Nach dem Atomkrieg 17 Jahre Dosenfutter
04.05.2008 | 12:30 Uhr 2008-05-04T12:30:00+0200Allendorf. (max) Fast die gesamte Menschheit wird bei einem Atomkrieg vernichtet. Nur ein paar überleben. Verwundet haben sie sich in ein Armeelager gerettet. ...
... Der Kulturtrichter und das Theater-ensemble Sieben haben Freitagabend in der Alten Molkerei Edward Bonds "Konservendosenmenschen" gespielt.
Seit 17 Jahren lebt die kleine Gruppe Überlebender von unzähligen Konservendosen. Niemand weiß, ob es sonst noch Menschen auf der Welt gibt - bis ein Mann, von den Strapazen einer langen Odyssee gekennzeichnet, zur Gruppe hinzustößt. Doch statt Freude über den Neuankömmling setzen Unruhe, Rivalität und Missgunst ein. Die Todesfälle häufen sich. Der Schuldige ist schnell gefunden: Es muss der Neue sein. Die anderen fassen den Entschluss, ihn umzubringen. Aber wie sollen sie den Neuen am besten ermorden? Oder ist er die letzte Hoffnung und kann als einziger Mann für Nachwuchs sorgen? Am Ende siegt die Hoffnung - das tatsächliche Ende bleibt offen.
Ebenso verschwommen die Stimmung, die die Theatergruppe zu vermitteln suchte. Untermalt von psychedelischer Musik und schwer zu definierenden Klängen wirkte gerade die Unsicherheit der Handlung, welcher die Schauspieler um Peter Jagoda Raum ließen, besonders bedrohlich. Einige Charaktere haben einen realistischen Zugang zur Welt, andere wirken depressiv und gleichgültig, wieder andere sind verrückt geworden.
Beeindruckend war die Darstellung der menschlichen Abgründe: Trotz der nach Zusammenhalt schreienden Not verhalten sich die Menschen vorerst nicht verantwortungsvoller als vor dem Krieg. Die Stimmung schwankt zwischen Hoffnung, Resignation und Wut auf den Neuen. An ihm lassen sie ihre Emotionen aus, konstruieren absurde Verschwörungsszenarien und kommen zu dem Schluss, dass sie Auserwählte seien.
Immer wieder unterstützten Filme die Handlung auf der Bühne. Das Konzept der Einbindung des Mediums Film ins Live-Schauspiel kam beim Publikum gut an: Minutenlanger Applaus war der Lohn für eine Aufführung, die unter die Haut ging.Der Atomkrieg hat beinahe die gesamte Menschheit vernichtet. Die wenigen Überlebenden ernähren sich aus Dosen. Foto: max
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