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Unfallflucht mit vereinten Kräften aufgeklärt

27.10.2008 | 17:35 Uhr

Burbach/Siegen. Mit vereinten Kräften und viel Kreativität hat die Polizei einen Fall von Unfallflucht aufgeklärt.

Die Polizeihauptkommissare Gerhard Schulze und Ulrich Dickel sind Verkehrsunfall-fluchtermittler des Verkehrskommissariates Siegen. Sie sind Experten auf ihrem Fachgebiet und haben schon viel erlebt, doch an diesem Morgen im September waren auch sie sprachlos: Mit einem selbstgebackenen Kuchen stand eine 69-jährige Dame vor ihnen und bedankte sich überschwänglich.  Zwei Monate zuvor war die Frau als Autofahrerin an einem Donnerstagabend kurz nach 21 Uhr zusammen mit ihrem Ehemann auf der B 54 in Burbach in Richtung Autobahnanschlussstelle Haiger unterwegs. Bereits geraume Zeit fuhr ein jüngerer Mann mit seinem blauen kleinen Auto immer wieder dicht auf. Als die Frau langsamer fahren musste, rauschte der junge Mann mit seinem Pkw in das Heck des vorausfahrenden Fahrzeuges. Es entstand ein ein Schaden von rund 1 300 Euro am Auto des älteren Ehepaares. Der Mann gab zu, dass er schuld „und alles kein Problem sei”. Die Ankündigung des Ehepaares „Wir rufen dann mal die Polizei an” läutete dann jedoch einen Bruch in der bis dahin überschaubaren Entwicklung ein, so Polizeipressesprecher Gerhard Baum gestern.

Mann machte sich aus dem Staub 

 Während die Geschädigten ihr Auto nach rechts fuhren, machte sich der junge Mann mit seinem Gefährt unbemerkt aus dem Staub.  Im Rahmen der anschließenden Unfallaufnahme kam man dem Flüchtigen zunächst nicht auf die Spur. Zu vage waren die Angaben der Zeugin und ihres Mannes. Doch fand man aus Sicht der Polizisten Schulze und Dickel das Ende eines Wollfadens, den es aufzuwickeln galt: Blaue Plastikteile seines Autos hatte der junge Mann an der Unfallstelle zurückgelassen.  Das genügte Polizeihauptkommissar Schulze. Schnell puzzelte er sich die Teile auf seinem Schreibtisch zusammen und ging damit zu einer Siegener Lackiererei. Treffer: „Die gehören zu einem blauen VW Lupo”, erklärte der Experte dort. Blieb das fehlende Kennzeichen. „Der konnte natürlich überall herkommen. Wahrscheinlich war es aber, dass er aus den Grenzbereichen im Dreiländereck kam. Deshalb habe ich eine gezielte Fahndung auch in Hessen und Rheinland-Pfalz bei den mir dort bekannten Kollegen eingeleitet“, so Gerhard Schulze. Ein Polizeibeamter der Polizeiinspektion Westerburg recherchierte für seinen Zuständigkeitsbereich in der Zentralen Verkehrsinformationsdatei des Kraftfahrtbundesamtes nach passenden Autos. 15 Treffer, die es zu überprüfen galt. Dabei half Kommissar Zufall: Schon das erste Auto passte: ein Westerwälder VW Lupo im Zuständigkeitsbezirk. Routiniert wurden die Beweise gesichert und der vermeintliche Fahrzeughalter befragt. Der beteuerte, unschuldig zu sein. Er habe den Wagen für einen Freund gekauft und zugelassen, weil der keinen Kredit mehr bekomme. Und er konnte noch einen Hinweis auf den Unfallschaden und den aktuellen Standort des Autos in Detmold bei einem Autohändler geben. Der Rest war dann Routine: Die Polizisten ermittelten erst selbst telefonisch in Detmold und schalteten später auch die dortige Polizei ein. Die Maßnahmen führten zum 25-jährigen Täter, der sich in einer dortigen Klinik aufhielt. Das Motiv für die Unfallflucht war recht einfach: Der junge Sportfahrer hatte zum Zeitpunkt des Unfalls keinen Führerschein mehr.

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