Von der Leidenschaft auf dem Land

Matthias Berghoff will die Stadtgalerie von Sundern wieder in die Oberliga befördern.
Matthias Berghoff will die Stadtgalerie von Sundern wieder in die Oberliga befördern.
Foto: Andreas Thiemann
Was wir bereits wissen
Es war einmal eine Zeit, da parkten die Luxuskarossen von Rolls Royce bis Jaguar rund um die Stadtgalerie von Sundern.

Sundern.. Es war einmal eine Zeit, da parkten die Luxuskarossen von Rolls Royce bis Jaguar rund um die Stadtgalerie von Sundern. Und ihre Besitzer, die sich standesgemäß mit dem Chauffeur von Sylt, München oder Düsseldorf ins Sauerland hatten bringen lassen, waren die Gäste wahrlich illustrer Ausstellungen. Denn hier konnten Künstler von unbedingtem Weltrang begutachtet werden: Georg Baselitz, Richard Serra, Jörg Immendorff oder auch A. R. Penck. Dann aber zog sich der ebenso kunstsinnige wie großzügige Mäzen zurück, und die Stadtgalerie verfiel über sieben Jahre hinweg in einen mehr oder weniger tiefen Dornröschenschlaf.

Kunst Aus dem es inzwischen jedoch wieder ein durchaus hoffnungsfrohes, allmähliches Erwachen gibt. Verantwortlich dafür zeichnet der Kunstverein Sundern, der sich vor drei Jahren mit 13 ehrgeizigen Kulturfreunden gründete und der inzwischen auf mehr als 100 Mitglieder angewachsen ist.

Arnsberg dient als Vorbild

„Unser Ziel ist es, wieder in der oberen Liga zu spielen“, sagt Matthias Berghoff, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins. Berghoff kann sich noch sehr lebendig an die „gute, alte Zeit“ erinnern. Damals übernahm er als Pennäler bei den Vernissage-Partys einen Kellnerjob und erlebte auf diese Weise große Kunst und ebensolche Gesellschaft aus nächster Nähe.

Mit zwei Ausstellungen pro Jahr will der Kunstverein seriös und Schritt für Schritt die Stadtgalerie Sundern wieder auf die nationale Beachtungsebene zurückführen. Nicht zuletzt der rührige Arnsberger Kunstverein dient als Vorbild.

Kultur „Wir profitieren vom guten Mittelstand“, umreißt Matthias Berghoff das finanziell mögliche Engagement, und er fügt sogleich hinzu: „Es geht aber nur mit viel Enthusiasmus aller Beteiligten. “ Dazu gehören nicht nur die Vereinsmitglieder und andere Unterstützer, sondern natürlich auch die Künstler. Gerade wurde eine Ausstellung mit dem international renommierten Fotografen Boris Becker abgeschlossen, und schon laufen die Planungen für die nächste Schau im Herbst. Es sei nicht einfach, aber eben auch nicht unmöglich, bekannte Namen nach Sundern zu holen, erzählt Matthias Berghoff. „Man spürt auf dem Land die Leidenschaft“, das überrascht alle, die sich, von den vermeintlichen Kunst-Metropolen kommend, darauf einlassen.

Ein Festival im Reitstall

Berghoff brennt förmlich vor Eifer, wenn es um die Kunst in der Provinz geht, und so hat er neben seinen Aktivitäten für den heimischen Kunstverein auch noch ein kleines Festival buchstäblich aus der eigenen Scholle gestampft. Soll heißen, im Reitstall der Familie Berghoff im idyllischen Sundern-Dörnholthausen, findet jetzt bereits zum dritten Mal die Veranstaltungsreihe „Kultur rockt“ statt.

In Zusammenarbeit mit dem Kunstverein und dem Kulturbüro von Sundern werden in einem leer geräumten Pferdestall vom 8. bis 12. Juli Musik, Literatur, Schauspiel, Bildende Kunst und auch Kulinarisches im buchstäblich schmackhaften Wechsel geboten: Das Trio Bern Brody & Rodach kommt zum Jazzkonzert, der Maler Christian Awe präsentiert eine Auswahl seiner Arbeiten, der Schriftsteller Thomas Meyer hält eine Lesung, es gibt ein Künstlergespräch mit dem Schauspieler Tom Schilling, ein Klavierkonzert mit Alexander Krichel, einen Violinabend mit Olga Volkowa und sogar ein eigenes Kinderprogramm. „Es soll bei uns einfach etwas hipper werden“, meint Matthias Berghoff - und tatsächlich stehen die (Kultur)-Zeichen deutlich auf Zukunft.