Christuskirche: Gemeinde bangt um Wichernhaus
01.02.2008 | 18:03 Uhr 2008-02-01T18:03:00+0100Königsborn. Kann das Wichern-Gemeindehaus der evangelischen Christuskirche erhalten bleiben?
Vor 52 Jahren gaben Königsborner Protestanten ihrem neben der Christuskirche erbauten Gemeindezentrum den Namen „Wichern-Haus”. Johann Hinrich Wichern, wie Bodelschwingh ein hoch verdienter Vater der evangelischen Diakonie, wird in diesem Jahr zu seinem 200. Geburtstag besonders geehrt werden. Doch ob das Unnaer Wichernhaus am Ende dieses Jahres noch seine Dienste tun kann, steht aus manchen Gründen in den Sternen.
„Nach jedem Sturm schauen wir besorgt nach, ob Dach und Schornstein gehalten haben", so Ortspfarrer Andreas Taube. Zusammen mit der ebenfalls erforderlichen Drainage, summiert Kirch-Fördervereinsvorsitzender Ralf-Dieter Kautz, käme es auf notwendige Investitionen von 80 000 Euro. Die kann die Gemeinde derzeit keinesfalls stemmen.
Mehr finanziellen Spielraum könnte es aus dem Erlös des seit vergangenem Jahr leer stehenden Pfarrhauses neben dem Wichernhaus geben. Da drängen sich aber noch keine Interessenten auf, weil auch hier größere Instandsetzungen nötig sind. Zudem kommt unmittelbar in Kurparknähe ein größeres Grundstück von etwa 1600 Quadratmetern hinzu, auf dem beide Gemeindegebäude stehen. Das Grundstück wiederum darf nach kirchlichem Baurecht nur in Erbpacht veräußert werden.
Drei Gemeindeglieder - Iris Fiene, Petra Horstmann und Annerose Hackbarth - sind, wie im letzten Gemeindebrief nachzulesen, in einem „Offenen Brief” an das Christus-Presbyterium herangetreten: „Für eine funktionierende Gemeinde” sei das Wichernhaus von großer Bedeutung. Nicht nur aufgrund seiner „direkten Anbindung an die Christuskirche”, sondern noch mehr „wegen seiner besonderen Atmosphäre” erscheine es „unverzichtbar”. Mehr als ein halbes Dutzend Gemeindekreise nützten regelmäßig die „kürzlich renovierten Räume”.
Vor einem Jahr wurde bereits in der anderen evangelischen Gemeinde Königsborn, mit der man auf Dauer zusammenwachsen wird, das „Paul-Gerhardt-Haus” umgewidmet; es wird nun von der „Tafel” genutzt. Die Gemeindekreise haben im Räumetrakt am Kirchgebäude eine akzeptable Bleibe gefunden, so Paul-Gerhardt-Baupresbyter Johannes Schütte. Für sehr große Veranstaltungen würde man sich an die benachbarte Grilloschule wenden.
Solcher Ersatz besteht für die Christuskirche nicht. Die „Brücke”, reichlich entfernt an der Berliner Allee gelegen, als Ausweichort zu nehmen werde dazu führen, dass „wichtige Qualität im Gemeindeleben verloren gehen werde”, so die Briefschreiberinnen. Ob im katholischen Herz-Jesu-Forum nebenan eine neue Bleibe gefunden werden kann, oder sich ein künftiger Investor beim erwarteten Wohnungsbau darauf einlässt, einen neuen Gemeindesaal einzubeziehen - diese Fragen bleiben zunächst offen. Die Gemeinde wird versuchen, gemeinsam mit der Bau-Fachabteilung des Kirchenkreises Unna Lösungen zu suchen.
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