Teutopolis trifft Weninghausen

St. Francis of Assisi Kirche im amerikanischen Teutopolis, gebaut von einem Weninghausener.
St. Francis of Assisi Kirche im amerikanischen Teutopolis, gebaut von einem Weninghausener.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
„Die Welt ist ein Dorf“ – so zumindest lautet eine häufig gebrauchte Redewendung. Auf den Tag genau heute vor 70 Jahren spielte sich im Weiler ­Weninghausen – zwischen Linnepe und Westenfeld gelegen – eine Geschichte ab, die den Beweis liefert.

Weninghausen/Teutopolis..  „Die Welt ist ein Dorf“ – so zumindest lautet eine häufig gebrauchte Redewendung. Auf den Tag genau heute vor 70 Jahren spielte sich im Weiler ­Weninghausen – zwischen Linnepe und Westenfeld gelegen – eine Geschichte ab, die den Beweis liefert:

Nazi-Deutschland liegt in den letzten Zügen, als am Morgen des 11. April 1945 ein kleiner Trupp US-Soldaten den winzigen Ort erreicht. Niemand leistet Widerstand, die GI’s entdecken auf dem Bauernhof der Familie Lohmann eine kleine Kapelle – und beschließen spontan, sich dort erst einmal häuslich niederzulassen. Als die „Amis“ einen Altarstein bei Seite rücken, um mehr Platz zum Schlafen zu bekommen, entdecken sie darunter zwei Karabiner und ein Jagdgewehr. „Partisanen!“, schießt es dem Offizier, der das Kommando hat, durch den Kopf. Während seine Männer die Karabiner unbrauchbar machen, stürmt er mit dem Jagddrilling ins Wohnhaus und stellt Bauer Lohmann zur Rede. Doch beim Betreten der guten Stube stockt dem Soldaten der Atem: An der Wand hängen zwei gerahmte Bilder ­großer Kirchen, die ihm irgendwie sehr vertraut sind...

In Teutopolis stehen diese Gotteshäuser, wie sich wenig später her­ausstellt – Teutopolis, Illinois, ein Städtchen, dass es in den Vereinigten Staaten nur einmal gibt, und in dem der US-Offizier daheim ist!

Doch warum hängen Bilder nordamerikanischer Kirchen in einem Wohnzimmer im Sauerland?

Bischof in Illinois

Pastor Franz Lohmann hat an der Erbauung mitgewirkt, klärt der Hausherr seinen Gast auf. Ein Urahn, den es im 19. Jahrhundert nach Übersee zog: Geboren 1837 in Weninghausen, wurde er später in Paderborn zum Priester geweiht. Die kleine Hofkapelle, in der nun die Amis untergeschlüpft waren, hatte er während seiner Studienzeit in den 1850er Jahren restauriert. Da es damals in der Diözese mehr Priesteramtsanwärter als Pfarrstellen gab (!), nahm Pastor Franz 1864 das Angebot eines US-Bischofs an und wanderte nach Teutopolis aus, das – wie der Name schon sagt – 1839 von deutschen Auswanderern gegründet worden war. Im Bundesstaat Illinois wurde Lohmann später selbst Bischof – und wirkte als Kirchenbauherr. Er starb 1903 im benachbarten Damiansville.

Vergessen war der Waffenfund: Aus Respekt vor dem frommen Verwandten des Hofbesitzers scheuchte der Offizier seine Truppe aus der Kapelle und ließ die Männer in einer Scheune übernachten. Das kleine Weninghausener ­Gotteshaus stellte er unter seinen persönlichen Schutz.

Eine unglaubliche Geschichte – die sich wirklich so zugetragen hat, wie der Werler Fotografenmeister Helmuth Euler versichert. Und er muss es wissen – ist er doch ebenfalls ein Verwandter!

„Ich bin der Ur-Ur-Neffe von ­Pastor Franz Lohmann“, erklärt Euler, dessen Großvater Josef Lohmann ebenfalls noch in Weninghausen geboren ist. Später zog er nach Werl, wurde Kaufmann und betrieb in der Marienstadt einen Kolonialwarenhandel. Helmuth Euler hat sich als Dokumentarfilmer einen Namen gemacht, schrieb zahlreiche heimatgeschichtliche Bücher und recherchiert derzeit die Geschichte der Werler Wallfahrt im Sauerland.

Und die Kapelle? Zweimal jährlich wird bis heute Patronatsfest gefeiert – die Glocke ertönt drei Mal am Tag...