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Azubi an der Kette, weil Arge schlief

17.03.2009 | 16:23 Uhr

Weil sich der Unnaer Auszubildende Kai Lukosch nicht mehr zu helfen wusste, kettete er sich gestern Mittag am Gebäude der Arge auf der Tiefgarage an.

 Seit rund einem Vierteljahr versucht er finanzielle Unterstützung von der Arge zu bekommen. Ihm geht das Geld aus. Gestern ging dann plötzlich alles ganz schnell. Arge-Chef Uwe Ringelsiep nahm sich des Falles an.

Der Reihe nach: Kai Lukosch ist gelernter Installateur. Zurzeit lernt er an der Tankstelle am Beethovenring den Beruf des Einzelhandelskaufmanns. 325 Euro verdient er. Seine Wohnung an der Hertingerstraße kostet mit Nebenkosten 310 Euro. Bleiben 15 Euro zum Leben. „Ich musste bei meinen Eltern in Bergkamen ausziehen und kann auch nicht mehr zurück”, so der junge Mann.

Lukosch stellte Anfang des Jahres einen Antrag auf Arbeitslosengeld II (Hartz IV) um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Sein Chef, Tankstellen-Pächter Ralf Luhmann, half mit Lohnvorschüssen und zinslosen Darlehen aus. Die belaufen sich mittlerweile auf 1 200 Euro. Fast vier Monatsgehälter von Kai Lukosch.

Derweil war der Auszubildende Dauergast in der Arge. Immer wieder wurde er mit seinem Antrag vertröstet oder es fehlten angeblich Unterlagen, um das Papier bescheiden zu können. Vergangenen Montag endlich bekam er die Auskunft, das Hartz IV ihm nicht gewährt werden könne. Er sei in einem Ausbildungsverhältnis. Eigentlich springe in so einer Konstellation Ausbildungsbeihilfe ein. Nicht im Falle Lukosch, denn es ist seine zweite Lehre. Der Fall ins Bergfreie drohte.

Bis gestern: Um 12.45 Uhr stand Lukosch gekettet an der Argetür vor der Behörde. Uwe Ringelsiep und seine zuständige Teamleiterin bemühten sich herunter. Für die Ausbildungsbeihilfe sei die Agentur für Arbeit am Nordring zuständig, teilte man ihm mit. „Das höre ich heute zum ersten Mal”, sagt Kai Lukosch gleichermaßen verdutzt und verärgert. Habe er einen Ablehnungsbescheid von der Behörde in der Hand, könne er bei der Stadt Wohngeld beantragen. Lukosch fiel aus allen Wolken. „Damit wäre ich ja aus dem Schneider.”

„Dass alles so lange gedauert hat, tut uns leid. Das müssen wir auf unsere Kappe nehmen”, sagt Uwe Ringelsiep. Das Kundenmanagement sei nicht in dem konkreten Fall eingeschaltet gewesen, so der Behördenleiter. Hätte er eher von dem Fall erfahren, hätte er Kai Lukosch früher helfen können. Gestern begleitete ein Mitarbeiter der Arge den Azubi zur Arbeitsagentur. Die Kette hatte Lukosch inzwischen aber abgelegt.

Jens Schopp

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Kommentare
18.03.2009
10:45
Azubi an der Kette, weil Arge schlief
von SoWhats | #5

Super nicht. Da will jemand noch was lernen für wenig Geld und will dem Staat nicht auf der Tasche liegen. Da wird der so verarscht. Na was soll es, sind ja nur Menschen die nicht wissen was sie essen sollen oder wie sie ihren Strom bezahlen können. Also 15 Euro im Monat sind doch wirklich ausreichend. Und wenn nicht, naja, die Tapete von der Wand könnte ja noch verspeisst werden. Wirklich unglaublich das so etwas möglich ist und wie gedankenlos diese Mitarbeiter sind. Als er den Antrag abgegeben hat hätte denen schon auffallen MÜSSEN das sie nicht zuständig sind und ihn an die richtige Stelle verweisen müssen. Wirklich unglaublich was denen so alles entgeht.

18.03.2009
10:31
Azubi an der Kette, weil Arge schlief
von Andreas63 | #4

Das hat weniger mit Unfähigkeit zu tun als mit jahrelanger Arbeitsüberlastung.

Leider wird das Personal dort immer nur als Kostenfaktor angesehen und knapp gehalten. Daher ist die Klientenbetreuung eher Fließbandarbeit. Und wer hat am Fließband schon die Birne an. Und Zeit, sich gedanklich mit den individuellen Problemen auseinander zu setzen bleibt am Fließband erst recht nicht.

18.03.2009
10:30
Azubi an der Kette, weil Arge schlief
von bukowski | #3

Richtig so Junge, es müssten alle so um ihre Existenz und Perspektive kämpfen.

18.03.2009
06:55
Azubi an der Kette, weil Arge schlief
von holle58 | #2

bei der arge geht das ohne drohen nicht.ich hatte schon 2x theater mit denen.mein anwalt hat die papier selbst hingebracht und trotzdem wurde gesagt sie sein nicht angekommen.das hat dort mächtig gekracht.diese leute sind einfach unfähig.

18.03.2009
03:42
Azubi an der Kette, weil Arge schlief
von hamicha | #1

Das Kundenmanagement ???
Eher unfähige Sachbearbeiter !
Wie heißt eigentlich dieses ominöse
Kundenmanagement mit Vor- und Zunamen ,oder anders gesagt Ross und Reiter ?

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