Die Sparaxt streift den Bürger
13.11.2009 | 09:31 Uhr 2009-11-13T09:31:00+0100Unna. Parken wird pro halbe Stunde um fünf Cent teurer. Der Hund an der Leine kostet zwölf Euro mehr im Jahr.
Und Hausbesitzer und Mieter müssen sich auf zusätzliche Nebenkosten zwischen acht und 20 Euro einstellen, weil die Stadt den Hebesatz für die Grundsteuer B von 430 auf 450 Prozent anhebt. Besserverdiener mit mehr als 68 000 Euro Jahresgehalt müssen für die Kindergartenbetreuung zukünftig mehr bezahlen.
Die befürchtete Sparaxt trifft den Bürger dieser Stadt nicht mit voller Wucht, sie streift ihn aber.
Das zu verkraftende Haushaltsloch nimmt eine astronomische Dimension an. Steuert die Stadt nicht gegen, beläuft sich der Fehlbedarf bis zum Jahr 2014 auf 116,2 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten und Kredite in Höhe von 125, 25 Millionen Euro noch gar nicht eingerechnet.
Ohne ein neues Gemeindefinanzierungsgesetz sind die Schulden nicht mehr aufzufangen. Nicht nur Unna schreibt tiefrote Zahlen. „Selbst wenn wir alle freiwilligen Leistungen, die diese Stadt auszeichnen, sofort auf Null setzen, sparen wir gerade einmal zwölf Millionen Euro”, rechnete Kämmerer Karl-Gustav Mölle gestern vor.
„Umdenken, Krise meistern, Lebensqualität sichern”, hat Mölle den Haushalt überschrieben. Minimal dreht er an der Steuerschraube. Nur die Grundsteuer B (Mehreinahmen von 450 000 Euro pro Jahr) und die Hundesteuer (plus 50 000 Euro) werden angehoben – „moderat”, wie es Mölle betont. Die Finger lässt der oberste Kassenwart von der Gewerbe- und Unternehmenssteuer. „Das wäre das falsche Signal.”
Wohlwissend, dass er sein Millionendefizit nur mittels eines italienischen Jackpots tilgen könnte, setzt Mölle alles auf eine Karte – und die heißt Zwischenfinanzierung. Die städtische Rücklage, quasi der Sicherheitschirm des Rettungsschirms, beleiht er fast bis auf den letzten Cent. Mölle setzt alles auf eine Karte, und überzieht seinen eingeräumten Dispo in Höhe von 95,3 Millionen Euro um 94,5 Mio. Euro. Dabei gilt das Prinzip Hoffnung. Zieht im Jahr 2014 die Konjunktur nicht an, ist Unna defintiv pleite.
Mölle setzt auf Risiko, verordnet aber auch dem Rathaus und den Bürgern ein 21,7 Millionen Euro schweres Sparpaket. 37 Stellen im Rathaus werden eingespart oder befristete Verträge nicht verlängert – unter anderem die Doppelspitze in der Museumsleitung und die Stelle von Prof. Ursula Sinnreich (Ruhr.2010-Koordinatorin). Der Bürger muss mehr JKS- und VHS-Gebühren zahlen. „Wir werden durch diese Sparmaßnahmen aber nicht zu einem städtischen Filialisten, sondern erhalten das Gesicht Unnas”, so Mölle.
Jetzt muss die Politik die Zahlen bewerten und Entscheidungen treffe.
Der Haushaltsplan in voller Länge: hier.
15:40
Tja, der Hund an der Leine.
Leider hat man uns in Unna-Massen
jeglich Möglichkeit genommen den
Hund mal frei laufen zu lassen.
Nun soll ich auch noch mehr Hundesteuer
bezahlen. Ich finde das ganz schön happig.
Für das Geld muß auch in Massen eine Hundewiese drin sein.
15:01
Es hat denn Anschein, als würde auch hier, wie in Berlin, auf Erholung und Wachstum der Wirtschaft gesetzt, um die Finanzen in den Griff zu bekommen.
Mich macht das nachdenklich, ob das gutgehen kann. Falls nämlich nicht, hat man sich schlicht verspekuliert.
07:06
Was soll die ******* denn schon wieder....????
20:09
Das tröstet doch ungemein und stellt die Diskussion um den Streetworker doch ganz anders dar. Zuerst sollte der Eindruck erweckt werden, man spare auf Kosten EINES Streetworkers. Wenn ich lese, dass 37 Stellen eingespart werden - meinen Respekt !!! Damit ist auch das Stammtischargument, die sparen ja immer nur bei anderen - völlig widerlegt.
Ich bin auch der Meinung, dass das so ein Riesenproblem ist, bei dem alle Bürger helfen müssen. ALLE müssen mit anpacken, um das zu bewältigen.