Drogenhandel im großen Stil - Bandenchef (47) vor Gericht

Um Drogenhandel im großen Stil geht es vor dem Arnsberger Landgericht.
Um Drogenhandel im großen Stil geht es vor dem Arnsberger Landgericht.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Fünf Jahre tauchte der Drogenhändler in Kroatien unter. Jetzt steht der 47jährige Bandenchef vor dem Arnsberger Landgericht, weil er in Hachen einige Säcke mit Cannabispflanzen gelagert hatte.

Hachen/Arnsberg.. Manchmal dauert es bis zur Gerechtigkeit etwas länger, aber Justitia hat Geduld und lange Arme und damit letztlich Erfolg. Nach Abtauchen vor über fünf Jahre nach Kroatien wurde der mutmaßliche Chef der Bande, die im großen Stil und professionell Marihuana anbaute, vor sechs Monaten durch Zielfahnder in seiner Heimat aufgespürt und nachdem das Land 2013 der EU beitrat, an die deutschen Justizbehörden ausgeliefert und kam in Untersuchungshaft.

Jetzt wurde der 47-jährige Berufsimker vom Staatsanwalt wegen bandenmäßigen unerlaubten Anbau und Handel von und mit Marihuana angeklagt. Die Bande aus dem Raum Frankfurt war im August 2007 aufgefallen, als eine stillgelegte Fabrikhalle in Hachen durch das damalige Hochwasser überschwemmt wurde. Man fand dort in Säcken abgepackte Reste von Cannabispflanzen. Die Spuren führten nach Frankfurt und zur Erkenntnis, dass im dortigen Raum ebenfalls in Hallen im großen Stil Cannabis angebaut wurde.

Schwierige Fahndung

Es folgten schwierige polizeilichen Fahndungen; Mehrere Täter wurden in Asien, Serbien, Portugal, Kroatien und Deutschland festgenommen. Sie wurden allesamt vom Landgericht Arnsberg zu hohen Freiheitsstrafen zwischen fünf Jahren und sechs Monaten und neun Jahren verurteilt. Jetzt hatte sich der Kopf der Bande zu verantworten. Er ist zwar geständig, streitet jedoch ab, der Chef gewesen zu sein. Man habe alle Entscheidungen gemeinsam getroffen und jeder sei dort eingesetzt worden, wo er am besten arbeiten konnte. Der Gewinn sei gleichmäßig zwischen ihnen aufgeteilt worden.

Gericht Es habe keinen Chef gegeben. Anders hatten es die meisten in den Jahren 2008 und 2009 verurteilten Bandenmitglieder ausgesagt, was jetzt von zwei der jetzt wieder auf freiem Fuß befindlichen Zeugen wiederholt wurde. „Der Mike (Name geändert) hat alles organisiert und koordiniert. Alles ist über ihn gelaufen. Er hat alles überwacht und bei Entscheidungen sein O. K. gegeben. Ohne ihn ist nichts gelaufen“, so ein damaliger Mittäter, ein enger Vertrauter des Angeklagten. Er habe auch das Geld verteilt und über die Anmietung der Produktionshallen in Mainau, Rodgau und Hachen entschieden.

In zwei Jahren drei Ernten

In Mainau habe man über zwei Jahre je drei Ernten eingefahren. Man habe von den insgesamt sechs Ernten je ca. 130 kg Marihuana gehabt. In Rodgau war die Größenordnung ähnlich. Der Staatsanwalt rechnete aus, dass man zusammen mit Hachen 1,78 Tonnen Marihuana produziert hatte, was der Erwirtschaftung von 4,86 Mio. Euro entspricht. Diese Menge erbrachte rund 13 Millionen Verkaufseinheiten.

Der angeklagte 47-Jährige will, auch wenn er als Bandenchef erheblich belastet wurde, dieser auf keinen Fall gewesen sein. Als Kopf der Bande hätte er wahrscheinlich eine noch höhere Freiheitsstrafe zu erwarten, als die bisher schon verurteilten Komplizen.