Heimisches Holz noch gefragt

Hellefeld/Linnepe..  Stets verfügbar sein – das ist unsere Welt. So ist es auch im Wald. Egal, ob der Rohstoff für Möbel aus Weißrussland, Finnland oder Sibirien kommt. Möglichst sofort und möglichst günstig. Das sind die Vorteile. „Und dabei sieht Produkten in den Möbelgroßmärkten oft noch nicht einmal an, dass sie Holz enthalten“, wundert sich Förster Henning Fleßner (33), der die Forstbetriebsgemeinschaft ­Hellefeld betreut.

Im „Alten Testament“ gibt es noch einen Produktionsring, der auch die Nachhaltigkeit berücksichtigt, und so ganz anders als der übrige Markt funktioniert.

Hinauf zur Hellefelder Höhe

Mit dem Försterauto geht es hinauf zur Hellefelder Höhe und dann tief in den Wald: „Das ist unser Wald“, zeigt Magnus Lohmann auf einen Buchenbestand. Der Vorsitzende der FBG Hellefeld ist stolz darauf, denn die Bäume sind gut 140 Jahre alt. An einem schlank gewachsenen Baum kann Lohmann gut erklären, was er benötigt und was nicht: „Nur die Bäume mit den geraden Stämmen und einer sehr hohen Krone sind optimal zu verwerten. Diese Bäume muss man hegen und pflegen.“ Anders als in anderen Produktionen setzt die Forstwirtschaft auf lange Zeiten: „Ich leben im Vergleich zum Baum nur kurz. Die, die nach mir kommen, müssen diese Arbeit weiter machen“, berichtet Lohmann. Der Land- und Forstwirt hofft, dass das Wetter in unseren Breitengraden so bleibt, um die Buche weiter anbauen zu können.. Die Qualität im Boden und in der Luft sei gut.

Um die Qualität des Produktes zu halten, erhält Lohmann, wie auch andere Forstgenossen, Unterstützung vom landeseigenen Betrieb Wald und Holz – in Hellefeld durch Henning Fleßner. „Es wird hier nicht mehr Holz genutzt als nach wächst“, zeigt er eine der Prämissen der FBG Hellefeld auf. „Die breite Öffentlichkeit empfindet dies nicht so“, weiß er auch. Der Förster sucht für die Genossen den Markt: „Im Herbst wird der Einschlag in der FBG bestimmt, im Winter und Frühjahr wird es dann umgesetzt.“

Entscheidend ist für Fleßner in solchen Lagen wie an der Hellefelder Höhe: „Dass wir nur kleine Maßnahmen umsetzen, damit der Kronen- und Wurzelraum des Bestandes verbessert wird.“ Wichtig ist es, den im Betriebsplan ausgewiesenen Zieldurchmesser zu erreichen: „Bei den Buchen sind das 65 Zentimeter in Brusthöhe“, weiß Magnus Lohmann. Wichtig für die Nachhaltigkeit ist aber auch, dass jährlich in die Nachpflanzung investiert wird.

Frühzeitige Kunden-Akquise

Schon im Vorfeld des Einschlags bemüht sich Fleßner, Kunden für das Holz zu finden: Für die langfaserigen Strukturen ohne Äste finden sich immer Abnehmer, dieses Sahnestück lässt sich gut vermarkten, etwa als Holz für Fußbodendielen oder Möbel. Darunter kann das Holz für Spanplatte, Brennholz genutzt werden: „Buche ist ein gutes Brennholz, denn es ist ein CO2-neutraler Brennstoff“, informiert Lohmann. Das sei auch der große Unterschied zu fossilen Baustoffen wie Ton, Stein oder Stahl.

Einer, der direkt bei der FBG sein Holz kauft, ist der Hellefelder Manfred Klüppel. Der gelernte Tischlermeister hat sich vor 13 Jahren selbständig gemacht. In einer alten Firmenhalle an der Linneper Schützenhalle fertigt er alles, was gewünscht wird: „Treppen, Möbel wie Tische oder spezielle Einbauschränke, aber auch Fenster.“

Ähnlich wie Forstwirt Lohmann denkt auch Klüppel nachhaltig: „Die Bäume, die ich kaufe, lagern erst einige Jahre draußen, bevor sie in der Trockenkammer langsam getrocknet werden.“ Dann vergehen nochmal zwei bis drei Jahre. Da ist also nichts mit der schnellen Umsetzung eines Möbelwunsches: „Meine Kunden werden im Holzlager meistens fündig“, versichert der Meister. Im Angebot hat er Esche, Kirsche, Eiche, Buche und verschiedene Nusshölzer: „Fast nur einheimische Sorten, eher selten auch etwas Tropenholz.“

Der Hellefelder Tischlermeister hat allerdings trotz aller Baumärkte und Möbeldiscounter auch einen Trend zur Umkehr, zur Natürlichkeit entdeckt:

„Die Menschen wollen wieder Ast, und nicht nur das glatte, makellose Industrieholz.“ Einige suchen auch Tische mit Baumkante und Rinde, auch hier kann Klüppel dienen, aber er muss schon immer einige Jahre im Voraus denken. Und warum kauft er über das Forstamt vor der Haustür? „Ich habe es wachsen sehen“, berichtet Klüppel von seinen Spaziergängen im heimischen Raum, das ergebe eine ganz andere Verbundenheit zum Produkt. Außerdem seien kurze, schnelle Wege sehr ökologisch und natürlich auch günstiger, als wenn er das Holz im Schwarzwald oder anderswo kaufe.

Immer weniger kleine Tischlereien

Leider, so weiß Henning Fleßner, gehe die Zahl der kleinen Tischlerein und Schreinereien in der Region immer weiter zurück. Mit Magnus Lohmann und Manfred Klüppel habe er aber glücklicherweise noch zwei, die gut zusammen arbeiten, in seinem Bestand.

Info

Seit September 2013 ist der gebürtige Ostwestfale Henning Fleßner als Förster in Hellefeld ­tätig.

Nach dem Studium in Göttingen war er zunächst in Wesel tätig. Danach zog es ihn ins Ausland: „Ich habe dann drei Jahre bei der Landwirtschaftskammer Steiermark als Holzmarktreferent gearbeitet, berichtet der Förster.

Anschließend war Fleßner noch Dozent an der Forstlichen Ausbildungsstätte der Landwirtschaftskammer Steiermark.

Die FBG Hellefeld hat derzeit 120 Mitglieder.