Freiräume für Eltern schaffen

Wollen Freiräume für Familien schaffen: Diese ehrenamtlichen Familienhelfer bildet die Stadt Sundern derzeit in Zusammenarbeit mit der VHS für das Projekt "Die Schaukel" aus.
Wollen Freiräume für Familien schaffen: Diese ehrenamtlichen Familienhelfer bildet die Stadt Sundern derzeit in Zusammenarbeit mit der VHS für das Projekt "Die Schaukel" aus.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Kinder zu haben, ist schön. Aber Luxus ist es, auch einmal kurz (kinder-)frei zu haben. Wenn der Gang zum Arzt fällig ist. Wenn der Chef Sturm klingelt. Oder wenn Mama oder Papa sich so erschöpft fühlen, dass sie einfach mal frische Luft brauchen

Sundern..  Kinder zu haben, ist schön. Aber Luxus ist es, auch einmal kurz (kinder-)frei zu haben. Wenn der Gang zum Arzt fällig ist. Wenn der Chef Sturm klingelt. Oder wenn Mama oder Papa sich so erschöpft fühlen, dass sie einfach mal frische Luft brauchen. Freiräume für Eltern schafft bald in Sundern die „Schaukel“. Ehrenamtliche Familienhelferinnen wollen kostenfrei zu einem entspannteren Zusammenleben beitragen.

„Wir wollen einen Anschwung geben, damit die Eltern bald wieder entspannt alleine weiterschaukeln können. Daher der Name“, klärt Gleichstellungsbeauftragte Barbara Emde auf. Ein Anruf bei ihr genügt, und schon stellt sie den Kontakt zu ihren derzeit elf ehrenamtlichen Familienhelferinnen her. Die Elferrunde genießt gerade in Zusammenarbeit mit der VHS eine umfassende Schulung, um den Familien gerecht werden zu können und auch die eigenen Grenzen im Auge zu behalten.

Keine kostenfreien Babysitter

„Kostenfreie Babysitter bilden wir hier nicht aus“, stellt Barbara Emde klar. Wer Samstagabend mit dem Partner ausgehen will, muss dafür weiterhin eine Aufsicht bezahlen. Die „Schaukel“-Helfer sollen nach Absprache etwa einmal in der Woche dort helfen, wo Not an der Frau ist. Das kann Kinderbetreuung sein, aber auch die Begleitung zum Beispiel aufs Amt. „Jeder kann anrufen. Vom gut situierten Häuslebauer bis zur alleinerziehenden Mama, die ihr Geld zusammenhalten muss“, macht Barbara Emde deutlich. Die Helferinnen sind für die Gastfamilien kostenfrei.

Anstoß aus Arnsberg

Den Anstoß bekam die Schaukel von dem Verein „Zonta“ aus Arnsberg. Der Club, eine regionaler Ableger von Zonta International, ist ein Netzwerk von berufstätigen Frauen in verantwortungsvollen Positionen. Der Club hat sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Situation von Frauen auf allen Ebenen zu verbessern. Seit 2005 funktioniert das Projekt in der Stadt Arnsberg, und eine Ausdehnung auf Sundern haben die „Zontas“ schon lange angeregt. „Aber erst seit der Umstrukturierung innerhalb der Verwaltung haben wir Freiräume gefunden, das Ganze auch in die Tat umzusetzen“, so Barbara Emde.

Freilich, wenn Familienwelten aufeinanderprallen, fliegen auch schon einmal Funken. „Wenn man es privat sehr ordentlich hat und dann in eine Familie kommt, in der die Wäsche auf dem Boden liegt, muss man nicht gleich eine Standpauke halten“, sagt Ingrid Werthschulte.

An der VHS kümmert sie sich um die Ausbildung der Tagesmütter – Ehrensache, dass sie ihre Erfahrungen bei der Schulung an die ehrenamtlichen Familienhelferinnen weitergibt. „Man sollte fremde Lebensarbeiten in den Gastfamilien respektieren. Wenn sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, kann man immer noch darauf hinweisen, dass es zum Nutella-Frühstück Alternativen gibt.“ Alle Helferinnen können bei Problemen Ansprechpartner vermitteln – ob Schuldenberatung, Familien- oder Eheberatung.

Vertrauen muss wachsen

Damit Vertrauen entstehen kann, werden Gastfamilien und Helferinnen einander unter Begleitung zugeführt. Barbara Emde besucht jede potenzielle Gastfamilie. Nicht um zu kontrollieren, sondern um die „richtige“ Helferin vermitteln zu können. Dann wird in der Gruppe überlegt, wer zu dieser Familie gut passen könnte. Wenn beide Seiten sich sympathisch sind, beginnt die Arbeit. Die, wie das beim „Anschwung“ so ist, zeitlich begrenzt ist. „Einmal ist der Zeitpunkt gekommen, an dem es für alle heißt, loszulassen“, sagt Barbara Emde. Wann es soweit ist, entscheiden die Helfer und Gastfamilien selbst. Aber eine Dauereinrichtung sind die Familienfeen eben nicht. Aber sie haben bis dahin hoffentlich den Anstoß zu einem entspannteren Zusammensein gegeben. Denn von glücklichen Eltern haben Kinder eben mehr.