Als Kükenretter kopfüber im Kanal
18.05.2010 | 09:00 Uhr 2010-05-18T09:00:00+0200
Unna. Fünf Entenküken hat Michael Struwe das Leben gerettet. Was sich so simpel anhört, war ein schwieriges Geschäft. Denn die Tierkinder flüchteten vor ihrem Retter.
Zum Brötchen holen machte er sich auf den Weg – und kam als Lebensretter zum Frühstückstisch zurück. Denn zumindest fünf Entenküken bewahrte Michael Struwe vor dem sicheren Tod in der Kanalisation.
Es ist Sonntag, kurz nach acht Uhr morgens, als sich der 46-jährige Familienvater zum Bäcker aufmacht. „Auf dem Rückweg habe ich dann ein komisches Piepsen gehört”, erzählt er. Eine Entenmutter mit zwei Küken steht an einem Gully und schnattert um Hilfe. Fünf ihrer Jungen sind beim Marsch über den Damaschkeweg durch die Metallstreben des Wassereinlaufs gerutscht und können sich aus eigener Kraft unmöglich befreien. „Ich habe sofort den Gullydeckel hochgenommen und schon ein Küken gesehen, das weiter ins Rohrnetz hineingeschuscht ist.” Struwe baut einen Kescher, legt sich auf den Bauch und beginnt mit dem Entenangeln. „Die Nachbarn haben schon gedacht, ist der bekloppt, was legt der sich auf die Straße mit dem Kopf im Kanal.” Doch die Küken sind scheu, flüchten schnell tiefer in das Rohrsystem.
Feuerwehr kommt mit Drehleiter
Weil das Öffnen der anderen Gullys mitten auf der Straße zu gefährlich ist, ruft Struwe die Feuerwehr. Die kommt sogar mit Drehleiter zur Entenrettung, sperrt die Straße und lässt den Familienvater mit dem Kescher sein Glück versuchen. Und tatsächlich, Struwe befreit alle fünf Küken. Von der Entenmutter fehlt aber jede Spur. „Die Feuerwehr hat vorgeschlagen, die Küken zum Bornekampteich zu bringen, doch ohne Mutter hätten sie dort nicht überlebt.”
Kurzerhand baut er in der Nachbarschaft mit Sohn Benjamin (6) ein Entengehege an einem Gartenteich. „Wir wussten ja nicht, was man mit sieben Küken macht – keiner wollte sie haben, auch nicht der Naturschutzbund. Man sieht die kleinen Tiere und hat sofort Mitleid – wir mussten sie also schnell wieder einfangen.” Mit der Feuerwehr jagen nun auch die Nachbarn den Tieren durch die Vorgärten hinterher. Sechs gehen ihnen ins Netz. „Der siebte war ein Aberwitziger und gar nicht mehr zu finden.” Auch bei einer erneuten Patrouille am Sonntagabend nicht.
Küken mit Spezialfutter päppeln
Seine Geschwister erholen sich mittlerweile auf dem Gartenteich von ihrem Abenteuer, auch Entenmutter und Erpel haben ihre Kinder wieder ausfindig gemacht. „Wir hoffen, dass die Küken groß und flügge werden – geben ihnen extra besorgtes Geflügelfutter mit Mineralien”, erzählt Entenretter Struwe und setzt nach: „So etwas habe ich auch noch nie gemacht.”
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Daumen hoch für solch einen Einsatz!
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Darauf achten, dass die Küken genug Nährstoffe für den Knochenaufbau bekommen!
In freier Natur ernähren sich die Küken von allerlei Kerbtieren und erhalten auf diesem Weg viel Chitin.
Im Zoofachhandel gibt es entsprechendes Spezialfutter für Schildkröten, welches auch für die Küken gut ist.