„Kaffee statt Knöllchen“ verteilt

Der Bundesverband Motorradfahrer und die „Kilometerfresser“ sind bei schönstem Motorradwetter zur Aktion „Kaffee statt Knöllchen“ auf die Hellefelder Höhe gekommen – und haben „gute Gespräche“ geführt.
Der Bundesverband Motorradfahrer und die „Kilometerfresser“ sind bei schönstem Motorradwetter zur Aktion „Kaffee statt Knöllchen“ auf die Hellefelder Höhe gekommen – und haben „gute Gespräche“ geführt.
Foto: WP

Sundern..  Da stehen sie in der Kurve und warten auf Sanitäter und Abschleppwagen. Eine Gruppe von Motorradfahrern im Alter zwischen 20 und 25 Jahren hat es am Samstagnachmittag die Hellefelder Höhe nicht hinauf geschafft; in einer scharfen Linkskurve rutschte ein 23-jähriger Fahrer in den Straßengraben. Wäre die Gruppe ein paar Meter weitergekommen, ­hätten die Fahrer vielleicht einige gute Gespräche führen können: An der Einfahrt zum Kompostwerk suchten der Bundesverband Motorradfahrer und die „Kilometerfresser“ bei schönstem Motorradwetter bei der Aktion „Kaffee statt Knöllchen“ das Gespräch.

Dass die Hellefelder Höhe eine Traumstrecke für Biker ist, kann man auch in der jüngsten Ausgabe der „Road Map“ fürs Sauerland nachlesen. Zeitgleich mit Erscheinen des Magazins wurde der Ochsenkopf für Biker gesperrt. „Natürlich sind nun viele auf die Helle­felder Höhe ausgewichen“, erklärt Michael Wilczynski vom Bundesverband der Motorradfahrer. „Mit unserer Aktion hier wollen wir das Gespräch mit Anwohnern und Bikern suchen, um beiderseits die Extreme rauszunehmen.“ Auch ihm und seinem Mitveranstalter Carsten Jankowski vom Vorstandsteam der „Kilometerfresser“ ist es ein Dorn im Auge, wenn Biker mit 50 im zweiten Gang durch Ortschaften knattern oder mit Helmkamera ihre neuen Bestzeiten auf der Hellefelder Höhe für YouTube dokumentieren. „Wer so fährt, hat ein persönliches Problem“, sind sich beide Fahrer einig. „Wir wollen nicht, dass es durch Fehlverhalten Einzelner letztlich zu Maßnahmen wie Streckensperrung kommt, die auch für vernünftige Fahrer schwere Konsequenzen haben.“

„Die Sorpe ist für mich tot.“ Zu diesem harten Urteil kommt ein „Kaffee-statt-Knöllchen“-Besucher aus Bochum; Grund: Die kostenpflichtigen Parkplätze für Biker. „Das ist für mich reine Abzocke. Wenn die nur noch ein Schicki-Micki-Publikum haben wollen, werden sich manche Gastronomen dort noch schwer umgucken. An unserem Umsatz haben die nämlich ganz gut verdient.“

500 bis 600 Biker pro Tag

„Die Bezahl-Parkplätze waren aber auch eine Reaktion auf Fahrer, die Gehwege zugeparkt haben“, macht Jens Kunen aufmerksam. Er arbeitet bei der Interessengemeinschaft (IG) Motorradlärm mit – und will bei Weitem nicht alle Fahrer über einen Kamm scheren: „Ich bin gegen Streckensperrungen. Vorher kann man eine Vielzahl von anderen Ansätzen ausprobieren. Zum Beispiel eine einseitige Sperrung, damit die Fahrer nicht gleich wieder umdrehen und ihr Glück noch mal versuchen.“ Er wohnt in Hellefeld und erlebt mit eigenen Ohren, was es bedeutet, wenn pro Tag zwischen 500 und 600 Biker die Ortschaft passieren: „Früher war die Spitze ganz klar zwischen 14 und 18 Uhr“, erzählt er. „Inzwischen aber warten die, die vermeintliche Sportqualitäten ausfahren wollen, bis hier weniger los ist, also auch in der Woche abends bis 22 Uhr.“

Die montierten Rüttelstreifen findet Wilczynski wenig effektiv: „Beim Drüberfahren merkt man auf dem Motorrad eigentlich relativ wenig. Das ist höchstens sinnvoll als Alarmsignal, dass jetzt die nächste Kurve kommt.“

Die Gespräche bei „Kaffee statt Knöllchen“ jedenfalls laufen rund. „Ich bin mit schlechtem Bauchgefühl gekommen“, sagt Biker Wolfgang aus dem „Pott“. „Ich dachte, bei der IG Motorradlärm sitzen nur renitente Rentner. Aber mit denen kann man gut reden, und ich begrüße, dass die auch gegen Streckensperrungen sind.“ Nur leider bleiben die Biker mit den guten Absichten Samstag weitgehend unter sich. „Das ist unser Problem“, sagt Jankowski: „Die, über die wir hier reden, sind nicht organisiert.“