Das aktuelle Wetter Unna 11°C
Lars für London

Aus Hüftgold soll olympisches Gold werden

08.02.2012 | 11:41 Uhr
Aus Hüftgold soll olympisches Gold werden
Redaktionsleiter Lars Reckermann will bis Olympia fit werden - hier ist er beim vorbereitenden Gesundheitscheck beim Chefarzt der Kardiologie im KK , Prof Klaus Weber.

Kurz zur Selbst-Einschätzung: Ich gehöre zu der Gattung Mensch, die der festen Überzeugung ist, mein Körper merkt sich, wenn ich einmal im Monat gesund esse. Deshalb kann ich an den übrigen Tagen sündigen. Wenn mir der Arzt sagt, ich solle täglich 15 Minuten Sport treiben, mache ich einmal eine Stunde, setze die Leistung in eine vielfache Potenz und stelle dann jegliche Aktivitäten für den Rest der Woche..., ach was sag‘ ich, den Rest des Monats ein.

Nach dem Arbeitstag sehne ich die Couch herbei. Dass ich abends am liebsten eine Jogginghose trage, hat rein gar nichts mit sportlichem Ehrgeiz zu tun. Ich gönne vielmehr meinem Hüftspeck eine Korsettpause – verursacht durch nicht flexible Hosenbünde.

Kann so ein Mensch noch einmal sportlich durchstarten? Damit das klar ist, ich will kein Athlet werden. Im kommenden halben Jahr gilt es, Geburtstage zu feiern, mit Familie und Freunden zu grillen – aber eben auch gesünder zu leben als bisher.

Ulrich Dreischer ist Vorsitzender des TV Unna. „Wir kriegen das hin“, sagt er im Vorgespräch und legt mir erst einmal einen Gesundheits-Check nahe. Orthopädie, Kardiologie, da sollte ich den Fachmann nachschauen lassen.

Dr. Matthias Pothmann, Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus Unna und bundesweit anerkannter Orthopädieexperte, macht den Spaß mit und unterzieht mich einer fachkundigen Untersuchung. Die erste schlechte Nachricht gibt es gleich vorab: Beim Nennen meiner Körperlänge (1,79 Meter) und meines Gewichts (81 Kilogramm) heißt es knapp. „Sie haben kein Normalgewicht mehr.“ Ich schaue entsetzt, habe Panik ob der weiteren Untersuchung, doch Pothmann beruhigt mich. „Der Tod lauert nicht im Gelenk, der Tod lauert in Brust und Bauch.“ Na klasse!

Gerade hinstellen, Knie durchdrücken, Fingerspitzen zum Boden… mir fehlen 15 Zentimeter. „Das ist schlecht“, sagt der Doktor. Ich schäme mich.

Haltungsschäden werden auch noch attestiert: Die rechte Schulter ist höher als die linke. Also vorbei der Traum von Olympia? „Quatsch“, sagt der Arzt und checkt Wirbelsäule, Hüft-, Knie- und Sprunggelenke. Dafür gibt es vier Mal Daumen hoch. Sport ist drin. Nur das Kniescheibengleitlager sei nicht mehr taufrisch.

Auch Prof. Klaus Weber, anerkannter Herzspezialist aus dem Katholischen Krankenhaus in Unna, nimmt es sehr genau. Per Ultraschall schaut er in mein Herz. Ich bin nervös und attestiere mir selbst Herzrhythmusstörungen, aber Prof. Weber beruhigt. Die Herzklappen laufen wie ein frisch geölter Motor. „Das sieht gut aus“, lobt der Mediziner meine Pumpe. Auch der Blutdruck macht ihm Freude. Eine bezaubernde Krankenschwester pumpt mir Arme auf, die endlich einmal Sportlerumfang annehmen, auch wenn diese Maße ausschließlich der grünen Blutdruckmanschette zu verdanken sind. 140/90, zumindest dieser Wert ist vorbildlich, auch wenn ich damit am Strand nicht angeben kann. Wie auch? „Hey, guck nicht so, ich habe zwar Hüftgold dafür aber einen 1a-Blutdruck...!“

Der Kardiologe bittet mich zum Belastungs-EKG. Zehn Saugnäpfe finden auf Brust und Rücken genug Fläche, um den angeschlossenen Computer mit wichtigen Daten zu füttern. Ich steige aufs Fahrrad und muss eine bestimmte Trittfrequenz schaffen. Während meine Beine dem Gehirn signalisieren, die erste Tour-de-France-Etappe sei gleich geschafft, sagt Prof. Weber trocken: „So, gleich haben wir die ersten zwei Minuten ‘rum, dann wird das Radfahren etwas schwerer.“ Ich gebe mich gelassen und überlege, welche Ausrede ich dem Professor und der Krankenschwester für die gerade einsetzende Schweißattacke liefern kann. „Warm hier“ – ein dümmerer Spruch fiel mir nicht ein. Nach 20 Minuten darf ich vom Rad steigen. „Wenn sie anfangen, Sport zu treiben, laufen sie anfangs nur so viel, dass sie sich noch gut mit einem anderen unterhalten können“, gibt mir Prof. Weber noch einen wichtigen Tipp. Ich hätte gerne Danke gesagt, aber dazu fehlte mir die Luft.

Lars läuft für London

 

Lars Reckermann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6327932/create

Aktuelle Fotos und Videos
Polizei findet Diebesbeute
Bildgalerie
Serien-Einbrüche
8ter Firmenlauf der AOK
Bildgalerie
3700 Teilnehmer dabei
Unwetter in Unnas Osten
Bildgalerie
Schlammmassen unterwegs
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Aus dem Ressort
Verzicht auf den 4. Beigeordneten
Politik
Die vierte Beigeordneten-Stelle in der Stadtspitze bleibt bis mindestens 2015 unbesetzt. Wie jetzt bekannt wurde, hat sich Schuldezernent Uwe Kornatz (SPD) entschieden, nun doch nicht schon Ende dieses Jahres in den Ruhestand zu gehen. Er macht bis 2015 weiter.
Mai-Aufschwung bleibt aus
Arbeitsmarkt
Der Mai steht auf dem Arbeitsmarkt üblicherweise für einen Abbau der Arbeitslosigkeit als kräftige Fortsetzung des Frühjahresaufschwungs. Dieser ist in diesem Jahr fast gänzlich ausgeblieben, die typische Maiverbesserung ebenso.