65 Jahre alt: DJ-Legende kommt in die "Linde"
07.10.2008 | 16:15 Uhr 2008-10-07T16:15:00+0200Früher war Black Sabbath – am Freitag kommt die Lindenbrauerei. Die Dortmunder Discjockey-Legende Ruud van Laar übernimmt erstmals die Plattenteller bei der Ü 50-Party.
DJ-Legende – diese Worte wiegen schwer, oder? Ruud van Laar schüttelt den Kopf: „Ich sehe das positiv. Ich bin ein ehrgeiziger Mensch.” Und jede Menge Ehrgeiz hatte er auch, als er 1965 aus Amsterdam nach Dortmund kam. Sein Geld verdiente er zunächst als LKW-Fahrer und Pfefferminz-Verkäufer – aber das reichte ihm nicht.
Angetreten mit dem Willen „den mir Bekannten das mir Bekannte anzubieten”, bot sich der Niederländer in verschiedenen Discotheken an: „Hier gab es viel Schlager, viel Chart-Musik”, erinnert er sich. Zeit für etwas Neues, fand van Laar: „Die Stones, die Beatles, Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Spencer Davis...”
Aber weil viele Disco-Besitzer den jungen Mann mit den revolutionären Musik-Ideen schräg anguckten, entschloss sich von Laar, seinen eigenen Laden zu eröffnen – und stieß mit dem „Incrowd” in einem ehemaligen Kino in Dortmund-Dorstfeld auf gute Resonanz.
Aber auch gleichzeitig auf einen Konflikt, der ihn seine ganze Karriere über nicht mehr loslassen würde: „Ich sehe mich als Künstler, der auch den Kommerz können muss. Und das geht eben schief bei mir.” Resultat: Dem ersten Schiffbruch mit dem „Incrowd” nach anderthalb Jahren folgen viele weitere – auch wenn einige Läden zunächst großartig laufen.
Zum Beispiel das Fantasio in der Dortmunder Nordstadt. Der Club war in den 70er Jahren bundesweit bekannt, hier spielten Größen wie Black Sabbath, Emerson, Lake & Palmer, Uriah Heep, Yes, Supertramp oder Kraftwerk. „Alles, was Rang und Namen hatte – und bezahlbar war”, erinnert sich van Laar.
Gleichzeitig beschimpften kommunistische Studenten den DJ als „Kapitalistenschwein – trotzdem sind sie gekommen, weil ich sie unterstützt habe.” Das Fantasio scheiterte nach anderthalb Jahren am Geld: „Ich musste 8 000 Mark Stromkosten nachzahlen. Da war Schluss.” Für van Laar trotzdem eine gute Zeit: „Ich habe das voll gelebt!”
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