Deutscher Baumkuchen aus japanischen Händen
04.01.2008 | 17:47 Uhr 2008-01-04T17:47:00+0100
Die Liebe zu Baumkuchen ließ Shinko Kiuchi vom Büro in die Backstube wechseln. Und weil das Gebäck aus Deutschland stammt, wollte die Japanerin die Zubereitung im Ursprungsland erlernen. Seit eineinhalb Jahren lernt sie das Konditorenhandwerk in Unna.
Und der Inhaber und Konditormeister des Cafés Prünte ist angetan von Talent und Engagement der 32 Jahre alten Asiatin. „Shinko muss man abends schon fast aus der Backstube werfen”, berichtet Petersmann. Von der Handwerkskammer in Dortmund sei er angesprochen worden, ob er der zierlichen jungen Frau das Handwerk beibringe. Er habe keine Sekunde gezögert. „Eine Bewerbung wollte ich erst gar nicht sehen”, sagt Petersmann.
Nach einem halben Jahr Intensiv-Deutschkurs fing sie in Unna an. „Die Theorie ist viel schwieriger als die Praxis”, erzählt Shinko Kiuchi in überraschend gutem Deutsch. Neben der Sprache musste sie natürlich auch die lateinischen Schriftzeichen lernen. Auf der Berufsschule in Dortmund helfen ihr die Kolleginnen im Unterricht. Freitag dürfen sie es jedoch nicht. Dann steht für Shinko Kiuchi der theoretische Teil der Gesellenprüfung an.
In Japan genießen Konditoren hohes Ansehen. „Wer dort einen guten Betrieb führt, ist ein gemachter Mann”, weiß Uwe Petersmann. Nach bestandener Gesellenprüfung möchte Shinko Kiuchi noch ein paar Monate in der Backstube an der Bahnhofstraße arbeiten und dann ihr Konditorenglück in Berlin finden. „In Berlin eine Anstellung zu finden, wäre eine tolle Sache sagt sie und lächelt voller Vorfreude.
Baumkuchen wird in ihrer Heimat traditionell zu Hochzeiten gereicht. „Nur der Chef einer Konditorei stellt den Baumkuchen her, weil es so schwierig ist.” Sie hat den Bogen mittlerweile raus. Schließlich hatte das Gebäck in unseren Breiten zu Weihnachten Konjunktur. Mehr noch: Lehrherr Uwe Petersmann schätzt die filigrane Handwerkskunst der Japanerin. „Einem aus Marzipan modellierten Hochzeitspaar hat sie Mini-Blumensträuße in die Hand gearbeitet.”
Richtig angefreundet hat sich die Frau aus Tokio mit der deutschen Kultur und Küche, sagt sie. Deutsche und Japaner seien eigentlich gar nicht so verschieden, sieht man mal von der Küche ab. „Neulich habe ich zum ersten Mal Leberkäs und Kassler gegessen. Das war lecker.” Ansonsten geht sie auch gerne mit Freunden beim Italiener in Dortmund speisen. Dort wohnt sie, unweit des BVB-Stadions. Ein Spiel der Borussia habe sie aber leider noch nicht im Stadion gesehen. „Nach dem Feierabend mag ich es gerne ruhig und lese Mangas.” Das sind japanische Comics.
Dafür war sie im Urlaub bereits in Italien und Frankreich. Zum Sightseeing in Mailand und Marseille. Wann es wieder nach Japan geht, weiß sie noch nicht. Jetzt lädt sie erst einmal ihre Eltern ein, um ihren Arbeitsplatz und vieles mehr zu zeigen. „Die haben mir mein Betriebswirtschafts-Studium finanziert und waren gar nicht begeistert, als ich sagte, dass ich umschule.”
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