Fotograf Boris Becker führt die Betrachter aufs Glatteis

Sundern..  Der Name erzeugt Aufmerksamkeit, aber bei der jüngsten Ausstellung des Kunstvereins Sundern geht es nicht um den Tennisspieler Boris Becker, sondern um den Fotokünstler Boris Becker (54) aus Köln. „Artefakte“ heißt die Ausstellung, die am Sonntag, 26. April, um 14 Uhr in den Räumen der Stadtgalerie eröffnet wird.

Dazu sind im neuen Projektraum im Erdgeschoss der Galerie Werke von Sabine Remy unter dem Motto „Mehr als die Summe der Teile“ zu sehen.

Keine objektive Wiedergabe

Boris Becker ist einer der bekanntesten Vertreter der zeitgenössischen Fotokunst in Deutschland. Gezeigt werden in Sundern 25 Arbeiten aus unterschiedlichen Werkgruppen aus den letzten 20 Jahren. Wichtig für den Kölner Künstler ist vor allem, dass eine Aufnahme als eigenständiges Bild funktioniert und weniger als präzise beziehungswiese objektive Wiedergabe der Realität. So geht es ihm nicht um die Dokumentation von bestimmten Bauwerken oder Orten, sondern vielmehr um die darin von ihm entdeckten Facetten, die durch Menschen geschaffen wurden und ein Spiegel dafür sind, wie Menschen mit ihrem Lebensumfeld, Natur- und Kulturraum umgehen, ihn verändern oder gestalten. Dies findet Becker auch. in Architekturen, landwirtschaftlichen Nutzflächen und Landschaften, aber auch in scheinbar banalen Gegenständen und räumlichen Situationen, die eher übersieht.

Becker lässt mit seinem Blick auf diese Phänomene Bilder entstehen, die sich durch den künstlerischen Abstraktionsprozess auf Strukturen oder Flächen konzentrieren und in ihrer gelungenen Komposition oft malerisch wirken. Studiert hat Becker übrigens das Fach „Visuelle Kommunikation“ in Berlin und Düsseldorf.

Technisch bleibt Boris Becker der von seinem Lehrer bevorzugten Großbildfotografie treu, die die detailgenaue Wiedergabe der Wirklichkeit ermöglicht. Der Betrachter ist hin- und hergerissen: Soll er die Gesamtkomposition betrachten oder sich in die Details vertiefen. Die Detailtreue und Präzision seiner Bilder verleitet den Betrachter immer wieder zum munteren Deuten des Gesehenen. Allerdings führt Becker auch gern aus Glatteis.

Kurios und rätselhaft

Ähnlich kurios und rätselhaft sind die eher kleinformatigen Collagen der autodidaktischen Düsseldorfer Künstlerin Sabine Remy. Sie widmet sich exklusiv dem Medium der Collage beziehungsweise der Fotomontage.

Für Remy ist das Medium der Collage, bei der gefundene Bilder aus Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Postkarten und anderen Druckerzeugnissen aus dem ursprünglichen Kontext regelrecht herausgeschnitten und zu wundersamen Bilderwelten neu zusammengestellt werden, das perfekte Ausdrucksmittel. Remy schätzt vor allem die Zufälligkeit und Unvorhersehbarkeit dieser Arbeit.