Weihnachtsbäume müssen ab 2028 umweltgerecht angebaut werden

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Was wir bereits wissen
Das träfe die Produzenten hart: Ab 2028 dürfen Weihnachtsbäume im Wald nur noch umweltverträglich angebaut werden. Jetzt forschen die Produzenten mit der Landwirtschaftskammer.

Dörnholthausen..  Es war ein kleines Gipfeltreffen. Im Betrieb von Eberhard Hennecke trafen sich gestern Politiker, Weihnachtsbaumproduzenten, Zertifizierer, Forscher und landwirtschaftliche Praktiker. Das Thema dieser Parteien ist schon seit einigen Jahren das immer gleiche: Das neue Landesforstgesetz von 2013 und die Auswirkungen auf die Branche der Weihnachtsbaumlieferanten. Zur Debatte steht dabei, dass das Gesetz ab 2028 im Wald nur noch umweltverträglichen Anbau toleriert. Die Crux: Anbauer über 2 ha Waldfläche müssen sich 2016 entscheiden.

„Die Zeit drängt“, sieht Eberhard Hennecke, der Sprecher der Produzenten. In NRW sind dies 600, davon sind die größten im Verband organisiert. Landesweit werden etwa 40 Prozent der Weihnachtsbäume im Wald angebaut, 60 Prozent auf Ackerflächen. Im Sauerland ist das Verhältnis aber oft ein anderes: „Bei mir sind es 80 Prozent im Wald“, sagt Hennecke.

Versuche seit Frühjahr 2014

Und so wurden die Produzenten tätig: Zusammen mit der Landwirtschaftskammer in Meschede machte man sich ab Frühjahr 2014 mit sechs Versuchsflächen auf den Weg: „Die liegen auf völlig neuen Flächen, aber auch in bisherigen Beständen, um alle Gegebenheiten zu testen“, berichtet Hubert Stratmann von der Kammer. Untersucht wird neben umweltverträgliche Anbauweisen auch die Untersaat in den Anbaugassen. Aber es geht natürlich auch um den geringeren Einsatz von Pflanzenschutz- oder Düngemitteln: „Wir haben den Einfluss der Parameter auf den Baum und seine Endqualität im Blick“, so Christof Köhler (Landwirtschaftskammer).

„Wir rechnen mit zehn Jahren für einen Baum. Also hätten wir schon gern die Ergebnisse, die uns zum Endprodukt erst in neun Jahren vorliegen werden. Entscheiden müssen wir uns aber schon im kommenden Jahr“, zeigt Eberhard Hennecke die Crux auf.

„Wir sind auf einem guten Weg“, hielt gestern die forstpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Annette Watermann-Krass (MdL aus Ahlen), nach dem Gipfel fest. Und auch der heimische MdB Dirk Wiese fand: „Umwelt und Wirtschaftlichkeit sind auf einem guten Weg.“ Beschäftigt hat sich der Dresdner Wissenschaftler Prof. Andreas Bitter mit der Zertifizierung solcher Umweltstandards. Im Rahmen seiner Studie zum Hochwald hat er den Weihnachtsbaum integriert und ein mögliches Szenario für eine PECF-Label entworfen (siehe Infobox). Diesen Standard hat inzwischen der Dt. Zertifizierungsrat verabschiedet: „Jetzt muss aber noch die EU-Kommission zustimmen“, zeigt Eberhard Hennecke auf, dass noch immer einiges offen ist. Preislich wird sich wohl nichts ändern: „Die Produzenten in Schottland, Polen oder in der Bretagne stehen bereit“, sagt Georg Feldmann-Schütte aus Heringhausen zum Preisdruck.

In der kommenden Woche will der Produzenten-Verband seine Mitglieder über die ersten Ergebnisse informieren und abfragen, wie man zu den einzelnen Standards steht.