„Nelliusstraße – das geht nicht mehr“

Arnsbergs Stadtarchivar Michael Gosmann (links) und
Arnsbergs Stadtarchivar Michael Gosmann (links) und
Foto: WP

Sundern..  „Nellius war aktiver Judenfeind!“ So lautet das Fazit einer neuen Darstellung und Dokumentation im Verlauf der aktuellen Straßen­namendebatte in Hachen. Vorgelegt von Peter Bürger und Werner Neuhaus – in Zusammenarbeit mit Arnsbergs Stadtarchivar Michael Gosmann – liefert die rund 120 Seiten starke Studie neueste Erkenntnisse zum „völkischen und nationalsozialistischen Kulturschaffen, zur antisemitischen Musikpolitik sowie zur Entnazifizierung des Rumbeckers Georg Nellius (1891 bis 1952).

Verzicht auf Bürgerbegehren?

Am Mittwochmorgen wurde diese Dokumentation im Sunderner Rathaus vorgestellt, bereits tags zuvor ­hatten die Initiatoren der „Bürgerinitiative für den Erhalt der Nellius­straße“ ein Exemplar erhalten. Wie berichtet, hat die BI über 2600 Unterschriften gesammelt und ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht, über das der Rat der Stadt Sundern am Donnerstag, 6. Februar, entscheiden wird.

Das neue historische Gutachten enthalte u.a. Dokumente zur Judenfeindschaft des „Musikfunktionärs Nellius“, die bislang noch gar nicht bekannt waren, so die Autoren. „Wir rechnen damit, dass die Bürgerinitiative nach der Lektüre nicht mehr auf ein Bürgerbegehren besteht“, sagt Peter Bürger, der das Christine-Koch-Mundartarchiv in Eslohe ehrenamtlich betreut. Nach einer er­sten Veröffentlichung aus diesem Archiv über Nellius reifte in Sundern der politische Wille zur Straßenumbenennung.

Ob die Bürgerinitiative tatsächlich nachgibt, ist jedoch offen. „Wir müssen uns zunächst richtig in die neue Dokumentation einlesen“, sagte gestern Ulrich Lübke im Gespräch mit unserer Zeitung. Man werde aber zeitnah ein offizielles Statement abgeben, so der Anwohner der Nelliusstraße weiter.

„Ich habe Fehler gemacht“, räumt Peter Bürger ein – die Kritik der Bürgerinitiative an seiner er­sten Arbeit sei berechtigt. „Das war wirklich noch keine gute Expertise. Ich habe auch zu sehr dem unstimmigen Bild einer Doktorarbeit von 1991 vertraut, so der Forscher.

Doch das Informationsbedürfnis der Straßenbewohner habe ihn sowie Werner Neuhaus (Mitglied im Heimatbund Sundern) und Michael Gosmann aufgerüttelt: Nach intensivem Einblick in die Archive zieht das Trio ein deutliches Fazit: „Das Ergebnis unserer Arbeit ist so schlimm, dass wir mit Bestimmtheit sagen müssen: Eine Nellius­straße – das geht einfach nicht mehr!“ Und den Anwohnern der Nelliusstraße sagt Peter Bürger:

„Die Bürgerinitiative hat geackert. Wir haben uns auch die Nächte um die Ohren geschlagen. Wir brauchen uns jetzt nicht wie Streithähne zu fetzen.“ Man könne über das traurige Ergebnis ja auch gemeinsam traurig sein.