Pfarrer Jochen Prunzel rät der Gemeinde: „Geht neue Wege!“

Langscheid..  30 Minuten vor dem Abschiedsgottesdienst für Jochen Prunzel am Sonntag in der Markuskirche strömen die Menschen herein. Sie alle wollen dabei sein, wenn der beliebte Pfarrer nach über 20 Dienstjahren am Sorpesee seine letzte Predigt hält. „Jochen Prunzel ist ein feiner Kerl“, sagt Horst Kriegel aus Sundern, „er predigt einmalig aus dem Stegreif und macht Musik mit seiner Gitarre - da kann man in die Kirche gehen.“ Annegret Kaiser aus Hachen ergänzt: „Er war immer für uns da, man konnte ihn immer ansprechen“. Und Fiona Siebeck, die Jochen Prunzel vor zwei Jahren konfirmiert hat, erinnert sich an den gut gestalteten Unterricht. Erika Schmalenbach, ehemalige Presbyterin und Küsterin: „Da geht einem richtig das Herz auf, aber wenn man weiter denkt, nicht.“ Sie spricht die zwei Stimmungen aus, die an diesem Sonntag aufgenommen werden. Martin Vogt, ab 1. Februar der einzige evangelische Pfarrer in Sundern, benennt die zwiespältigen Gefühle: „Wir sind traurig, weil einer geht, mit dem wir lange intensiv zusammengearbeitet haben. Wir sind aber auch dankbar für all das, was gemeinsam geschaffen wurde.“

Viele Fragen zur Zukunft

Viele bewegt die Frage: Wie wird es weitergehen? Jochen Prunzel ging auf die Zukunftssorgen ein. Er predigte - wie gewohnt frei, mit ansprechender Gestik und mit kräftiger Stimme - über die Jünger, die mit Jesus auf einen Berg steigen, wo ihnen Mose und Elia begegnen. Bei diesen Kronzeugen für Wahrung der Tradition fühlen sie sich zu Hause und wollen dort drei Hütten bauen. Aber Jesus sagt: „Baut keine Hütten!“ Jochen Prunzel forderte von der Gemeinde, nicht verklärend zurück zu schauen, sondern mit Mut, Glauben und Zuversicht weiterzugehen. „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche sondern das Weiterleiten des Feuers. Also nicht: Hütten bauen, die das Alte bewahren, sondern neue Wege wagen“.

So wie er, der den Weg ins Oldenburgische Land wagt. Er wird dort Pfarrer in der Gemeinde Friesoythe. In Langscheid sei er nach seinen Ausbildungsjahren in Warstein, als Theologe und Pfarrer erwachsen geworden. „Ihr habt mich getragen in schweren Zeiten und euch mir anvertraut.“ Dafür dankte er allen.

Superintendent Alfred Hammer nannte Prunzel einen „berufenen Rufer, der in der Gemeinde Gott ins Spiel gebracht und andere ermutigt habe, die gute Nachricht weiterzusagen“. Hammer, Vogt und die Langscheider Presbyter gaben Jochen Prunzel Segensworte mit.

Ein toller Typ

Der Vorsitzende des Presbyteriums Roland Harpeng, stellv. Bürgermeister Jürgen ter Braak, Ortsvorsteher Michael Pellmann, Pfarrer Michael Schmitt und Stadtbrandmeister Peter Risse dankten Jochen Prunzel für sein segensreichen Wirken in der kirchlichen und politischen Gemeinde. Das Team des Lukas-Familienzentrums fasste alles zusammen in der Aussage: „Du, Jochen, bist ein toller Typ“. Musikalisch mitgestaltet wurde der Festgottesdienst vom Chor Cantando, vom Frauensingekreis und dem Kinderchor der Antonius-Grundschule.