Als der Fall vor einem Monat bei einer Routinekontrolle der Arge aufkippte, tauchte er unter und ist seither auf der Flucht. Seine Spur verliert sich auf den britischen Inseln, auf seinem Handy der Hinweis in deutscher und englischer Sprache, dass er „vorübergehend” nicht erreichbar sei.
Soweit die nackte Nachricht, die seine Mitarbeiter nach wie vor erschüttert und Sportsfreunde immer noch nicht wahr haben wollen.
Familiäre Probleme und finanzielle Schwierigkeiten seien es gewesen, sagt man, die den schlanken und ehrgeizigen Langstrecken-Läufer auf die Verliererstraße gebracht hätten. Hindernisse, die dem Laufbahnbeamten offenbar unüberwindbar erschienen und ihn schlussendlich wohl aus der Bahn warfen. Geldmangel wuchs sich zur Zockerei und in der Folge zur unbeherrschbaren Spielsucht aus. Abschied vom Sport, die Körpermaße wuchsen mit den Problemen.
Seit 2007 stand der Beamte der Stadt Kamen in Diensten der Arge, hatte sich schnell eingearbeitet, genoss das Vertrauen der Dienstherren. Schnell hatte er aber auch die Lücken der Software erkannt, die im übrigen längst auch bei der Bundesanstalt für Arbeit diskutiert werden. Seit Anfang 2009 soll er sie dann für seine Zwecke missbraucht haben: Schnell waren zwei neue Konten auf Variationen seines Namens eröffnet, die dann über neun Monate mit überdurchschnittlich hohen Überweisungen gefüllt wurden.
„Der muss doch immer damit gerechnet haben, dass das aufkippt”, sagt ein Mitarbeiter. Weshalb es Thomas S. im Dezember wohl auch gelassen sah und sich sarkastisch mit der Ankündigung verabschiedete, seine Beamtenurkunde zurückgeben zu wollen. Dazu aber kam es nicht mehr, er setzte sich ab und wurde vom Dienst suspendiert. Einen großen Teil des Geldes hat er auf den beiden Konten gelassen, so dass der finanzielle Schaden für die Arge geringer ausfallen wird als zunächst befürchtet.
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