Das aktuelle Wetter Sundern 10°C
Kunstrasen-Finanzierung

Vereine: Mehrbelastung untragbar

04.03.2010 | 18:33 Uhr

Sundern. „Dem TuS Hachen droht die Zahlungsunfähigkeit” — schreibt der Vorstand des Sportvereins in einem Brief. Was ist passiert? Die Stadtverwaltung hat vier Sportvereine darüber informiert, dass der Zuschuss für den Bau der Kunstrasenplätze gestreckt werden soll.

Zugesagt war, die 150.000 Euro in sechs Raten zu zahlen. Jetzt will sich die Stadt Sundern Zeit bis 2019 nehmen und die Jahresraten entsprechend verringern. Begründung: die miserablen städtischen Finanzen.

Streichen, Strecken, Mehreinnahmen suchen - im Rathaus und in den Fachausschüssen wird versucht, die Millionen-Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben etwas zu verkleinern.

Das betrifft auch die Sportförderung. Am Dienstag traf sich der entsprechende Arbeitskreis und diskutierte unter anderem über die Kunstrasen-Zuschüsse.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Schule, Sport und Kultur, Günter Martin (CDU), berichtete der WR über das Ergebnis: Die Vereine (TuS Hachen, SSV Allendorf, SSV Stockum und SuS Westenfeld) können mit dem zugesagten Zuschuss von 150 000 Euro rechnen. Nur werden die Raten verändert.

Das wird für die Vereine aber teuer, rechnete der TuS Hachen für sich aus. Die Deckungslücke bedeutet „einen zusätzlichen Aufwand von 45 000 Euro, zuzüglich der zusätzlichen Zinsaufwendungen von 15 385 Euro ohne Zinseszins bis 2016”, schreibt Kassierer Frank Liedtke.

Auch die Stockumer haben die Taschenrechner gezückt. SSV-Vorsitzender Martin Bergmann kommt für seinen Verein auf eine Mehrbelastung von 16.500 Euro. Und so eine Summe außerplanmäßig aufzufangen, das „kann ein Sportverein in der Größe von Stockum gar nicht leisten”.

Günter Martin hat auch gerechnet und kommt auf eine Mehrbelastung für die Vereine von je rund 13.000 Euro — Zins und Zinseszins. Eine Belastung, die vertretbar sei.

Die geplante Veränderung muss noch von dritter Seite mitgetragen werden: von den Kreditgebern. Die Vereine haben mit ihren Geldhäusern Darlehnsverträge auf Grundlage der bisherigen städtischen Raten mit festen Laufzeiten abgeschlossen, erklärt Martin Bergmann und setzt hinzu, dieser Vertrag sei abgeschlossen worden „auf Basis der Zusage von Bürgermeister Wolf”

Auf die Frage der WR, ob die Politik bei den Vereinen nicht im Wort sei, die Zuschüsse wie zugesagt in voller Höhe bis 2016 zu zahlen antwortet Günter Martin entscheiden: „überhaupt nicht”.

Der CDU-Politiker begründet diese Aussage mit dem Hinweis, dass die Zuschüsse — mündlich sowie schriftlich — mit dem Hinweis „unter Haushaltsvorbehalt” versehen waren. Außerdem sei in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder über die schlechte Finanzlage der Kommunen berichtet worden. Da müsse jedem klar sein, dass überall gespart werden muss.

Auf die neue Situaton haben sich die Allendorfer noch nicht einstellen können. Jörg Gerke, Vorsitzender des SSV Allendorf, erklärte auf Nachfrage, der Vorstand müsse den städtischen Vorschlag erst einmal durchkalkulieren.

„Wir sind enttäuscht.”, sagt Rolf Zappe, Vorsitzender des SuS Westenfeld, „Ich kann es nicht nachvollziehen”, wundert er sich über den Vorstoß, denn diese geringen Beträge, die auf spätere Jahre verschoben werden sollen, könnten „die Finanzen der Stadt nicht retten”. Die Westenfelder werden nicht resignieren — nur neu kalkulieren. Ihr Platz ist der einzige, der noch gebaut werden muss. Das passiert sobald das Wetter die Arbeiten zulässt. Die Aufträge sind schon vergeben, berichtet Zappe.

„Es ist klar, dass die Vereine enttäuscht sind”, zeigt Günter Martin Verständnis und setzt hinzu, dass die Streckung der Zuschüsse bis 2019 nur eine Empfehlung (der Verwaltung) und noch nicht beschlossen sei.

Wie die Politik damit umgeht, wird sich in der Sitzung des Ausschusses für Schule, Sport und Kultur am kommenden Mittwoch (Beginn 17.30 Uhr) zeigen. Dort wird die Empfehlung für den Rat beraten. Dass Ausschuss und Rat nicht zu den alten Modalitäten zurückkehren, ist aus den Worten des erfahrenen Kommunalpolitikers herauszuhören.

Die Zeit bis zur Sitzung nutzen Vorstandsmitglieder der vier Vereine. Sie setzen sich jetzt zusammen, um eine gemeinsame Lösung zu finden, die sie dem Ausschuss präsentieren wollen.

Wie auch immer die Entscheidung aussieht, Günter Martin bietet den Vereinen an, in ihre Versammlungen zu kommen, um die Hintergründe darzustellen. Denn: „Wir werden noch unpopulärere Maßnahmen treffen müssen”. Und die Solidargemeinschaft einer Stadt erfordere, dass kein Bereich ausgenommen werden dürfe.

Der TuS Hachen hat seine Hintergründe in einer Nachtsitzung schon ergründet und kommt zu dem Schluss, dass er „seiner Verpflichtung zur Zahlung der Zins- und Tilgungsrate nicht mehr nachkommen könnte”, wenn der Zuschuss bis 2019 gestreckt wird.

Sollte der Rat die Streckung der Zuschüsse beschließen, „sieht sich der derzeitige geschäftsführende Vorstand des TuS Hachen nicht mehr in der Lage, die Amtsgeschäfte fortzuführen und würde mit Wirkung der Jahreshauptversammlung 2010 von seinen Ämtern zurücktreten”.

Sabine Metzler

Facebook
 
Kommentare
08.03.2010
20:02
Vereine: Mehrbelastung untragbar
von Politiker nicht leiden könner | #2

toll toll was sich die Stadt da überlegt hat.Ich weiss wer meine Stimme und die vieler Hachener nicht bekommt.

05.03.2010
09:52
Vereine: Mehrbelastung untragbar
von juti52 | #1

Wer sich einen Kunstrasen leisten will muss auch das Geld dafür haben. Ohne Moos nix los.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2678278/create

Aktuelle Fotos und Videos
Schützenfest in Enkhausen
Bildgalerie
Peter Brands regiert
Unwetter über Sundern-Amecke
Bildgalerie
Unwetter
Arnsberger Woche 2012
Bildgalerie
Fest
Reitturnier in Hellefeld III
Bildgalerie
Reiten
Aus dem Ressort
Mr. Bürgerbus mit neuem Coup
Bürgerbus
Der Bürgerbus fährt nun zwei Mal im Monat zum Neuenrader Gartenbaucenter.
Nachfolger für Luca gesucht
Kinderschützenfest
Bevor die Großen Anfang Juli zu ihrem Recht kommen, suchen die Kleinen am Samstag ihren König.