Wiedersehen macht Zuhörern Freude

Für seinen zweiten Auftritt in Melschede hatte Honggi Kim Werke von Brahms und Rachmaninow ausgesucht – eine gute Wahl, denn das Publikum war erneut begeistert von der Virtuosität des jungen Koreaners.
Für seinen zweiten Auftritt in Melschede hatte Honggi Kim Werke von Brahms und Rachmaninow ausgesucht – eine gute Wahl, denn das Publikum war erneut begeistert von der Virtuosität des jungen Koreaners.
Foto: Werner Hümmeke
Was wir bereits wissen
  • Auf Schloss Melschede gab es ein Wieder­sehen mit dem koreanischen Pianisten Honggi Kim
  • Vor zwei Spielzeiten sprang der 22-Jährige schon einmal kurzfristig ein
  • Jetzt überzeugte er erneut

Sundern..  Beim Eröffnungskonzert der Saison 2016/ 2017 gab es auf Schloss Melschede ein Wieder­sehen mit dem koreanischen Pianisten Honggi Kim. Vor zwei Spielzeiten sprang der 22-Jährige aus der Meisterklasse von Professor Arnulf von Arnim an der Münchener Musikhochschule innerhalb von nur vier Tagen für den erkrankten Jun Hee Kim ein – und verblüffte die Zuhörer damals mit erstaunlichen pianistischen Fähigkeiten. Für den erneuten Auftritt in Melschede hatte Honggi Kim Werke von Johannes Brahms und Sergej Rachmaninow ausgesucht.

Er beginnt mit Brahms „Variationen über ein eigenes Thema“ op. 21.1 (1857). In der fünften Variation werden Stimmen ähnlich dem großen Vorbild Bach spiegelverkehrt wiederholt – unter den einfühlsamen Händen von Kim zu einem herrlichen Stück Musik des jungen Brahms. Der meditative Grundcharakter der Variationen, auch wenn sie mitunter deutlich an Fahrt aufnehmen, passt wunderbar zum goldenen Herbsttag, der durch die Fenster lugt.

Gemäß dem Filmtitel „Lieben Sie Brahms?“ beglückt Honggi Kim das Publikum mit einem weiteren Brahms – „acht Klavierstücke“ op. 76. Der 44-jährige Brahms hatte die neue Sammlung an die von ihm hochverehrte Clara Schumann geschickt. Sie fand „große Freude daran…einige kann ich jetzt ordentlich spielen, sie sind nämlich recht schwer.“

Kim spielt souverän und verleiht dem vielschichtig aufgefächerten Klaviersatz große Durchsichtigkeit, wobei ihm sein höchst differenziertes Anschlagsvermögen zugute kommt. Lyrisch verträumte Piano-Passagen kontrastieren wirkungsvoll zu heftig erregten Episoden. „Es sind prächtige Stücke, schön und interessant zu spielen“, urteilte Theodor Billroth, ein Freund von Brahms. Diese Meinung teilten auch die zahlreichen Konzertgäste in der Pause.

Es geht richtig zur Sache

Im zweiten Teil „geht es richtig zur Sache“ – mit der Sonate Nr.1 d-Moll op. 28 des „letzten Romantikers“ Sergej Rachmaninow (1873 bis 1943). Während die Brahmsstücke ohne zur Schau gestellte Bravour auskommen, brilliert Honggi Kim bei dieser Sonate mit einem auf Lisztsche Klangentfaltung angelegten Klangrausch. „Ich möchte nicht Nachbar von Kim sein, wenn dieser nebenan den heftigen Rachmaninow übt“, hört man neben viel Begeisterung nach dem Konzert...

„Welche Rolle spielt bei ihrem Spiel eine programmatische Vorlage?“, wird Kim gefragt. „Ein Programm vermag für mich durchaus Inspiration zu sein, wenn ich mir beim Spiel die Personen in den einzelnen Sätzen vorstelle: Faust, Gretchen, Mephisto.“ Und so besitzt sein Spiel hohe Suggestivkraft. Zudem besticht wieder die unglaubliche Virtuosität des Jungstars. Spontan erhebt sich das Publikum, spendet begeistert Beifall.

Nach dem Faust-Drama besänftigt Kim die Herzen mit zwei Schubert-Zugaben...