Große Füße geben Halt

Antonius genannt Fickeltünnes in Allendorf
Antonius genannt Fickeltünnes in Allendorf
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Am heutigen 17. Januar feiert man in Altenhellefeld, Langscheid und Allendorf das Namensfest des jeweiligen Kirchenpatrons,des Hl. Antonius d. Einsiedler.

Allendorf/Altenhellefeld/Langscheid..  Am heutigen 17. Januar feiert man in Altenhellefeld, Langscheid und Allendorf das Namensfest des jeweiligen Kirchenpatrons, des Mönchsvater Antonius d. Einsiedler. Drei Ortsteile aus der Stadt Sundern verehren denselben Schutzpatron. Das dürfte auch bei anderen Kommunen Seltenheitswert haben. Antonius d. Einsiedler ist in näherer Nachbarschaft auch Kirchenpatron in Rönkhausen, Herdringen, Eisborn und Grevenstein.

Kurkölnische Interpretation

Im kurkölnischen Sauerland wird dieser populäre Heilige liebevoll-derb auch „Fickeltünnes“ genannt. „Fickel“ ist der plattdeutsche Begriff für „Schwein“ und „Tünnes“ ist unverkennbar ein umgangssprachliches Relikt aus kurkölnischer Zeit. Nikolaus (Hagen und Meinkenbracht), Sebastian (Hövel und Endorf) und Hubertus (Amecke und Stemel) sind Schutzpatrone in je zwei Ortsteilen.

Am Hochaltar in Allendorf ist der Heilige sakral-pastoral mit einem Schwein an der Seite dargestellt. Übrigens auch am kleinen Altar im alten Kirchenschiff. Hier ist der „alte“ Hochaltar aus Westenfeld mit der Darstellung des Hl. Antonius (mit Schwein) seit dem Neubau der Kirche in Westenfeld aufgestellt.

Neue Form in der Altstadt

In der Altstadt von Allendorf ist der Heilige völlig anders dargestellt. Die Versuchungen des Heiligen Antonius sind bei der lebensgroßen Bronzeskulptur das beherrschende Thema. Im weltbekannten Isenheimer Altar (Musee Unterlinden in Colmar) hat Matthias Grünewald dieses Thema eindrucksvoll aufgegriffen. Salvator Dali hat später die Versuchungen zeichnerisch dargestellt und in die Weltliteratur hat diese Thema auch Einzug gehalten.

In der Ortsmitte der Titularstadt wird Antonius als asketischer Mönch darstellt. Ein mittelalterlicher Harlekin auf dem Rücken des Schweines fixiert ihn, will ihn versuchten, verführen und manipulieren. Antonius scheint dabei einzuknicken. Er findet jedoch Halt an seinem „Tau-Kreuz“ und kann sich daran wieder aufrichten.

Uns soll diese Darstellung vor Augen führen, dass wir alle auch heute noch vielfältigen Versuchungen, Verführungen und Manipulationen ausgesetzt sind. Viel zu oft und unnötig geben wir nach. Antonius soll uns mit seiner Widerstandskraft Vorbild sein. Wenn belastbare Werte unser Leben bestimmen, dann ist es leichter, am Kreuz Halt zu finden und sich auch in schwierigen Situationen wieder aufzurichten. Nicht zuletzt deswegen hat die Skulptur des Antonius überdimensionale Füße; denn große Füße geben Halt.

Am Rande der Wüste gelebt

Verarbeitet ist darin ein Stück der Heiligen-Vitae: Antonius soll etwa 251 n. Chr. in Mittelägypten geboren sein, als Sohn christlicher Bauern. Erleuchtet zog er sich in eine Hütte, später an den Wüstenrand zurück. Der Name Fickeltünnes geht zurück auf den in der Nachfolge gegründeten Antoniter-Orden, dem war es gestattet ein Schwein zu halten, auf Kosten der Dorfgemeinschaft. In Bayern und Österreich ist Antonius auch als „Sautoni“ bekannt, im Norden als „Swinetünnes“.