DDR-Grenze für Oldtimer kein Thema
08.11.2009 | 19:50 Uhr 2009-11-08T19:50:00+0100Unna. Schade, dass ausgerechnet der Wagen von Klaus Neuhaus zwar schlucken, aber nicht sprechen kann; denn als Opel, Baujahr 1936, kam der "Ossi" im Alter von stolzen 52 Jahren über verschlungene Wege von der DDR in die BRD und dann nach Unna.
Wenn Autoliebhaber, wie Klaus Neuhaus zweifellos einer ist, von ihren Autos sprechen, dann hört es sich mitunter an, als sprächen sie von einem Lebewesen. Von Kinderkrankheiten eines speziellen Modells ist die Rede, auch stottert das Auto schon mal oder „Er“ verschluckt sich. Der Wagen von Klaus Neuhaus hatte indes viel zu erzählen – kein Geringerer als der berüchtigte DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski verdiente an dem Autodeal.
Was sich ein bisschen anhört, wie eine Räuberpistole, hat Klaus Neuhaus selbst erlebt. Damals arbeitete er gerade in seinem zweiten Beruf als Kfz-Sachverständiger, war noch nicht lange vom Bundesgrenzschutz weg. „Deshalb hätte ich selber auch gar nicht in die DDR fahren können“, erinnert Neuhaus daran, dass es gerade Soldaten mindestens zehn Jahre nach ihrer Entlassung verboten war, in die Deutsche Demokratische Republik einzureisen.
So ließ er einen Bekannten seinen wohl spektakulärsten Autokauf abwickeln. Klaus Neuhaus hatte nämlich erfahren, dass über den DDR-Devisenhändler Schalck-Golodkowski Autos in den Westen verkauft wurden. Nicht Wartburg oder Trabbi, sondern Mercedes Benz, Maibach und eben Opel. „Hallen in den Kasernen der Nationalen Volksarmee waren voll mit Oldtimern, die Leute aus der DDR bei ihrer Ausreise da lassen mussten“, berichtet Neuhaus.
Auf einen Opel aus dem Jahre 1936, Modell P4, hatte es der Unnaer abgesehen. Das lag schon deshalb auf der Hand, weil Klaus Neuhaus als junger Mann 1964 Kfz-Mechaniker bei Opel Rosenthal & Rustemeyer in Soest gelernt hatte.
Der Kontakt zu der Firma „Interport. Industrievertretungen“ in Ost-Berlin, Straßburger Straße, einer von 150 Tochterfirmen und -gesellschaften des Devisenbeschaffers der DDR wurde hergestellt. Das Geschäft wickelte Klaus Pracht, „die rechte Hand von Schalck-Golodkowski“ (Neuhaus) ab. Dessen Visitenkarte besitzt der Kfz-Sachverständige heute noch, wie natürlich auch den Lieferschein. 9000 D-Mark zahlte Neuhaus' Bekannter 1988 für das „Veteranenfahrzeug, Limousine, teilrestauriert“, so der Wortlaut in der „Bezugserklärung“ der DDR-Firma. Der Käufer musste mit einem verschlossenen Fahrzeug den Opel abholen – schließlich sollte keiner sehen, welches Schmuckstück die DDR verließ. Und der Käufer erhielt keinerlei Papiere von dem Wagen, keinen Kfz-Schein oder -Brief, geschweige denn eine Garantie. „Ich erhielt lediglich eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, so dass ich sicher gehen konnte, dass der Wagen nicht gestohlen ist“, erzählt der heute 63-Jährige.
„Das Auto war gut in Schuss“, urteilte der Autoliebhaber. Den schwarzen Lack ersetzte er durch das originale „Laubfroschgrün“, der zweite Motor, der zur Lieferung gehörte, diente als Ersatzteillager. Seither gehört der P4 zu Klaus Neuhaus Liebling auf vier Rädern, mit dem er an vielen Oldtimer-Rallyes teilgenommen hat, oder einfach an der Seite seiner Ehefrau spazieren fährt. Die zweijährlichen Besuche beim TÜV verlaufen für den Unnaer immer ganz entspannt „Ohne Mängel“ bescheinigen ihm die Prüfer jedes mal. „Wenn der einmal in Schuss ist, dann geht so schnell nichts kaputt.“
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