"Brot geht immer vor Kunst"
17.02.2010 | 07:00 Uhr 2010-02-17T07:00:00+0100Unna. Die Serie schlechter Nachrichten aus der städtischen Kulturarbeit reißt nicht ab. Zwei Tage vor dem 90. Geburtstag des Unnaer Künstlers Josef Baron – Vater des Eselsbrunnen – steht fest: Das zum Jubiläumstag geplante Werkverzeichnis des Bildhauers wird nicht rechtzeitig fertig.
Unklar ist auch, ob es denn zur Local Heroes Woche im Rahmen von Ruhr.2010 im April erscheint.
„Es war immer so geplant, dass das Werkverzeichnis pünktlich zu Barons Geburtstag fertig ist”, sagt Jürgen Düsberg, Mitglied des Initiativkreises K.O.B.B., der die vier Künstler Carlernst Kürten, Ernst Oldenburg, Josef Baron (Bild) und Wilhelm Buschschulte im Kulturhauptstatdjahr ins Rampenlicht rückt. Zuständig für den sicherlich umfangreichen Katalog – Baron schafft schließlich seit mehr als 60 Jahren Skulpturen und Zeichnungen – war und ist Professor Dr. Ursula Sinnreich. Noch im November bei der Präsentation des K.O.B.B.-Projektes hatte sie auf die bundesweite Bedeutung der „großen Vertreter der klassischen Moderne” hingewiesen und das Werkverzeichnis angekündigt. Unterdessen wechselte Sinnreich jedoch von der städtischen Kunstreferentin für Ruhr.2010 zur Geschäftsführerin des Internationalen Lichtkunstzentrums.
Aus Krankheitsgründen konnte Ursula Sinnreich am Dienstag nicht persönlich erklären, wie es zu der Verzögerung kommt. Ihr ehemaliger Chef, der Leiter der Kulturbetriebe Axel Sedlack glaubt, dass das Werkverzeichnis „in den nächsten Monaten” fertig sei. Außerdem sei die Verspätung doch „nicht so schlimm”.
Dagegen dürfte der Vorfall für den Initiativkreis K.O.B.B. der traurige Beweis dafür sein, was die Kulturfreunde bereits im Dezember befürchteten: Lichtkunst und das Künstlerprojekt könne für Sinnreich vielleicht zu viel sein. Von der städtischen Kulturarbeit ist keine Unterstützung zu erwarten. Wie berichtet holt sich das personell wie finanziell geschwächte Team schon für die Vorbereitung von „Summertime” Hilfe vom Kulturzentrum Lindenbrauerei. Desweiteren stehen Ruhr 2010-Projekte finanziell auf der Kippe. Josef Baron indes nimmt das verspätete Geschenk mit Humor. „In meinem Alter ist das egal”, sagt er und will den Rummel um seine Person gering halten. Er weiß längst: „Brot geht immer vor Kunst”.
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